neuesten Modells von Rieter aufgestellt und 2 Sätze
Rieter Grobspinnverfahren zur Verwendung spinnfähiger
Baumwollabfälle. Dieses Garn eignet sich
hauptsächlich für gerauhte Stoffe. Der jeweiligen
Ollode wurde durch Toppeneinstreuapparate und
Einwurffadenvorrichtungen Rechnung getragen. So
war die Spinnerei voll gerüstet, um in die Erzeugungsschlacht
des dritten Reiches eintreten zu können.
Einige Zahlen sollen noch über die Kapazität
des Betriebes Aufschluß geben. Die Garnerzeugung
im Jahre 1938 betrag: 1,140.580 kg von der Durchschnittsnummer
14,9 das ift eine Fadenlänge von
28,700.000 km! Die Gesamtspindelzahl beträgt
13.432 Ringspindeln, davon sind 14 Zettel- und
16 Schußzmaschinen, alle mit Einzelmotorenantrieb,
9 Feinflyer (1432 Spdl.) 10 Tittelflyer (1380 Spdl.)
und 8 Grobflyer (452 Spdl) 4 Rusbatteure und
2 Openergruppen. Die Gesamtlieferung der Strecken
beträgt 136, Karden sind 71 vorhanden. De Zahl
der QTotoren ift 78, ihr Anschluszwert 580 kWB. Die
werkseigene Wasserkraft liefert etwa 550 9 Kraft
von 2 großen und 4 kleinen Turbinen. In den
Wintermonaten würbe mit Dampf geheizt, her abwechslungsweise
von 2 Cornwallkesseln ber Schweizerischen
Lokomotivfabrik Winterthur erzeugt wirb.
In bet Übergangszeit wirb elektrisch geheizt (Anschlußwert
zirka 180 RW). Die Gesamtbeleuchtung benötigt
zirka 25.000 Watt. Die Trinkwasserversorgung ift
an bet Hochdruckleitung vom Brentekopf angeschlossen.
Für Feuerlöschzwecke sind 2 Niederdruck- unb 2 hochdruczhydranten
mit je 4 Anschlußzstuten vorhanden.
Für bie in Spinnereien nötige Luftfeuchtigkeit forgt
im Shedsaal ein Gebläse, baS den Saal mit Frisch-Iuft
und Feuchtigkeit versorgt, in ben übrigen Räumen
beS Sheb unb Hochbaues finb moderne „Nebelatoren"
eingebaut warben, bie teils mit Umluft, teils mit
Frischluft arbeiten. Die Werkstätten finb für alle
Reparaturzwecke biefer etwas abgelegenen Fabrik
gut eingerichtet. Die Schlosserei verfügt über 2 Drehbänke,
1 Hobelmaschine, 1 Zahnradfräsmaschine,
1 Gewindeschneidmaschine, 2 Bohrmaschinen, eine
Schmiede mit Fallhammer. Tit biefem Maschinenpark
ift Schlossermeister Allgäuer im Stande faft
alle Reparaturen unb Montagen selbst durchzuführen.
Die Schreinerei hat 1 Hobelmaschine, 1 Rreis- unb
Pendelsäge, 1 Bandsäge, 1 Drehbank, 1 Langlochbohrmaschine.
Soziale Vorkehrungen finb im Betrieb Gütle
schon sehr früh getroffen worben. Seit 1889 befiehl
schon baS Fabriksbad mit 2 Wannen- unb 2 Brausebäbern
unb konnte außerdem im Bassin beS 1869
angeschlossenen Springbrunnens im Freien geschwommen
werben. DieS ift heute nicht mehr nötig, ba das
neuerrichtete Stranbbab ber Stabt für bie Bewohner
Gütles sehr günstig gelegen ift. Die Fabriksküche mit
Kusspeisungsraum besteht feit 1882 unb wurbe im
letzten Jahr dahingehend erweitert, daß jeber Schichtarbeiter
tägl. eine warme Suppe gratis erhält. Außerdem
essen zirka 70 Gefolgschaftsmitglieder bort zu Tittag.
Der Speiseraum befindet sich neben ber Rüche und
ift ber geplante Ausbau beS Gefolgschaftsraumes
leiber durch ben Krieg vereitelt worben. Die ersten
12 Betriebswohnungen von 1868 haben sich auf
17 Wohnhäuser mit 277 Insassen vermehrt. All diese
Einrichtungen waren für ben Betrieb Gütle besonders
nötig, ba ber weite unb im Winter oft schlechte
Weg eS ben Leuten faft unmöglich macht bis in bie
Stabt hinaus zu kommen in ber Mittagspause. Um
aber auch diesen Tiszstand leichter tragbar zu machen,
hat fich bie Firma entschlossen, breimal täglich
einen Omnibus von unb zu der Arbeitsstätte fahren
zu lassen, ber bie Gefolgschaftsmitglieder, bie weit
abfeitS wohnen, gratis beförbert. Die Abgeschlossenheit
in biefem engen Flußsztal hat bie Gütler zu einem
eigenen Völkchen zusammengeschweißzt unb auf sich
selbst gestellt. So kam eS auch, daß die Gütler sich
als erfte mit dem Betriebssport intensiv befaszten.
Besonders im Schilauf waren fie immer „Kanonen".
Sie hatten mit Hilfe ber Firma im Jahre 1935 nach
8wöchiger Bauzeit im Hasengehracher Gebiet eine
Schibütte selbst gebaut, bie für 40 Personen Situnb
für 25 Schlafgelegenheit bietet. Die Hütte wirb
durch einen Hüttenwart in Ordnung gehalten unb ift
Samstag-Sonntag bewirtet. Die vielen Erfolge ber
Gütler bei Schirennen zeugen für ihr Können unb
für ihre Freude am Sport, bie fie auch dadurch
Zeigen, daß fie ben weiten Weg nicht scheuen, zu den
Betriebssportabenden in Oorbirn fleißig zu erscheinen.
Für sommerliche Ballspiele ift ein Sportplatz in ber
Nähe ber Jabrik. Um letzten Jahre wurbe im Sheb ein
schöner 45 m langer Schießzstand eröffnet, ber fleißig besucht
unb von Betriebsleiter Nürnberger betreut wirb.
Dank biefer abwechslungsreichen Unterhaltung muß
ber Gütler nicht immer „inS Dorf" hinaus kommen
unb kann feine Freizeit unb Feierabendgestaltung
gesundheitsfördernd im Gütle verbringen.
Zum Schluß möchte ich noch unferem verehrten
Seniorchef Herrn Bictor Hämmerle, ber in diesen
Tagen feinen 86. Geburtstag feiern kann, für feine
Mitteilungen zu biefer Artikelserie herzlich danken.
Durch fein 70—80 Jahre zurückreichendes Gedächtnis
konnte manche Episode noch vor der Vergessenheit
gerettet werben unb auf biefe Weise ber Nachwelt
erhalten bleiben.
Wir glauben nicht an ein Paradies auf biefer Welt, aber wir glauben an einen Staat
unb ein Reich, das ben fleißigen deutschen Menschen
ein Vaterland fein wird.
ADOLF HITLER
limiimirmiimt 24