damals sangen, jedenfalls nur ein paar ganz einfache Liedlein und doch
war die allseitige Begeisterung groß. Don da an sangen wir dann noch oft
zur Verschönerung unserer betrieblichen Kameradschaftsfeste.
Es kam der Krieg und anfangs dieses Jahres muszte auc unser Chormeister
Akm. Nagel einrücken zur Verteidigung des Vaterlandes. Es schien, als
ob damit unser Werkchor für die Kriegszeit zur Antätigkeit verurteilt sein
sollte. Aber ein neuer Mann sprang in die Bresche: unser Akm. Dominikus
Steffani. Die vielen Opfer und Mühen nicht scheuend, nahm er sic
tatkräftig des Chores an und lehrte uns eine ganze Anzahl der schönsten
Lieder. Dem Lernen der Lieder ging oft große Arbeit Einzelner voraus.
Es mußten Auszüge aus Büchern gemacht, Noten geschrieben und vervielfältigt
werden. Es gab aber nicht nur viel Freude, sondern auch manchen
Reger, wenn einzelne Arbeitskameraden oder -kameradinnen zu spät oder
gar nicht zur Probe kamen. Auc dies muß gesagt werden, damit sic diejenigen,
die es angeht, in Zukunft bessern.
Im großen Ganzen aber herrscht in unserem Werkchor eine richtige, gute
Kameradschaft, wovon allein schon der eine Almstand Zeugnis ablegt, daß
sic nach jeder Probe ein großer Teil der Sänger, wenn nicht alle, noch
zu einem gemütlichen, frohen Plauderstündchen zusammenfinden.
Auch unter Akm. Steffani sangen wir mehrmals bei Kameradschaftsabenden;
die Hauptveranstaltung aber war unsere Teilnahme an dem
Volksliedersingen in Bregenz am Sonntag, den 7. Juli 1940.
Dieses Singen war von der Deutschen Arbeitsfront veranstaltet und galt
der Werbung für das Deutsche Volkslied. Auser uns nahm noch der gemischte
Chor der Wollgarnspinnerei Schoeller und der Tännerchor der
Vorarlberger Kraftwerke daran teil. Wir sangen eine ganze Anzahl der
schönsten Volkslieder, wie Mein Herz ist im Hochland, Omai, Alch, wie
ist’s möglich denn. Der Wanderer, Reiters Torgengesang, © Strasburg
usw. und ernteten jedesmal nach unserem Auftreten reichen Beifall. Auch
das Vorarlberger Tagblatt brachte darüber am 8. Juli einen lobenden
Artikel. An diesem Singen nahm unser Chor mit etwa 60 Mitgliedern
teil und bildete damit die weitaus stärkste Gruppe. Trotz dieses großen
Erfolges, auf den alle Sänger und Sängerinnen des Werkchores - vollauf
berechtigt - stolz sein können, wollen wir nicht müßzig sein, sondern auch in
Zukunft fleiszig weiterlernen und üben, um bei passender Gelegenheit
unseren Arbeitskameraden des Betriebes wieder ein paar frohe Stunden
zu bereiten.
Vor allem aber wollen wir in unserem Werkchor die schon jetzt vorbildliche
Kameradschaft pflegen. Hier stehen Spinnerinnen und Weber, Obermeister
und Lehrling, leitende Angestellte und Hilfsarbeiter nebeneinander, alle
vereint in der Betriebskameradschaft und in der Freude am deutschen Lied.
Diese kameradschaftliche Gesinnung soll in Zukunft nicht nur so bleiben,
sondern sie soll sich nac und nach ausbreiten auf unsere ganze Betriebsgemeinschaft.
And auf diesen Erfolg werden wir dann erst recht stolz
sein können.
Josef Graninger. 7