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Full text: Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

Untere Spinnereien 
I. Gisingen (oehtmio 
Die ganze Spinnerei wurde einer genauen 
Unkostenrechnung unterzogen, Fehlerquellen gesucht, 
unnötige Wege und Manipulationen ausgeschaltet. 
Eine Hauptfolge der Reorganisierung war die Be- 
seitigung der viel zu teuer arbeitenden Selfaktoren 
und die Vereinheitlichung der Cops- und Hülsen- 
größze. Man einigte sich mit der Weberei, welche 
angespornt durchdas gute Ergebnis der Spinnerei- 
organisation in der Folge auch reorganisiert wurde, 
auf ein einheitliches Schußzhülsenformat und 2—3 
Gröszen von Zettelhülsen. Mac und nach wurden 
alle Maschinen auf diese Standardgrößzen umgeändert, 
mit Einzelmotorenantrieb und durchwegs Hoch- 
verzugsstreckwerken ausgestattet. Die Fadenbrüche 
wurden registriert und deren Ursache erforscht, 
Zylinderstellungen und -drücke nachgeprüft, kurzum 
sämtliche Maschinen auf ein Optimum der Erzeugung 
eingestellt. Nachdem so gewissenhaft alle Vorbedin- 
gungen geschaffen waren, konnte dann auch zur 
4-Seitenbedienung übergegangen werden bei feineren 
Nummern, was für die Ronkurrenzfähigkeit der 
Spinnerei sehr nötig war. Um eine gesunde und 
auch für die Spinnerei günstige Luft im Spinnsaal 
zu haben, wurden 1936 bei den Ringspinnmaschinen 
2 Klimaanlagen eingebaut. In diesen Anlagen wird 
die Luft von Staub befreit und gewaschen und 
20 mal pro Stunde gewechselt. Die Temperatur wird 
konstant auf 22—240 C gehalten, die Feuchtigkeit 
auf 68—70°/o. Zwei weitere Anlagen versorgen das 
Vorwerk mit 5fachem Luftwechsel. Die Saalbeleuch- 
ung wurde im Jahre 1937 nach neuesten Exfahrun- 
gen erstellt. Die Lichtstärke beträgt am Arbeitsplat 
70 Lux und geht an den abgelegensten Stellen auf 
höchstens 40 Lux zurück. Die Rufhängung der 
Lampen ist so, daß ein Lichtkegel den andern über- 
schneidet und so ein schattenloses Licht ergibt. Die 
Beleuchtungsstärke im Saal erfordert 31.500 Watt. 
Die Heizung ist ausschließlich elektrisch und beträgt 
der Anschluszwert 982 KW. Der ganze Betrieb in 
Gisingen hat 281 Totoren laufen, mit einen An- 
schlußzwert von 3.700 &W. Die Wasserkraft betreibt 
3 Doppelfrankisturbinen mit zusammen 16.400 Ps. 
Für die Trinkwasserversorgung sorgt eine in einem 
45 m tiefen Brunnenschacht eingelassene Unterwasser- 
pumpe, die minutlic 400 Liter sehr kaltes, gutes 
Trinkwasser liefert. Für Feuerlöschzwecke und Trink- 
wasser in der Werksiedlung steht der Anschluß an 
die städtische Wasserleitung zur Verfügung. 
Folgender Maschinenpark bringt eine Garn- 
erzeugung (1938) von 1,880.000 kg Jahr von der 
Durchschnittsnummer 25.5 mit einer Gesamtlänge 
des Fadens von 81,183.000 km zustande: 
79 Zettelring Spinnmaschinen, 19 für Schuss, mit 
zusammen 41.472 Spindeln, alle mit Hochverzug 
und Einzelantrieb ausgestattet. 6.560 Feinflyer-, 
1152 Ertrafeinflyer-, 2244 Tittelflyer- und 808 
Grobflyerspindeln, 32 Strecken (davon 16 neue mit 
Einzelantrieb und elektrischer Abstellung), 113 Randen 
mit pneumatischer Russtoßanlage, 21 Kämmaschinen. 
Don Betriebsführer Jng. Rudolf Hämmerle 
In der Putzerei steht ein neues Zellwollagregat zur 
Erreichung größerer Gleichmäßigkeit der Zellwoll- 
wickel. Der Plan für die Neugestaltung der Putzerei 
ist bereits in Arbeit gegeben. Für weitestgehende 
Reinigung wieder zu verwendender Abfälle wurde 
die sogenannte „Cotonia" angeschafft. Um auch ge= 
bleichte Garne herstellen zu können hat Gisingen 
eine Rardenbandbleicherei. In zwei Bottichen mit je 
1500 kg Bleichgutinhalt wird das Rardenband mit 
Chlorbleiche kaltgebleicht, dann in Zentrifugen 
geschleudert und anschließend im Rardenbandtrockner 
fertiggetrocknet. Für die Herstellung von Zwirnen 
und Nähfaden sind drei ganz neue Rreuzspulmaschinen 
da für die Spulerei (240 Trommeln) und 3566 
Zwirnspindeln. Die Garneinlegerei ist mit Hygrolith- 
befeuchtungsapparaten ausgestattet. Ruch eine Ga- 
siererei zur Herstellung gesengter Garne ist seit einigen 
Jahren in Betrieb. 
Die soziale Betreuung war in Gisingen schon 
in früher Zeit vorbildlich. Eine stattliche Werksiedlung 
von 20 Wohnhäuser mit 350 Insassen bietet einem 
großen Teil der Gefolgschaft billige und bequeme 
Unterkunft. Dort bildete sich ein Stamm treuer 
Gefolgschaftsmitglieder aus den kinderreichen Fami- 
lien der zugewanderten Südtiroler, welche nun schon 
bald in der dritten Generation der Firma dienen. 
Äcker und Grundstücke werden an die Leute zur 
Bebauung abgegeben. Die Einfamilienhäuser der 
Meister haben alle eigene Gemüse- oder Blumen- 
gärtchen. Eine Vergrößerung und Modernisierung 
der 6 Wannenbäder ist bereits im Gange. In diesem 
Jahre wurde der Rindergarten neueröffnet unter der 
Leitung einer geprüften NS-Rindergärtnerin, welche 
die zirka 30 Rinder nach den neuausgerichteten 
Grundsätzen betreut und erzieht. Für den Betriebs- 
sport ist ein Sportplatz mit 50 auf 100 m, Garderobe- 
Häuschen und Dusche geschaffen worden. Den Schieß- 
sport pflegt die Sportgemeinschaft im nahegelegenen 
Schießstand. Ruch für Eisport ist in der Kolonie 
im Winter Gelegenheit geboten. Während des 
Winters werden die Betriebssport- und Gymnastik- 
abende unter der Leitung der Betriebssportlehrerin 
in der Turnhalle der Schule in Gisingen abgehalten. 
Leider ist es durch den Rusbruch des Rrieges und 
die Knappheit an Baumaterialien noch nicht möglich 
geworden den großzügigen u. schönen Plan des Gefolg- 
schaftshauses auszuführen, der leider vorläufig in der 
Schublade des Betriebsführers den Dornröschenschlaf 
schläft. An Stelle dessen hat sich die Betriebsführung 
entschlossen, einen schönen Rufenthaltsraum zu schaf- 
fen in der ehemaligen Spulerei, welche durch die 
Anschaffung schneller laufender Spulmaschinen, welche 
jetzt in der Zwirnerei stehen, geleert wurde. In kur- 
zer Zeit dürfte dieser Raum seiner neuen Bestimmung 
übergeben werden können. Ruf alle Fälle ist die 
Betriebsführung bemüht, trotz der schlechten und 
ernsten Zeit ihren Gefolgschastsmitgliedern den Ar- 
beitsplat schön und angenehm zu gestalten: 
Schönheit der Arbeit! 120
	        
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