Nicht anders ist der Beruf des Bäckers. Auch ihm stehen heute eine ganze
Anzahl sinnreich erdachter Maschinen zur Verfügung, die ihm seine schwere
Arbeit, angefangen von der Mehleinlagerung über das Sieben, Teigmachen,
Teilen, Wirken, Rollen bis zum garreifen Teigstück, in vollendetster Weise
erleichtern. Moderne, mit allen Errungenschaften der Wärmetechnik durch
dachte Backöfen tragen dazu bei, auch dem Bäcker die schwere Berufs
arbeit ganz wesentlich zu erleichtern. Auch sein Berufsgebiet erfordert heute
ein Spezialwissen. Wie sehr sich hierin ein wirklicher Fachmann von einem
Stümper unterscheidet, das erkennt ein jeder Müller sehr schnell, wenn er mit
den Vertretern dieses Berufs zu tun hat. Eine gelegentliche Schwankung in
der Mehlbeschaffenheit, wie diese nun eben nicht immer ganz zu vermeiden
ist, bringt den tüchtigen Bäcker von heute, der seinen Beruf ganz beherrscht,
lange nicht so schnell in Verlegenheit wie ehedem, denn er weiß Bescheid
über all die näheren Zusammenhänge von Getreide, Mehl und Brot und
kennt die Einflüsse genau, welche Kleber und Diastase, Hefe und Sauer
teig, kalte und warme Führung, gärungsfördernde und wasserbindende
Backhilfsmittel auf das gute Gelingen der Brotbereitung nehmen können.
Und gerade durch dieses Wissen, aus den Erfahrungen der Praxis ent
sprechend erweitert, ist auch hier wieder der tüchtige Bäckereifachmann viel
schneller und sicherer in der Lage zu beurteilen, wie und wo er den rechten
Hebel anzusetzen hat, als sein Berufsgenosse, der von der Gesetzmäßigkeit,
von Ursache und Wirkung nichts versteht.
Wer aber hat denn schon ausgelernt? Gerade uns Praktikern, die wir mit
beiden Füßen in der Wirklichkeit unseres Berufes stehen, kommt immer
wieder zur Erkenntnis, daß wir noch mehr lernen müssen und vor allem
noch mehr wissen sollten von den Geheimnissen der natürlichen Beschaffen
heit des Getreides und seiner Mehle in seinen tieferen Zusammenhängen.
Erst dann, wenn wir uns alle Vorgänge auf dem Wege vom Getreide
zum Brot genügend erklären können, deren Zusammenhänge verstehen
und die richtigen Schlüsse daraus auf die Praxis anwenden, dann werden
auch wir, leider nur allzuoft einander feindlich gegenüberstehenden Brüder,
,,Müller und Bäcker“, uns harmonischer vertragen und besser verstehen.