verbleiben sie bis zur Erreichung des richtigen Reifegrades und kommen
alsdann in garreifem Zustand in den automatisch arbeitenden Backofen. Man
verwendet hiezu meist den sehr langen Tunnel- oder Kettenofen. (Siehe Universal-Netzbandofen.)
In diesem durchwandern sie automatisch den Ofen und kommen dann am
Ende der erstrebten Backzeit als fertiges Gebäck wieder heraus. Bei Verwendung
von Blechformen müssen letztere dann allerdings von Hand vom
Brote getrennt werden. Mit Hilfe eines weiteren Förderbandes wird das
heiße Brot weiter geführt und auf eine Kühlvorrichtung gebracht, während
bei Benutzung von Blechformen die entleerten Formen auf einem anderen
Band zur Nachwirkmaschine zurückgebracht werden. Auf dem Wege dorthin
werden sie gekühlt, maschinell gereinigt und eingefettet.
Die genügend gekühlten Brote gelangen von der Kühlvorrichtung weg
in den Packraum, wo sie meist noch auf einer eigenen Packmaschine mit
einer Papierhülle umgeben und für den Verkauf fertiggestellt werden.
Diese Großbäckereien, vulgo Brotfabriken, zählen zwar keineswegs zu den
Freunden der ehrsamen Bäckerschaft. Allein mit ihrer Existenz muß nun
einmal gerechnet werden und besser, der einzelne Handwerker sieht mit
offenen Augen den schärfsten Konkurrenten des Kleinmeisterbetriebes und
weiß, wo die wirtschaftliche Schwäche seines Gegners liegt, als wenn er
in Verschlossenheit der Gestaltung der Dinge zusieht und solange abwartet,
bis ihn dann schließlich eines schönen Tages die liebe Konkurrenz mit Haut
und Haaren verschlingt. Es ist allerdings unleugbare Tatsache, daß die
Kleinbäckereien, wie sie vor fünfzig und noch mehr. Jahren als Kleinmeisterbetriebe
blühten, genau so wie auch die Kleinmühlen von damals, den gesteigerten
Bedürfnissen des großstädtischen Verbrauches nicht mehr gewachsen
waren und es ungleich größerer Betriebe bedurfte, um in großzügiger
Weise den gesteigerten Ansprüchen in der großstädtischen Versorgung gerecht
zu werden.
Wieweit das Vordringen der Großbetriebe im Bäckergewerbe in der Zukunft
weiter noch möglich sein wird, liegt ganz in der künftigen Haltung der
Bäckerschaft selbst.
Jeder einsichtige Fachmann muß heute zur Erkenntnis gelangen, daß sich
ein Handwerk auf die Dauer neben den alle Vorteile der wirtschaftlichen
Großorganisationsform ausnützenden Großbetrieben nur dann noch behaupten
kann, wenn er sich der Einführung rationeller Arbeitsmethoden nicht
verschließt und in allen Teilen seines Berufsgebietes sowohl praktisch, theoretisch
wie kaufmännisch voll und ganz Bescheid weiß. Erfolg und Schicksal
des Kleinmeisterbetriebes in der nächsten Zukunft liegen ganz in der richtigen
Zusammenarbeit zwischen Kopf und Hand. Darum sollte sich jeder junge
Handwerker, und das gilt auch für den Müller und Bäcker, welcher danach
trachtet, einmal selber Meister zu werden, diesen Grundsatz beherzigen und
seine ganze Ehre dareinsetzen, durch sein Können und durch seine Fähigkeit
das von ihm als Lebensberuf erwählte Handwerk hochzubringen. 633