Traubenzucker und ebenso Fruchtzucker sind in fast allen süßen Beeren
und Obstfrüchten und in besonders hohem Maße im Blütenhonig enthalten.
Auch im Getreide und dadurch auch im Mehle finden wir diese einfachsten
Zucker, welche der Hefe als Nahrung dienen und deren Anwesenheit für
einen guten Gärverlauf geradezu ausschlaggebend sind. Beide sind ein
fachste Kohlehydrate und werden von der Hefe in der alkoholischen Gärung
direkt vergoren. Sie sind daher das beste und geeignetste Nahrungsmittel für
die Hefe. Durch das in der Hefe enthaltene Enzym Zymase werden sie in
Alkohol und Kohlensäure (Triebgas der Gärung) aufgespalten.
Malzzucker bildet sich ähnlich wie der Traubenzucker ebenfalls während
der Teiggare durch enzymatischen Abbau von Stärke durch das Enzym
Diastase. Der lösliche Malzzucker selbst wird im Verlaufe der Teiggare
weiter zerlegt durch das Enzym Maltase in Traubenzucker. Wenn deshalb
auch Malzzucker von der Hefe nicht direkt vergoren werden kann, so ist er
dennoch für den weiteren Verlauf der Gare ein geeignetes Hefefutter, durch
welches die Gare am Ende zu beschleunigt und ein kräftiger Gärtrieb auch
nach dem Ende zu noch erreicht werden kann. Malzzucker ist in allen gä
rungsfördernden Backhilfsmitteln enthalten, ganz besonders in den aufge
schlossenen Malzextrakten.
Kapillarsirup ist ein flüssiger Zucker, der entweder als Nebenprodukt
der Zuckergewinnung entsteht, meist aber aus einer billigen Stärke durch
Einwirkung von verdünnter Säure gewonnen wird. Er ist die billigste Zucker
art und wird besonders viel in der Konditorei zur Bonbon- und Konfitüren
herstellung verwendet, weil er nicht auskristallisiert.
Rübenzucker wird, wie schon der Name andeutet, aus der Zuckerrübe
fabrikmäßig gewonnen und ist heute die in Europa verbreitetste Zuckerart.
Die Zuckerrübe wird im Herbst aus der Erde gezogen, gewaschen und ge
reinigt und hierauf in Schnitzel geteilt, welche dann in heißem Wasser aus
gelaugt, abgepreßt und getrocknet werden. Die getrockneten Rückstände
finden als Zuckerschnitzel für die Tierfütterung Verwendung. Der durch
Pressung gewonnene Zuckersaft (Rohsaft) wird mit Kalkmilch aufgekocht,
geklärt und mittels Filterpressen gereinigt.
Der auf diese Weise behandelte Dünnsaft wird auf eigenen Ver
dampfungsapparaten zu Dicksaft und letztere dann in Vakuumkesseln zu
einem braunen Brei eingedampft. Diese Masse, die Grünsirup genannt wird,
teilt man alsdann auf einer eigenen Schleudermaschine durch Zentrifugieren
in Rohrzucker und Melasse.
Der deutsche Chemiker Markgraf aus Berlin war es, der erstmals 1747
Zucker aus der Zuckerrübe herstellte. Seitdem haben sich sowohl durch
züchterische Verbesserung in Sorte und Anbaumethode wie durch technische
Verbesserung der Apparaturen zur Zuckergewinnung die Zuckerausbeuten
wesentlich verbessert, so daß sich heute mit den verbesserten Verfahren bis
zu 18 Prozent Rübenzucker aus der Zuckerrübe gewinnen läßt. 540