bedacht worden. Daran hat die Kriegerhilfe Dornbirn
das größte Verdienst. Die Kriegerhilfe hatte an
folgenden Orten Nebenstellen: Bludenz, Bregenz,
Büts, Dalaas, Feldkirch, Gaißsau, Götzis, Großzdorf,
Hohenems, Rlösterle, Rrumbach, Laterns, Riezlern,
Hatteins, Schnepfau, Sonntag und Tschagguns.
Aus den zahlreichen Dank- und Antwortschreiben
pon Gefangenen seien hier einige Proben erwähnt.
Im Jahre 1916 schrieb ©r. W. aus Petschanka:
„Die Kriegerhilfe in der Rochschule in Dornbirn hat
sic glänzend bewährt, weil hier alles angekommen
ist." - Alois Scheidbac berichtete 1916 aus
Schestichina, er habe bisher alle durch die Krieger-
Hilfe abgeschickten Sendungen erhalten; auch die
zwei nach Sibirien gesandten Pakete feien ihm
nachgeschickt worden. Ruch bei friedlichen Lebens-
verhältnissen ist man in bet Fremde froh, dann und
wann Nachricht aus ber Heimat zu erhalten; welche
Freude müffen bie Kriegsgefangenen gehabt haben,
wenn fie Nachrichten und Gaben aus bem Ländle
erhielten! — Gottlieb P. von Imst, ein Przemysler
roar faft zwei Jahre in russischer Gefangenschaft,
ohne irgendeine Post von feinen Sieben bekommen
zu haben. Seine Schwester Frau Theresia W. in
Altenstadt, wandte fich burch bie Nebenstelle Götzis
im Jahre 1917 an bie Rriegerhilfe in Dornbirn
Ziemlich halb darauf konnte ber Gefangene den
Empfang von Selb und eines Paketes foroie von
drei Karten bestätigen; bie Lebensmittelsendung habe
et mit Freudentränen zu sich genommen; unbeschreiblich
fei feine Freude, bie alten Eltern noch am Sehen zu
wissen. — Im Juli 1917 kam vom Kadeten
Hermann Hämmerle aus Götzis, einem ehemaligen
Realschüler in Dornbirn, aus Rrasnojarsk als Zeichen
des Dankes das Lichtbild eines Kriegerdenkmales,
das bic dortigen Tiroler unb Vorarlberger Offiziere
für bie gestorbenen Kameraden errichtet hatten, in
ber Rriegerhilfe zu Dornbirn an.
Lugust Dietrich, Lehrer, schrieb am 16. April
1917 aus Tojowska im Gouvernement Charkow
11. a. an feine Eltern: „Soeben habe ich durch bie
Rriegerhilfe in Dornbirn wieder zwei Geldsendungen
erhalten. Es ift sonderbar, wie bie Sachen durch
Herrn Hämmerle in Dornbirn hier eintreffen.
Franz Taver Lut von Hard berichtete am
13. August 1917 u. a.: „Was baS Rote Kreuz
von Vorarlberg an uns adressiert, erhalten wir;
lauft nichts." Berichte wie bie hier angeführten
liegen zu Hunderten vor. Ulber baS Schicksal ber
Gaben, bie burch die Kriegerhilfe und ihre Neben-
stellen an bie Gefangenen in allen Feindesländern
geleitet wurden, könnte man ein Buch schreiben. Es
Iaht sich unmöglich in Worten ausdrücken, wie viele
Freude ben Gefangenen burch die Postsendungen
bereitet wurde. Gewiß ift, daß viel Schmerz gelindert
murbe unb häufig Freudentränen flossen.
Abschließend fei noch einiges über bie Krieger*
Hilfe im brüten unb im eierten Kriegsjahre im all-
gemeinen berichtet. Um Jahre 1917 allein mürben
an bie Kriegsgefangenen 77.000 Kronen in 2200
Sendungen geschickt, unb zwar 66.000 Kronen nach
Ruszland, 10.000 Kronen nach Italien unb 1000
Kronen nach Frankreich. 3800 Kisten unb Pakete
gingen in biefer Zeit an bie Gefangenen ab; außerdem
murben im brüten Kriegsjahre übet 1200 Liebes-
gabensendungen an bie Frontkrieger befördert.
Nicht nur ber Gabenlieferung an bie Gefangenen
widmete fich die Kriegerhilfe. Von allem Anfang an
schenkte fie ber Heimbeförderung ber Kriegsgefangenen
bie größte Rufmerksamkeit. Es lagen stets Listen
bet Gefangenen in ber Kriegerhilfe auf. Nach diesen
Listen befanden sich bis zum Feber 1918 161 Dornbirner
im europäichen Rußland unb 80 in Russisch-Nsien,
von ben übrigen Vorarlbergern 402 im europäischen
Ruszland unb 216 in Russisch-Lsien. Bis litte
April 1918 waren bei ber Kriegerhilfe 62 Vorarlberger
als auS ber Gefangenschaft befreit gemeldet, von
denen bereits 33 in bet Heimat angekommen waren.
Vom Frühjahr 1918 an bauerte bie Rückkehr bet
Gefangenen auS Rußland bis zum Frühjahr 1921;
bie spätere Heimkehr gehörte zu ben Kusnahmefällen.
Ruch nach dem Zusammenbruch halte bie Krieger*
hilfe, mie gemeldet, besonders für bie faft 4000 Ge-
fangenen in Italien viel zu leisten. So wurden von
ihr unb ben Nebenstellen allein bis zum Schluffe
100.000 Karten mit fremdsprachigen Ldressen versehen.
©er bekannte Invalidenvater Dr. Wolf in
Feldkirch brachte einen Bericht über bie Tätigkeit
bet Kriegerhilfe in feinem Fürsorgebuch, bem mir
folgende zwei Sätze entnehmen: Der Hochsinn des
Herrn Sammetle stellte ben Seilern ber Kriegerhilfe
auf eigene Kosten drei bis vier männliche und drei
bis sieben weibliche Hilfskräfte bei. 13.078 Kistchen
rourben gepackt und versendet.
Uber bie Kriegerhilfe wäre noch fo viel zu
berichten. Diesem großen Werk schloss fich bald das
andere große Hilfswerk Victor Hämmerles an;
Die Emerikahilfe, burch die in der Nachkriegszeit
viel Rot gelinder mürbe. Bei ber Verteilung ber
nahmhaften Spenden ber Amerikahilfe hat man
bebürftige Kriegermitmen, Kriegereltern, Waisen unb
Invalide besonders berücksichtigt, lögen alle, bie in
ber Kriegszeit unb in ben Machkriegsjahren bas
Walten beS großen Wohltäters Victor Hämmerle
an sich selbst erfahren haben, sich nochmals darüber
freuen, daß mir in Vorarlberg in bet schweren Zeit
einen Mann hatten, ber wie kein anderer bem
Dichterworte lebte: Edel fei ber Mensch, hilfreich
unb gut. 87