Celindevgeist im Betrieb.
Wie schon wiederholte Aufrufe bewiesen haben, legt unser Betrieb unbedingt
Wert darauf, daß sic die Gefolgschaftsmitglieder auc zu ihrem Teil dar-
um bemühen, durch Anregungen und Vorschläge Alnzulänglichkeiten oder
Tiszstände abzustellen, durch von ihnen erdachte Verbesserungen an Ta-
schinen oder beim Arbeitsgang den Betrieb fortschrittlich zu erhalten und
auf diese Weise wirtschaftlich zu gestalten.
Es sind im Laufe des letzten Jahres auch schon eine Reihe wirklich brauch-
barer Vorschläge gemacht worden, so daß dafür Prämien zur Auszahlung
gebracht werden konnten. Trotzdem aber bin ic überzeugt, daß die Tit-
arbeit der Arbeitskameraden bedeutend reger sein könnte, denn - wie die
in vielen Betrieben durchgeführten Erhebungen gezeigt haben - gerade der
arbeitende Volksgenosse ist in der Lage, zahlreiche wertvolle und zweck-
mäszige Anregungen zu geben.
Warum ist dies also nicht auc in unserem Betrieb so?
Odx habe über diese Frage nachgedacht und bin zu folgendem Ergebnis ge-
langt (für desen Richtigkeit ic allerdings keine Garantie übernehme): Die
meisten Arbeitskameraden im Betrieb sind sic wahrscheinlich ihrer geisti-
gen Fähigkeiten kaum bewuszt und dadurch häufig im Unklaren, ob eine in
ihrem Geiste auftauchende Odee - durch deren Ausführung sie die Derbesse-
rung einer Maschine oder die Erleichterung, Vereinfachung irgend eines
Arbeitsvorganges zu erzielen hoffen - einen erfinderischen Einschlag und
pialtischen Wert hat und ob es dafür steht, diese Jdee der Betriebsführung
zur Kenntnis zu bringen. Vielfach sieht vielleicht der Kamerad seinen
Einfall als gar nichts Besonderes an. Die psychologisch verständliche Be-
scheidenheit hat in diesem Falle meistens zur Folge, daß kein e Meldung
gemacht wird und die Jdee - leider zum Schaden des Betriebes - wieder
in Vergessenheit gerät. Es gibt allerdings auc Gegenstücke zu solch be-
scheidenen Arbeitskameraden. Das sind jene Volksgenossen, die - von der
Erfindermentalität besessen - die simpelste Anregung,die sie zu geben in der
Lage sind, als epochemachende Erfindung ansehen, ihre Vorgesetzten und
die Betriebsführung damit nach allen Regeln der Kunst drangsalieren und
sic fürstliche Belohnungen erhoffen. Diese berüchtigte Spielart von Dolts-
genossen - die ja gottlob in unserem Betrieb bis jetzt nicht zum Vorschein
kam - will ic aber in meiner Betrachtung heute beiseite lassen und mich
lediglich mit den zu bescheidenen und oft mit Minderwertigkeitskomplexen
behafteten Arbeitskameraden beschäftigen.
Uc habe diesbezüglich schon gewisse Erfahrung. Wiederholt haben da zum
Beispiel einzelne Arbeitskameraden, die ic um Beiträge für unsere Be-
triebszeitung bat, ihre Mitarbeit mit dem Hinweis abgelehnt, sie hätten ja 16