Ruf Schloß
Wolfurt.
Alls wir in den Saal traten, bot sic uns ein wunderbares Bild. (Die Mädchen waren
zu spät gekommen. Anm. d. Schriftw.) Die Kulissen stellten einen Tempel bar, im
Hintergrund ein tiefblaues Meer. Auf ber Stiege ftanb eine Priesterin in weiszem
Kleid, bas Gesicht vollständig verschleiert. Die Kostüme ber einzelnen Spieler waren
ganz grosz. Man verstand jedes Wort bis in bie letzten Reihen bes Saales. Wir
verlieszen den Saal im Bewusztsein, einmal etwas Groszes unb Schönes gesehen zu
haben. Elsa Auringer.
Die zweite Niacht in München.
Wir kamen etwas nac 10 Uhr im Hhotel wieber an. Der Wirt erklärte uns, er habe
nichts mehr zu effen. (Obwohl bas Essen bestellt war. Anm. b. Schriftw.) Da war
bie grosze Geduld unferer lieben Frau Dr. Schindler zu Ende unb fie schimpfte mal
so richtig brauf los. In fünf Minuten ftanb bas befte Essen vor uns. Da lachten wir
uns alle brav ins Fäustchen: — was alles geht, wenn man will! Nac biefem guten
Essen saszen wir noch gemütlich beifammen. Sin Teil ber Mädchen begab sic aber
balb in ihre Zimmer, um bort noch Grüsze ins Ländle zu fenben. Der Beiger meiner
Uhr ftanb auf 2 Uhr morgens, als ic auf einmal ein leises Klopfen an unferer Zimmertür
vernahm. Es waren zwei unferer Mädchen, bie sic in ben Nachthemden wie Geister
in unser Zimmer schlichen. Sie baten um bie llnterschrift, bamit biefe Karten am
Sonntag Morgen mit ber erften Post wegkommen. Bald waren wir alle in tiefen
Schlaf versunken. Frieda Hofer.
Sonntag Vormittag.
Kurz war ber Sonntag Vormittag, ben wir bis balb 10 Uhr verschlafen hatten. Plötzlic
ftürmten einige Mädel von einem Zimmer ins anbere, um bie Siebenschläfer zu
wecken. Bald tauchte eine nach der anberen im Gastzimmer auf, um zum letztenmal
in München bas Frühstüc einzunehmen. Um halb 11 Uhr gingen wir nochmals durch
bie Straszen Münchens unb besichtigten auch die Frauenkirche, bas Wahrzeichen ber
Stabt. Nac zirka einer Stunbe kehrten wir in bas Hotel zurück, zum gemeinschaftlichen
Mittagessen.
Nac bemfelben muszten wir, fo rasch wie möglich, unfere Siebenfachen zusammenpacken,
ba schon anbere Gäste in unfere Zimmer wollten. Im letzten Augenblick suchten
wir noch rasch einen Briefkasten, um bie geschriebenen Karten einzuwerfen. Einige
hatten feine Marken, muszten also bie Karten mit nach Hause nehmen. Eiligen Schrittes
ging es zur Bahn, ba um 1 Uhr unser Zug fuhr. Anni Sieber. 8