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Full text : Vom Getreide zum Brot

Trennung von Kleie und Mehl und die Herstellung mehrerer gröberer und
feinerer Mehlsorten. Aus einer Augsburger Urkunde geht hervor, daß schon
im Jahre 1276 ein Müller als Mehlbeutler in einer dortigen Mühle angestellt

war.

Abb. 26. Mahlgang und Beutelzeug mit zusätzlichem Sauberer (um 1800)

Im 15. Jahrhundert war man in verschiedenen Ländern zur Beutelung
des Mehles mit dem automatischen Wollbeutel übergegangen. Aus der geschichtlichen
 Überlieferung entnehmen wir, daß im Jahre 1502 vom sächsischen
 Müller Nikolaus Voller in Zwickau erstmals ein mechanisches Beutelwerk
 zum Sichten des Mahlgutes in Gang gesetzt wurde.

Diese neue Siebvorrichtung bestand aus einem schlauchartigen Wollbeutel,
der aus Schafwolle fest und gleichmäßig gewoben wurde und mit dem einen
Ende am Auslauf des Mahlganges, am anderen Ende an der Vorderseite
des ihn einschließenden Beutelkastens befestigt war. Seine Anordnung war
schräg und in einem Winkel von etwa 30 bis 40 Grad. Das Mahlgut fiel
vom Mahlgang in den tiefergelegenen Wollbeutel, der während des Mahlbetriebes
 von der Mühlsteinachse oder dem Mühleisen aus, mittels eines
Gabelzeuges fortwährend kräftig umhergebeutelt und geschüttelt wurde.
Während dieser ziemlich unsanften Schüttelbewegung fiel das Mehl durch
die Maschen des Wollgewebes in den Beutelkasten, von dem es dann von
Hand herausgefaßt werden mußte. Die Kleie und die gröberen Sichtprodukte,
 wie Grieß und Dunste, kamen an der Vorderseite des Beutelkastens,
 am Ende des Wollbeutels heraus und die besseren Produkte wurden
immer wieder solange zurückgeschüttet, bis alles gute Mehl aus dem Mahlgut
 gewonnen war.

Das so oft besungene Klappern der Mühle rührt von dieser Schüttelbewegung
 des Wollbeutels her und wurde durch den auf dem Mühleisen
befestigten Dreischlag, der das Gabelzeug in Bewegung hielt, verursacht.
Durch diese Beutelung wurde ein schon ganz wesentlich feineres und helleres
Mehl erzielt. 31
            
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