Hubert Fußzenegger:
... Nun sind es schon über 2 Monate her,
seit ich auf norwegischem Boden bin. ©ie Ver-
ständigung mit der Bevölkerung geht leidlich, es
kommt halt immer ein Kauderwelsch heraus. Land-
schaftlic ist es sehr schön hier, ungefähr wie bei uns
zu Hause, jedoch das Land ift durch viele Fjorde in
Stücke zerrissen. Für unsere motorisierte Abt. war es
keine Kleinigkeit, über die sehr schlechten Straßen,
Notbrücken, mitunter auch Fähren, die von unseren
Pionieren erbaut mürben, vorzukommen. Doch, wo
ein Wille ift, ba ift auch ein Weg, fo hieß es auch
bei uns. Aber ^ier ists nun vorüber, ©ie Bauern
arbeiten in Ruhe auf ben Feldern, ja felbft bie
kleinen, beweglichen Fischkutter beleben bie Fjorde
mieber. Für mich maren biefe Fjorde etwas ganz
Neues. Ich hätte nie geglaubt, daß ich einmal das
stürmische Meer, andertags bie ruhige See, umrahmt
von steilen Felswänden, meist nur für eine ganz
schmale Straße Plaß lassend, schauen könnte.
Erwin Gabrielli:
Am 25. April an einem regnerifeben Tag blies
ber Trompeter Alarm unb eine Stunde später ftanb
unsere Gebirgsbatterie marschbereit angetreten. Mit
Roß unb Wagen gings bann an ben Rhein, mo
mir in einen Zug verladen mürben. Um Mitternacht
fuhren mir aus ber Stabt unb verließen bamit das
schöne vielbesungene Rheinland. In ben frühen
Morgenstunden des folgenden Tages durchfuhren
mir bie ebene westfälische Landschaft unb kamen halb
nach Osnabrück. Weiter ging bie Fahrt durch bie
bekannte Lüneburger Heide ber alten Hansestadt
Hamburg entgegen, mo mir leiber nur bürgen Ruf-
enthalt hatten. In ber kommenden Macht verließen
mir, mer weiß für mie lange, ben deutschen Boden
bei Flensburg unb fuhren nun durch das friedlich
aussehende Dänemark. Eine herrliche faubere Gegend
mit ihren netten friedliebenden Bewohnern. Viele
schöne dänische Stäbte murben passiert unb meiter
gings bem nördlichsten Teile Dänemarks zu. Am
30. April mürbe ein Sturmtrupp von 60 Mann
ausgesucht, ber fo rasch als möglich einen Sonder-
auftrag in Normegen auszuführen hatte. Eine Fähre,
begleitet von zwei Zerstörern, brachte uns glücklich
über ben großen Belt, bann befliegen mir mieber
bie Eisenbahn bis nach Ropenhagen, ber herrlichen
dänischen Hauptstadt, durch bereu mit Menschen
dicht gefüllten Straßen mir singend marschierten.
Anderntags brachten uns dänische Kutobusse zum
großen Flugplatz, mo reges Treiben herrschte. Hier
lernten mir das erstemal bie starke deutsche Luft-
waffe kennen; Jäger, Bomber unb Transportflug-
Zeuge standen in militärischer Ordnung ba unb
ermarteten bie Einsatzbefehle. Unfere Gebirgskanone
mürbe nun in ein Flugzeug verladen. Auf allen
Gesichtern lag ein eigentümlicher Glanz von innerer
Freude, Rampfesmut unb soldatischem Ernst. Aus
ben Rugen leuchtete ein Gedanke: Sieg! So bestie-
gen mir benn bie Junkersmaschinen, bie uns in
Feindesland bringen sollten. Bald schwebten die
Riesenvögel in ber Luft mit ihren ungewohnten
Passagieren: Gebirgssoldaten. In Kalburg mürbe
Zwischenlandung gemacht unb anberntags in ber
Früh stiegen mir neuerdings auf, um unseren im
Narben hari kämpfenden Gebirgsjägern bald Hilfe
leisten zu können. Unser Geschütz lag gerlegt im
Passagierraum unb mir verteilten unS an bie Fenster,
um bie Schönheiten ber Fahrt voll unb ganz ge-
nießen zu können. Gleichmäßig brummten bie Totore
schneller unb schneller floß unter unS ber Boden
dahin unb bie Propeller schraubten sich in ben
klaren Torgenhimmel. Noch lag dänisches Festland
unter uns, aber halb kam baS meite Teer unb
schon mar nichts mehr als schäumendes Wasser zu
sehen. Bald ging ber Blick inS Unendliche, halb
hinunter zum Skagerak, auf bem im Weltkriege bie
größte Seeschlacht ausgefochten mürbe. Gespensterhaft
tauchen bie Silhouetten ber aus Feindesland kom-
menben deutschen Flugzeuge auf. Unter unS erblicken
mir einen Geleitzug deutscher Kriegsschiffe und jetzt
mieber Festland: Normegen. In großer Abwechslung
wechselten nun malerische Fjorde mit zugefrorenen
Seen und immer meiter flog unsere brave Ju 52.
Schneefelder, hohe Berge, Städte, lagen unter unS,
Oslo, bie Hauptstadt beS Landes, mürbe überflogen.
Trotz ber großen Aufgabe, bie uns ermartete,
strahlten bie Gesichter vor Freude über all die
Schönheiten beS NorbenS. Als bann der notdürftige
Flugplatz Trondheim in Sicht kam und unser Vogel
im Gleitflug landete, murbe unS erft richtig klar,
mo mir maren: im Feindesland. Verbrannte Häuser,
Granattrichter unb englische Gefangenenlager maren
gu erblicken. In ben Lüften mar mieber bewegtes
Treiben; Sturzbomber starteten gum Feindflug, Jäger
kamen unb gingen, eS mar ein Bild mie im Herbst
in ber Heimat, menn sich bie Schwalben sammeln.
So lanbeten mir Gebirgsartilleristen mit unserer
Ranone bank ber Tüchtigkeit unserer Luftwaffe,
©ie Geschütze wurden einsatzbereit gemacht und dann
gingS an bie unS gestellte Aufgabe.
Arthur Feurstein:
... Deutschland soll unb mirb leben; besonders
bie Zukunft unserer Rinder soll gesichert fein. Dafür
stehen mir jetzt an der Front. Es ift fo schön, wenn
mir Soldaten durch den „Dreihammer" erfahren,
maS im Betriebe, dem man angehört, vor sich geht.
Och denke oft an den Netrieb. Wie mirb eS gehen, 102