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Full text: Vorwärts - Aufwärts. Betriebszeitung der Textilwerke Schindler und Cie. Bregenz-Kennelbach

das dritte Tor zu nehmen, zunichte. Alber auc die weitere Strecke hatte 
große Aehnlichkeit mit dem „Punkt-Strich-Punkt-Strich"-Bild, das für 
gewöhnlich nur auf den Papierstreifen eine Morseapparates zu sehen ist. 
Alber auc die Männer, die mit einem nachsichtigen Lächeln boshafte Be- 
merkungen über die Fahrkünste ihrer Kameradinnen machten, wurden bald 
kleinlauter, als Jie selbst ihr Können unter Beweis stellen mußten. Sie alle, 
nur mit ganz wenigen Ausnahmen, machten nähere Bekanntschaft mit dem 
naßkörnigen Schnee, denn es zeigte sich, daß die Strecke verschiedene 
Schwierigkeiten aufwies, die man leider erst dann erkannte, wenn es schon 
zu spät war. Ein junger Mann, der die Sache besonders forsch anging 
und auc die ersten paar Tore wirklich in prachtvollem Stil bewältigte, 
bekam solche Fahrt, daß er in der zweiten Hälfte der Strecke einfach nicht 
mehr abschwingen konnte und in toller Schußfahrt - eine ganze Reihe von 
Toren auslaßJend - durchs Ziel gehen musste. 
Daß die verschiedenen, oft recht komisch aussehenden Stürze zur allgemeinen 
Heiterkeit beitrugen, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Trotzdem 
aber wurde das Ende der Konkurrenz mit einiger Befriedigung begrüßt, 
denn alle, ohne Ausnahme, waren bis auf die Haut durchnäßt und Jehnten 
sic danach, die regenschweren Kleider in irgend einer warmen Stube vom 
Leibe zu bekommen. Auf dem Wege zur Bahnhofswirtschaft von 
Schwarzenberg, wo wir bis zur Abfahrt unseres Zügles Zuflucht suchen 
wollten, wurde von den Fahrern eifrig über das Rennen debattiert und 
jeder bedauerte, daß unsere Veranstaltung vom Wettergott nicht begünstigt 
worden war, denn dann wäre es ja noch viel, viel pfundiger geworden. - 
Ein Fremder, der am Nachmittag dieses Sonntages in die Bahnhofswirt- 
schaft gekommen wäre, würde sic über die höchst merkwürdigen Gestalten 
dort sehr gewundert haben. Da sah man Barfüszige, die in kurzer Turnhose 
und Hemd herumliefen, vor Nässe tropften und dabei ein buntes Skituc 
um den Hals geschlungen trugen, dort wand ein anderer seine Unterhose 
aus (bitte um Entschuldigung, es war aber tatsächlich so!), daß das nieder- 
rinnende Wasser am Boden eine große Lache bildete, wieder andere hüpften 
gliederverrenkend durch die Wirtsstube oder drängten sic derart an den 
warmgeheizten Ofen heran, daß ihre nassen Kleider zu dampfen begannen 
und dichte Schwaden gegen die Decke stiegen, mit einem Wort, es war 
ein Bild, das man nicht so leicht wieder vergißzt. 
Trotz aller Anbillen, die durchgemacht worden waren, herrschte eine ganz 
fabelhafte Stimmung und der Glühwein, der zur Erwärmung der durch- 
frorenen Glieder konsumiert wurde, tat dazu Jein übriges. Leider hatte 
unsere Arbeitskameradin Wilma Böhler einen Anfall. Durch verschütteten 
glühendheiszen Wein 30g sie sic am Oberarm starke Verbrennungen zweiten 
Grades zu, so daß sie den Arzt in Anspruch nehmen mußte. Trotzdem war 
das tapfere mädel einer der Lustigsten unter uns. Gesang und Scherze 
ließ die Zeit so rasc vergehen, daß es alle bedauerten, als zum Zügle auf- 
gebrochen werden muszte. Alls daher irgend jemand den Vorschlag machte, 
die Heimfahrt in Egg zu unterbrechen und im „Ochsen" - den alle noch 
vom Wintersporttag der Mannschaften in froher Erinnerung hatten - eine
	        
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