Soldatenbriefe.
Auc diesmal wieder ift eine grosze Anzahl von Briefen und Karten eingerückter
Arbeitskameraden eingelaufen und es freut uns, feststellen zu können, daß fie alle
über die ihnen zugesandte Betriebszeitung grosze gireube äuszern.
Die Namen ber Schreiber geben wir nachstehend befannt. Gekürzte Auszüge aus
einigen Schreiben bringen wir zur allgemeinen Kenntnis.
Es schrieben uns:
Wachtmeister Bessinger Anton, Gefr. Bilger Georg, Gefr. Bilgeri Ludwig, Buchhammer
Bernhard, Buchhammer Ernst, Buchhammer Ludwig, Obgefr. Büchele Karl, Gefr.
Brüstle Josef, Dreier Fridolin, Fischer Josef, Fischer Manfred, Fischer Otto, Gesr. Bitz
Bruno, Gefr. ©meiner Jakob, Gorbach Franz, Hölzlsauer Otto, Gefr. Jori Fortunato,
Uffz. Madelmayr Karl, Mangele Erwin, Feldwebel Mauritz Emil, Leutnant Nagel
Richard, Gefr. Nuszbaumer, Ohneberg Josef, Öfter Ludwig, Rist Anton, Gefr. Rist
Hermann, Gesr. Tagwerker Artur, Tomaselli Josef, Tomaselli Viktor, Valenta Hans,
Gefr. Vavruska Otto, Vonach Otto, Wäger Johann, Zislavsky Rudolf.
Johann Wäger schreibt unter anberem:
— Mit groszer Freude unb mit vielem Dant habe ich heute die schöne Betriebszeitung
erhalten. Konnte fie nun gründlich durchlesen, benn heute Nacht bin ic Wachhabender.
Wie ich baraus sehen unb lesen kann, muh es im Betrieb sehr schön fein. Es freut
mich immer, wenn ich etwas von meiner Heimat lesen kann.
Sonft geht es mir gut, bin immer gefunb, wenn ich auch lange an ber Spitze bes
Angriffs war. Habe aber durchgehalten, es war mir kein Kampf ober Marsch zu
schwer. Wenn bie Kugeln auch um bie Obren faufen, es heiszt nur vorwärts. Jetzt
bin ich weit in Südfrankreich gelandet und warte auf den zweiten Erfolg . ...
Leutnant Richard Nagel schreibt unter anberem:
Vorerst wiederum meinen beften Danf für bie Zusendung ber Werks-Zeitschrift, bie
ich bei Empfang von 21 —3 durchlese.
Wir finb nun in Frankreich unb hat — bei unb nac ber Ueberschiffung bes Rheins —
gerabe unfer Regiment schwere Kämpfe mitgemacht. 2Im 15. Juni mürbe unfer
Regiment mit Fähren überschifft unter Einwirkung bes feindlichen Feuers, aber wir
wuhten, bah es zum letzten Appell geblafen hatte, daher konnte es nur ein unerschrockenes
Vorwärts geben.
Die Franzosen selbst haben, wie wir festgestellt haben, in ihrem eigenen Lande schwer
geplünbert unb fo vieles unnötig vernichtet. Nac einigen Tagen stieszen wir bann
nach Säuberung von verschiedenen Ortschaften (Heckenschützen) durch unb haben unter
Führung unferes Kommandeurs ben Paß genommen, wo bie Franzosen kapitulierten.
Unser Regiment erhielt heute von Seiten bes AK. eine belobenbe Anerkennung.
Es hiesz nun Waffenstillstand, ganz Frankreich kapituliert. Nun ziehen unvorstellbare
Kolonnen an Gefangenen, Geschützen, Wagen, Pferden, Autos ufw an uns vorbei;
bas ift Frankreich, geschlagen vom starken unb mächtigen Gegner „Deutschland". Ja,
wir verstehen erft jetzt fo recht, was es heiszt, „Deutschland über alles"............
Georg Bilger schreibt unter anberem:
— Habe geftern Ihre Werkzeitung erhalten, danke Ihnen bestens bafür. Es freut
mich jedesmal, wenn ich Nachrichten aus bem Betrieb erhalte, benn fie erinnern mich
an meine frühere Arbeitszeit. Ich wäre ja gerne mieber in Ihrem Betrieb unb unter
ber Bevölkerung von Kennelbach. 2lber ich habe ja bie Hoffnung, bah bald Frieden
kommen wirb unb ich wieber ben gewohnten Weg in bie Fabrik machen fann. Es
war ein gewaltiger Feldzug in biefen wenigen Wochen, durch all bie Länder, bie besiegt
werben muhten. Es war ein harter Kampf mit Frankreich. Wer in aller Welt dachte 4