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Full text: Vorwärts - Aufwärts. Betriebszeitung der Textilwerke Schindler und Cie. Bregenz-Kennelbach

- sac Tagen aber, wenn er bann endlich wieder einmal ein paar Ruhe- 
stunden hat, ist vielleicht unser Brief unter den ungeheuren Eindrücken des 
inzwischen Erlebten, unter der Wucht des Geschehens in Vergessenheit ge- 
raten und erst ein neuer Brief bringt die Erinnerung an das Versäumte 
wieder. 
Wenn wir uns darauf besinnen, wieviel ein lieber Brief schon unter nor- 
malen Umständen für uns bedeuten kann, so werden wir sicherlich gerne 
bereit sein, unseren eingerückten Arbeitskameraden durch möglichst häufiges 
Schreiben ihre Sehnsucht nac der Heimat leichter tragen zu helfen und 
das Band zwischen Front und Heimat damit möglichst innig zu gestalten. 
Laszt uns also gleich mit einem Weihnachtsgrus den Anfang machen. 
S. Keil. 
Vom alten und vom neuen Kessel 
Der alte Kessel war schon recht betagt; schon 1885 war er aufgestellt worden 
und hat all die vielen Jahre redlich und treu seine Pflicht erfüllt. Es kam 
daher nicht überraschend, das der Kesselinspektor bei einer Kontrolle im 
Jahre 1938 verschiedene Schäden feststellte und zur Anschaffung eines 
neuen Kessels riet. Die Angst einiger in der Nähe des Kesselhauses arbei- 
tender Kameraden, gelegentlich einmal in die Luft zu fliegen, war selbst- 
verständlich vollkommen unbegründet, da bei einer Explosionsgefahr der 
Betrieb des Kessels einfach gesperrt worden wäre. 
Trotzdem holten wir schon im Jahre 1938 Angebote für einen neuen Kessel 
ein, denn durch die neue Klimaanlage in der Spinnerei, erhöhten Heiz- 
bedarf für den Batteur (Zellwollverarbeitung) und für einige neue Räume, 
reichte der alte Kessel nicht mehr aus. Um Frühjahr 1939 wurde die Be- 
Stellung für den neuen Kessel erteilt, der noch im Herbst 1939 geliefert 
werden sollte, nachdem unser Betriebsführer, nac einigen Reisen nach 
Berlin, die Liefergenehmigung erhalten hatte. 
Durch die sofort mit Kriegsausbruch einsetzende strenge Bewirtschaftung 
der Rohstoffe mußten wir jedoch neuerlich um Lieferbewilligung einreichen. 
Om Frühjahr 1940 wurde uns diese endlich auc erteilt und die Lieferung 
des neuen Kessels für den Sommer in Aussicht gestellt. Am gegen alle 
Eventualitäten gesichert zu sein, konnten wir allerdings mit dem Abbruch 
des alten Kessels und den Vorbereitungsarbeiten zum Aufstellen des neuen 
Kessels erst nach dessen tatsächlichem Versand durch die Lieferfirma Pauker- 
werk Al. 6. in Wien beginnen. 
Diele Arbeitskameraden haben wohl selbst gesehen, mit welchen Schwierig- 
keiten der Antransport des 18 Tonnen schweren Kessels aus Bregenz per 24
	        
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