Besonders schwierig waren aber diesmal die Vorbereitungen für den von
Frau Stella Schindler einstudierten neuen Tanz unserer Mädels. Schon
das Alnsetzen der für die Tanzgruppe notwendigen täglichen Proben war
durch den verschiedenen Arbeitsschlus und den Schichtbetrieb mit großen
Schwierigkeiten verbunden. Man fand dadurch einen Ausweg, daß man
die Tadels aus dem Betrieb in der gleichen Schicht beschäftigte und nun
die proben die eine Woche vormittags, die andere Woche nachmittags abhielt.
Als endlich diese Angelegenheit zur allgemeinen Zufriedenheit geregelt
war, tauchten mit der Frage der Kostümbeschaffung und des dazu benötigten
Effektaufputzes neue Schwierigkeiten auf. Nac vielem schreiben,
telephonieren und telegraphieren nach Berlin und Wien wurde auch dieses
Hindernis genommen. Nun brauchte man aber noch eine Schneiderin zur
Anfertigung der Kostüme. Auf alle Anfragen bekam man jedoch nur ein
mitleidiges Lächeln: „Ja, wenn es bis Jänner oder Feber Zeit hätte, dann
selbstverständlich sehr gerne - aber bis 14. Dezember? - Jetzt vor Weihnachten?
- Ausgeschlossen!" Damit aber ift unserer Tanzgruppe nicht gedient.
- Was also tun? - Da müssen die Tädels eben selbst einspringen
und die Anfertigung der Kostüme übernehmen. - Auch dazu sind Jie bereit
und abgesehen davon, daß fie so weitere Stunden ihrer Freizeit opfern, ift
sicherlich mancher unter ihnen ob der ungewohnten Alrbeit der falte Angstschweiß
auf die Stirne getreten und fo mancher Blutstropfen wird aus den
zerstochenen Fingern geflossen fein. Aber - und das muß anerkannt werben
- alle Tädels haben biefe Talentprobe zur Schneiderin restlos und gut
bestanden; bie Kostüme sehen reizend aus.
Daß Tanzproben faßt als arge Quälerei bezeichnet werben können - unsere
geduldige Tanzmeisterin, Frau Schindler, wirb mir diesen harten Ausdruck
sicherlich entschuldigen - hat unsere Arbeitskameradin Fini Halder schon im
Heft Nr. 6 unferer Betriebszeitung recht anschaulich geschildert. Zum
Tanzen gehört aber Musik. Bei den Proben muß dazu ein Grammophon
herbalten, auf bem man bie nimmermüde Schallplatte immer wieder abspielen
kann; zur Aufführung selbst aber soll bas gleiche Musikstück von
einer kleinen Kapelle gespielt werben. Dazu braucht man bekanntlich bie
Sloten bes zu spielenden Stückes, bie man - fo sollte man wenigstens annehmen
- in einer Musikalienhandlung zu kaufen bekommt.
Weit gefehlt! - Alle Noten waren vorhanden, angefangen von Bach und
Mozart, über Beethoven, Schubert und Johann Strauß bis zu den neuesten
Solbatenliebern von Herms Piel, aber gerabe die Noten, bie wir benötigten,
gab es nicht. Weder in Bregenz, noch in Lindau, noch in Dornbirn.
Aber auch nicht in Tünchen, Berlin ober Wien. Es nähte nichts, baß man
alle Hebel in Bewegung setzte, bie Poten zu unserer Tanzmusik gab es einfach'
nicht, gerabe fo, als ob dieses Tusikstüc einfach nie komponiert worden
wäre.
Die Verantwortliche-n (bitte, ic habe feinen Namen genannt) fluchte-n nach
allen Regeln ber Kunst. - Da würbe nun ber Tanz feit Wochen nach dieser 13