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Full text : Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

schreiblich komischen Anblick. Die Heiterkeit im
sicheren Unterstand, zumal keiner von uns zu Schaden
kam, war nun groß und die Wäsche, soweit sie nicht
verloren ging oder verwechselt wurde, mußte am
Leibe fertig trocknen.

In aller Frühe Begann der Gegner den Dank
nun aBer richtig abzustatten für unfer Störungsfeuer
an den Vortagen.

Granaten und Schrapnells flogen unseren Gräben
zu, bald zu kurz, bald üBer die Köpfe hinweg. Ruf
die Dauer war dieses Saufen und Donnern der
krepierenden Geschosse für uns angehende Krieger
etwas unheimlich geworden. Gegen 200 Geschosse
kamen angeflogen ohne eigentlichen Schaden anzurichten.
Immerhin hörte sich die Gemütlichkeit auf, nur mit
Brettern eingedeckt in den Gräben zu sitzen, und
jeden Augenblick gewärtig zu fein, von einem Brocken
erschlagen zu werden. Die Wirkung wäre Bei den
dicht besetzten Grabenstücken eine verheerende gewesen.
Bald Begannen auch unsere Maschinengewehre zu
rattern, Gewehrschüsse gellten durch die Luft, kurzum
es war etwas im Gange. Richtig, der Gegner, eine
halbe Kompagnie ftark, versuchte üBer einen Bergrücken
 her einen Angriff auf unsere Gräben zu
machen, zog aBer bald, durch den warmen Empfang
eingeschüchtert, wieber aB, oon unferen Patrouillen
verfolgt. Ganz besonders und vor allen schneidig
Benommen hatte sich Bei dieser Unternehmung ein
Fähnrich. Im Graben wo er schoß, würbe es ihm
zu enge, auch hatte er zu wenig sicheres Ziel. So
rißz er mit feinen Leuten das Maschinengewehr heraus,
brachte es offen in Stellung und jagte Gurte für
Gurte hinaus. In kürzester Zeit war her Gegner
vollkommen vernichtet.

Diefer wiederholte nun täglich sein Artilleriefeuer
 bis eines Tages eine Gebirgshaubitzbatterie
des deutschen Alpenkorps bei uns in Stellung ging
unb bem Gegner derart zusetzte, daß ihm Hören unb
Sehen verging. Von ba an konnte man sich mm
wieber etwas freier bewegen unb bie Stellungen
besser ausbauen. In ber freien Zeit beschäftigte man
sich mit Kartenspiel, Singen unb Plaudern unb fo
verrannen bie Tage, ohne daß sich etwas Besonderes
ereignete.

Es war am 18. Juni 1915. Es mochte nach
3 Uhr früh gewesen fein, als bie mühen Schläfer
in bem Schützengraben her Sattelfteilung durch das
Krachen ber gegnerischen Artilleriegeschosse etwas
unsanft geweckt würben. Heulend kamen bie unheimlichen
 Granaten angeflogen unb hochaufspritzende
Erdjäulen unb Steine geigten bie Einschlagstellen.
Schneller als gewöhnlich war alles auf den Beinen
unb mit oerbugtem Gesicht äugte man über den

Rand des Kampfgrabenö in das beschossene Gelände.
Die beiden, ungefähr 200 Schritte hinter bem
Schützengraben postierten Kanonen erwiberten im
Verein mit her bereits früher erwähnten deutschen
Gebirgshaubitzbatterie das Feuer unb rasch war her
überaus hitzige Artilleriekampf in vollem Gange.
Als das Ronzert schon über eine Stunde bauerte,
ohne eigentliche Verluste verursacht zu haben, glätteten
 fich allmählich bie besorgten Mienen unb besonders
 wir Jungen warben rasch wieber keck. Schon
fah man ab und zu einen Schützen aus bem Graben
springen, um einen gegnerischen Schrapnellzünder zu
erhaschen. Das Gute bei her Sache war, daßz beim
Gegner über unfere Grabenstellung Unklarheit
herrschte, denn nur fo war es zu erklären, daß in
einer hinter bem Graben befindlichen Schuttrinne
Schuß auf Schuß krachte, während in bie unmittelbare
 Nähe her Stellung nur vereinzelte Granaten
einschlugen. Unfere Artillerie bekam natürlich auch
ihren Teil ab unb ein besonders knapp sitzender
Schuß setzte vorübergehend ein Geschütz außer Gefecht.

Gegen 7 Uhr früh ließ die Schießerei langsam
nach unb hörle schliesslich bann gang auf. Nun kam
bie lleldung, daß bie Fahrküchen mit bem Morgenkaffee
 angekommen feien unb einem Viertel der
Besatzung wurbe geftattet, zum Kaffeefassen den
Graben zu verlaffen. Mit Menageschalen ausgerüstet
trabten einige Dutzend Männer nach rückwärts.
Nachdem aber eben damals noch jebe Kriegserfahrung
 fehlte, suchten wir Rameraden keinen gedeckten
 Weg, fonbern strebten einfach auf ber
kürzesten Strecke ben Kaffeekeffeln zu. Die Folgen
blieben natürlich nicht aus. Die idyllische Kaffee»
fafferei wurbe von ber gegnerischen Artillerie plötzlich
zugedeckt unb wie ein Schwarm aufgeschreckter Vögel
floh alles auseinander! Um Galopp raften bie Fahrküchen
 an einen schützenden Ort zurück, während
wir von Deckung zu Deckung springend bem Graben
gueillen. Dabei gab es manchen komischen Sturzflug.

Im Laufe des Vormittags melbeten bie Beobachter,
 daß ein gegnerisches Baon gegen bie Paßstellung
 vorgehe. Auf das hin erfolgte bie Klarmierung
 unferer Grabenbesatzung, Tunitionsverschläge
wurben in bie Stellung geschleppt unb mit frohem
Tut standen wir als Verteidiger kampfbereit an ben
Schießscharten. Die Maschinengewehre ber beiden
Flankenbedeckungen ballerten unb pfeifende Rugeln
kündeten bie Mähe des Gegners. Nach etwa einer
Stunbe war dieser unter schweren Verlusten zurückgeschlagen.


Zur Mittagszeit hatte sich bie Cage soweit geklärt,
daß wir ans Essenholen denken konnten. Diesmal
gingen wir mit befonberer Vorsicht zu Werke unb ber
Gegner hatte keinen Anlaß mehr, eine Zuspeise zu liefern. 36
            
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