Schafherden, Schrebergärten und Flugfeldern mit ihren silbernen Dögeln,
ging es vorbei, durc blitzsaubere Dörflein, Orte und Städte. Ehe wir uns
versahen, hieß es: Augsburg - 21/2 Stunden Aufenthalt! - Des Tagens
dringendste Forderung wurde mit einem Stammgericht zum Schweigen ge=
bracht und blieb uns bann noch ein biszchen Zeit, die Schaufenster zu be-
gucken, wenn es auch nur zum Wünschen reichte. Dann wandten mir uns
wieder dem Bahnhof zu, wo bald der Sonderzug aus Onnsbruc eintraf.
- Soldaten, Angehörige des Reichsarbeitsdienstes in männlicher und weib-
licher Ausgabe, und Arbeiter aus den verschiedenen Kreisen des Gaues
Tirol-Dorarlberg - eine bunte Gesellschaft - bevölkerte den Bahnhof.
Endlich ging es wieder los. Ohne Unfall kamen mir in Nürnberg, der
Stadt der Reichsparteitage, an. Wenn man hier nur Zwischenstation
machen könnte! Bloß einen Tag! - Doch leider, alles auf einmal kann
man nicht haben, es muß auch noch für später etwas zum wünschen blei-
ben! - Aber einen kleinen Aufenthalt gab es unfreiwillig. Ausgerechnet
der Wagen des Kreises Bregenz streikte. Ob das wohl vom Zuviel an
Gewicht oder an Fröhlichkeit kam? Der Wagen mußte ausgewechselt morden
und mir fühlten uns als „höchste Herrschaften", da mir in der ersten Klasse
weiterfahren durften.
Kaum konnten mir erwarten, bis Bayreuth in Sicht kam. Festlich empfangen
von Tusikzügen verließen mir unsere „geliebte erste Klasse", bekamen die
Gutscheinhefte für die Festspiele und ordneten uns dem Zuge der Kös-
Reisenden ein, die nun geschlossen in die Ludwig Siebert-Festhalle mar-
schierten. In dem mit Fahnen und Blumen festlich geschmückten Raum
hörten mir das Willkommen, das uns schon beim Triumphbogen, auf dem
Wege zur Festhalle, auf einem Transparent entgegengeleuchtet hatte. An-
schlieszend daran wurden mir bewirtet und es brauchte eine kleine Anstren-
gung, nichts zu überhören ober zu übersehen und dabei ben Tagen nicht
zu vergessen. Bald danach mürben die Gruppennummern ber Gutschein-
hefte ausgerufen und mit gewohnter deutscher Gründlichkeit klappte auch
hier bie Organisation bis ins kleinste. - Von unserer Quartierfrau liebens-
würdigst empfangen, gingen mir halb zur Ruhe, um uns für ben nächsten
Tag zu stärken.
Frisch und froh standen mir um 9.30 Uhr in ber Festspielhalle unb hörten
den Einführungsvortrag unb bie Erläuterungen zur Oper „Siegfried", die
mir am Nachmittag besuchen sollten. Wie notwendig diese Erklärungen
waren, kann nur derjenige verstehen, ber vorher nie Gelegenheit hatte,
solch ein Kunstwerk zu hören.
Gruppenweise, unter Führung, besichtigten mir bann bie Stadt; Haus
Wahnfried mit feinem wundervollen Park, wo ber große Meister begraben
liegt, bas wuchtige alte Schloß, bas neue Schloß mit feinen malerischen
Anlagen, bie herrlichen Brunnen, bas Haus ber Deutschen Erziehung mit
ber Büste Hans Schemms, des Vorkämpfers des Nationalsozialismus, wo
auch noch ein Bruchstück des Flugzeuges, mit bem er 1935 verunglückte, 9