Um ein befriedigendes Backergebnis zu bekommen, muß der Sauer vor
allem unverdorben und einer guten Gärwirkung fähig sein. Zum Anstellen
des Sauers nimmt man vom reifen Vollsauer ein klein wenig ab und vermischt
es mit Mehl und Wasser. Ist der Sauer aus irgend einem Grunde nicht
mehr genügend wirkungsfähig, dann verwendet man zur Ansetzung des
Frischsauers Sauerteigreinkulturen, welche von verschiedenen Firmen in den
Handel gebracht werden. Es sind meist Reinkulturen von Milchsäurebak
terien, welche vom Bäcker selbst mit Roggenmehl und Wasser zum Frisch
sauer angesetzt werden können. Um ein einwandfreies Rogenbrot von schö
nem Aussehen und gutem Geschmack zu erhalten, ist eine aufmerksame
Herführung des Sauerteiges von außerordentlicher Wichtigkeit. Fehlt es an
seiner richtigen Herführung, dann vermag selbst das ergiebigste Mehl und
die beste Einrichtung nicht viel zu nützen, um die dann entstehenden ver
schiedenartigen Brotfehler zu vermeiden.
Die Sauerteigbakterienkultur vollführt der Bäcker durch stufenartige Her
führung der Säuerung, wobei er immer wieder in längeren oder kürzeren
Zwischenräumen der jeweils vorhergehenden Sauerteigstufe neue Mengen
Mehl und Wasser zusetzt. Durch das fortgesetzte Auffrischen des Sauer
teiges wird den säure- und gasbildenden Mikroorganismen immer neue Nah
rung zugeführt. Die indessen gebildete Milchsäure fördert stufenartig das
Quellungsvermögen der schwerquellenden Eiweißsubstanz, so daß bis zur
eigentlichen Roggenteigbildung, die bekanntlich nach der Vollsauerstufe
erfolgt, verschiedenartig gequollene Eiweißteilchen mit den noch ungequol
lenen des zuletzt zugesetzten Roggenmehles zusammentreffen. Dadurch sind
dann erst die Bedingungen zur Bildung einer mehr oder weniger zusammen
hängenden Teigmasse gegeben.
Die ganze Sauerteigführung zerfällt in fünf Stufen:
1. Anstellsauer,
2. Anfrischsauer,
3. Grundsauer,
4. Vollsauer,
5. Teig.
Der Anstellsauer wird vom reifen Vollsauer genommen. Auf 100 kg
Teig rechnet man gewöhnlich 300 Gramm reifen Vollsauer. Diesem
gibt man etwas Mehl und Wasser (auf 300 Gramm Vollsauer 400 Gramm
Mehl und 300 ccm Wasser) zu (in der Regel gegen Mittag, wenn man am
anderen Morgen backen will) und nennt diesen dann Frischsauer oder
Frischei. Teigüberreste sollen zur Bereitung des Frischsauers nie verwendet
werden, denn die gesalzenen Teigreste würden die Gärung und Kohlen
säurebildung hemmen und unter Umständen mehr schaden wie nützen.
Die Herstellung des Frischsauers ist für die weiteren Sauerteigstufen sehr
wichtig. Die Menge des zugesetzten Mehles und Wassers soll vor allem im
richtigen Verhältnis zur Größe des Anstellsauers genommen werden. In der 506