Unser Rohmaterial.
Jn unserer Betriebszeitung vom 1. August haben wir von der heimischen
Spinnfaser Zellwolle gesprochen.
Wir wollen nun diesmal die Spinnfaser
Baumwolle
beschreiben, bezw. zeigen, wie diese Faser geerntet und gehandelt wird.
Die Baumwollpflanze kommt in Ländern mit tropischem Klima zumeist
krautartig (/= bis 1 Meter) oder strauchartig (bis 2.50 Teter), seltener
auch baumartig (bis 6 Teter Söhe) in vielen verschiedenen Arten vor. Die
Frucht der Baumwollpflanze ist eine 3= bis fächerige Kapsel in der Grösze
einer Walnuß; in jedem Fac enthält Jie 3 bis 8 dunkelbraune Samenkörner,
die meist von den daran hängenden „Samenhaaren" eingehüllt
sind. Zur Zeit der Reife platzen die Kapseln auf und lassen die Haare
berausquellen. - Bei der Ernte, die sechs Monate nach der Aussaat erfolgt,
wird die Baumwolle meift mit der Hand aus den Kapseln gepflückt (Tagesleistung
eines guten Arbeiters 50 bis 80 Kilo); hierbei ist darauf zu achten,
daß die Kapseln nicht beschädigt werden, da sonst abgebrochene Kapselstücke
und Blattreste die Baumwolle verunreinigen und in ihrem Wert herabsetzen.
Dies ift namentlich bei der heute in einigen Bezirken von lordemerita
eingeführten Maschinenernte der Fall. Je nach Art des Pflückens
finden sich in der noch unentfernten Baumwolle an Verunreinigungen
beispielsweise bei
Auspflücken der Kapsel mit Hand 1.5 Prozent
Abrupfen der Kapsel mit Hand 5.0 Prozent
maschinengepflückt 13.5 Prozent
lach der Ernte wird die Baumwolle getrocknet und von den noch anhängenden
Samen befreit. Letzteres geschah früher von Hand, wobei ein
Sklave etwa 2 Jahre brauchte, um einen Ballen von ca. 220 Kilo zu entfernen
(d. h. etwa 1/2 Kilo täglich), heute maschinell durch die Entkernungsmachine,
die täglich aus 2000 Kilo Samenbaumwolle 650 Kilo gereinigte
Baumwolle liefert, lach dem Entkernen wird die Baumwolle in Ballen
gepreßt und in grobe Jutegewebe verpackt. Das Ballengewicht beträgt für
amerikanische Baumwolle 227 Kilo, für ägyptische 340 Kilo und für ostasiatische
180 Kilo.
Die Baumwolle wird nac vorgenommener Klassierung auf den Baumwollbörsen
in Ballen gehandelt. Die wichtigsten Börsenplätze find Allexandria,
New-Hrleans, Bombay, Liverpool, Le Havre, Bremen, New-Zork
und Chicago. Om Handel werden die Baumwolleigenschaften in zwei
Sammelbegriffe zusammengefaszt, nämlich in
Stapel,-umfassend die an die Einzelfaser gebundenen Eigenschaften, und
Klasse, umfassend jene Eigenschaften, die den gesamten Charakter der
jeweiligen Baumwollforte bestimmen. 16