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Full text: Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

Polen zerstörte Brücke und mußten daher neben der 
Strafe den Fluß durchfahren. In der Abend- 
Dämmerung erreichten wir Rrosno und bauten auf 
einem Hügel unsere Funkstelle auf. Während des 
Anbaues laufen plötzlich drei polnische Soldaten 
mit hoch erhobenem Gewehr aus dem nahen Wäld- 
chen auf uns zu, werfen die Gewehre weg und 
sagen in gebrochenem Deutsch: „Endlich seid ihr da, 
für uns ist nun bet Krieg zu Ende!" Es waren 
drei Ukrainer, bie sich in deutsche Gefangenschaft 
begaben. In bet Macht würbe bann unfere Funkstelle 
noch non einigen Heckenschützen beschossen, aber ohne 
zu treffen. 
Feldpostbrief 
unseres Arbeitskameraden Otto Maringer 
(Angestellter in ber Verkaufsabteilung) an 
eine Arbeitskameradin. 
Gotha, 23. Oktober 1939 
Zu Anfang recht herzlichen Dank für Ihre 
lieben Grüße aus ber Heimat, insbesondere für Ihre 
letzten Briefe vom 14. unb 17. ds. Monats. 
Nach Regen folgt Sonnenschein! Dieses alte 
Sprichwort können wir auch auf uns beziehen, ba 
uns nach der siegreich beenbeten Schlacht einige Tage 
Ruhe gegönnt waren und ba gings natürlich heim 
zu Tuttern. Wir sind oor zirka 14 Tagen auf dem 
Rückmarsch nach Danzig gefahren unb von bort 
per Bahn nach Mitteldeutschland gebracht worben, 
in einer schöne Kasernen in Gotha bei Erfurt sind 
wir jetzt untergebracht. Hier bleibt uns natürlich 
einige Freizeit, sodaß wir wieber ausführlicher an 
unfere Lieben berichten können. 
Um mich von Anfang an kurz zu fassen, sind 
wir Ende August von Prag in bie Nachrichtenschule 
in Halle a. b. Saale kommandiert worben. Dortselbst 
Derblieben wir einige Tage, nachdem wir durch 
diverse Reservisten auf Kriegsstärke gebracht worben 
waren, begann unfere große Fahrt bis an ben 
Korridor nach Pommern. Das waren 740 km Ro- 
lonnenfahrt in faft einem Tage zurückgelegt. Anfang 
September begann unfer Rorridor-Durchbruch, welcher 
mit ber Erreichung Danzigs am Sonntag 2 Uhr 
früh als erfte Truppe beenbet war. Es folgten zwei 
schöne Tage auf ber Fahrt durch Ostpreußen gegen 
bie nördlche polnische Grenze, in ben Stäbten be- 
grüßt von ber Bevölkerung. Dann begann ber Ein- 
marsch in Polen. Vorerst in Richtung auf Lomza, 
bann weiter über ben Narew, bis wir am 26. Sep- 
tember bie Einnahme bet Feste Brest-Litowsk melden 
konnten. Damit war unfer gestelltes Ziel erreicht 
und wir konnten Tage fpäter, nachdem bie Feste ben 
Russen übergeben war, eine Parade beiber Truppen 
bilbete ben Abschluß, unfern Rückmarsch in bie 
Heimat wieber antreten. Was in biefen Tagen an 
Heldenmut, Einsatzbereitschaft unb Entbehrungen von 
deutschen Solbaten geleistet wurde, läszt sich in einigen 
nüchternen Worten kaum erzählen. 
Unb fo mancher, ber baS Glück hatte, heil 
zurück zu kommen, trägt heute als Dank für feine 
tapfere Tat stolz baS Eiserne Kreuz an feiner Brust. 
Wir hatten fo manche schwere Gefechte, Auf- 
klärungsfahrten unb Funkdienst im Feuer miterlebt. 
Och erinnere an Lomza, an Brest-Litowsk, wo 
manche Infanterie - Kompagnien ziemlich schwere 
Verluste erhielten, bie Rufklärungs- unb Panzer- 
regimenter fo manchem Rameraden baS kühle Grab 
schaufelten. DaS waren Tage, wo es hieß eiferne 
Nerven zu bewahren. Hier lernten wir bie großen 
Taten unserer Väter im Weltkriege erft richtig zu 
achten, welche fogar vier lange Jahre biefe Hölle 
aushalten mussten. Alle Ehre vor unseren Kämpfern 
1914—1918. 
Tein Truppführer, welcher im Panzerturm mit 
mir fuhr, fiel bei einer Aufklärungsfahrt gegen 
polnische Übermacht. Mein Panzerwagen selbst, wurbe 
schwer babei mitgenommen, nur burch besonderes 
Glück gelang eS mir, ben Wagen unb mein Leben 
vom Feinde wegzukriegen. Uber 40 sichtbare Ein- 
unb Rufschüsse am Wagen zeugen von der Stärke 
beS Gegners. Diefe unb Diele anbere, mehr oder 
minder gefährliche Unternehmen hatten wir fo oft in 
biefem Feldzuge zu bestehen. 
Schmerzlich war eS nur, daß wir so lange keine 
Botschaft auS ber Heimat erhielten. Leider war 
bieS erft nach fast vier Wochen ber Fall, ba 
nahm aber baS Lesen kein Enbe. Dabei kann man 
unserer brav arbeitenben Feldpost keinen Vorwurf 
machen, ba bei bem schnellen Vormarsch ein Nach- 
kommen, auf biefem Sanbe, äußerst schwierig war. 
Wieder in Ostpreußen waren alle mitgemachten 
Strapazen vergessen. ES folgte eine schöne Fahrt 
durch ganz Ostpreußzen bis Königsberg unb von dort 
wieber zurück bis Danzig. In ben Stäbten beschenkt 
unb bejubelt von ber Bevölkerung, ließ uns manch- 
mal unferer toten Kameraben erinnern, welchen nicht 
mehr biefeS Erlebnis als Sieger heimzukehren, der- 
gönnt war. Am 20. September würbe ich, wie ich 
Ihnen bereits berichtet habe, im Felde zum Gefreiten 
befördert unb wenige Tage fpäter mit bem Eifernen 
Kreuze ausgezeichnet. 
Nun liebeS Frl. Friedl habe ich Ihnen in nüch- 
lernen Worten meine Erlebnisse berichtet unb hoffe. 
Ihnen dieselben auch an Hand von vielen Aufnahmen 
bildlich vorführen zu können. Hoffen wir, daß dies 
bald ber Fall fein wirb, sich ber Engländer doch 
eineS besseren besinnt, bann wirb ja ein Wiedersehen 
in Dornbirn nicht lange auf sich warten lassen unb 
baS Erzählen kein Enbe nehmen. 
AuS Ihren Briefen sehe ich, daß eS Ihnen gut 
geht unb wünsche Ihnen bieS auch weiterhin unb 
bitte Sie, allen lieben Bekannten für bie Grüße zu 
banken, inSbefonbere Herrn Hubert Hämmerle. 
Otto Maringer, Feldpost-Nr. 34317 
Iller leben will, der kämpfe also, und wer nicht 
streiten will in dieser Welt des ewigen 
Ringens verdient das leben nicht. 
Adolf Hitler
	        
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