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Full text : Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

Der menschliche Anteil am Arbeitsprodukt

Von Prof. Ing. Arnhold, Leiter der Sonderabteilung „Berufserziehung und Leistungssteigerung“ im RWiM.

Die Stage nach dem Verhältnis von Mensch
und Arbeit iff zur Kernfrage unseres heutigen arbeitswissenschaftlichen
 Dekens geworden. Der Grund hiefür
liegt darin, daßz wir im Vorrang des arbeitenden
Menschen gegenüber der betrieblichen Sachwelt den
unmittelbaren Ausdruck der nationalsozialistischen
Weltanschauung sehen. Am Beispiel des Arbeitserzeugnisses
 d. h. des Produktes, soll daher einmal
nntersucht werben, wie hoc eigentlich ber menschliche
Anteil in bem Ergebnis ber Arbeit ift, das scheinbar
ganze Sache, ganz Objekt zu fein scheint.

Somit tautet bie Frage, bie wir zu beantworten
haben: Ist das Ärbeitserzeugnis b. h. das Wertstück,
woran ber einzelne schafft nun das Ergebnis einer
hatten und unpersönlichen Maschinenarbeit, ober ift
nicht doch etwas von bem daran beteiligten Menschen
im Endprodukt wiederzufinden?

Es wäre gar nicht wunderlich, wenn hier viele
Arbeiter unb Ingenieure einwendeten, daß bie Arbeitserzeugnisse
 in ber Zeit ber Technik, ber Maschinen
unb ber Organisation gar nichts mehr vom „Menschen"
haben könnten. Denn scheinbar arbeitet in den automatifierten
 Betieben doch nur bie Maschine, nur ber
Automat, während bet arbeitende Mensch biefe Taschine
 unb biefe Automaten lediglich bedient.

Wer fo denkt, irrt ganz beträchtlich. Schon ber
Gedanke, daß bie Maschinen unb bie Automaten doch
von Ropf- unb Handarbeitern geplant unb entworfen
bezw. geschaffen unb montiert würben, sollte uns eines
Besseren belehren. Ist doch bie Maschine bereits das
Ergebnis unzähliger Arbeitsstunden, unzähliger Arbeitsgriffe
 unb nicht zuletzt jahrelanger Krbeitserfahrung.
 Mit biefer Erkenntnis haben wir schon viel
gewonnen: Auf ber einen Seite ift bie Maschine
selbst Kusdruck unb Ergebnis fleißiger Arbeit, unb
auf ber anderen Seite ift fie wieber bas Werkzeug,
womit andere arbeiten unb anbere Betriebsmänner
weiterarbeiten können.

Diese Erkenntnis zeigt deutlich, daß bie Maschine
nicht „selbstherrlich" im Betriebe steht, fonbern das
fie ein klug ersonnenes, nützliches unb brauchbares
Werkzeug ift, ein Werkzeug, das bem Arbeiter schwere
Arbeiten abnimmt, das also feine Kräfte spart, ein
Werkzeug aber auch, das feine Arbeit beschleunigt.
Von biefem Gesichtspunkt aus gesehen, war es ein
Irrsinn, wenn in ber zurückliegenden Zeit manche
Arbeiter bie Maschine haften unb in ihr den Feind
sahen.

Aber wir brauchen gar nicht bie Maschine als
Beispiel heranziehen. Denken wir einmal an bie täg ich
von uns persönlich zu lösenden kleineren unb größeren
Arbeitsaufgaben. Wieviel Fleiss, wieviel Scharfsinn,
wieviel können unb Wissen gehört dazu, beispielsweife
 in einer Gießerei zweckmäßzige Modelle unb
brauchbare Formen herzustellen, um schließlich einwanbfreie
 Gußstücke fertigzustellen. Nicht umsonst
haben wir hier vom Scharfsinn, vom Rönnen unb
Wissen des Arbeiters gesprochen, unb nicht zuletzt
haben wir auf etwas besonders Wichtiges hingewiesen,
nämlich nuf feinen Fleiß unb feine Hingabe.

Wenn bem aber fo ift, bann muß biefer persönliche
 Einsatz des Rönnens unb Wissens auch irgend
etwas in dem niederschlagen, was ber Arbeiter erarbeitet
 hat, also im Arbeitsergebnis. Damit stehen
wir vor ber wichtigen, faft kann man fagen entscheidenden
 Frage: Wie hoch denn eigentlich troh ber
Maschinen, ber Organisation unb ber Technik in unferen
 heutigen ‘Betrieben ber „menschliche Anteil" am
Arbeitsergebnis iff. Wenn wir vom menschlichen Anteil
 sprechen, bann meinen wir hier nicht etwa den
sogenannten „Lohnanteil".Daß biefer trotz ber modernen
Technik beispielsweise bei ber Kohle usw. überraschend
hoch iff, wiffen Fachleute unb Laien zur Genüge, daß
aber über ben fogenannten Lohnanteil hinaus bem
menschlichen Anteil im ArbeifSer^eugniS baS Meiste
zufällt, baS wissen unb glauben leiber nur Wenige.

Worin besteht nun biefer sogenannte menschliche
Anteil? Er besteht wie schon gesagt, im Können,
Wissen unb in ber Erfahrung unb bamit auch im
meisterhaften Beherrschen ber Werkzeuge unb Taschinen.
 Denn: was nützt eine Maschine, wenn fie
nicht vom Menschen geschickt gefteuert wird? Aber
all bieS genügt noch nicht. Wir muffen dazu kommen,
im Arbeitserzeugnis auch ben Ausdruck ber Arbeits-Persönlichkeit
 zu sehen, müssen also ben Fleiß unb
den Arbeitswillen, bie Hingabe unb Verantwortungsfreube,
 kurz all bie Tudenden wieber erkennen, bie
ben Wann erft zur Persönlichkeit formen.

Wie ber schaffende Mensch von sich aus ber
Arbeit feinen Stempel aufbrückt, fo beeinflußszt aber
auch baS Material, welches er verarbeitet, beffer gefagt,
feine ganze Arbeit auch sein eigenes Wesen. Wer am
Eisen schafft, nimmt allmählich auch bie Wesenszüge
beS Eisens an. Menschen, bie eine gleiche Arbeit
verrichten, werben durch ihre Arbeit sich ähnlich im
Wesen, oft sogar im Gesichtsausdruck. Die westfälischen
 Bergleute, bie Hüttenmänner in Oberschlesien,
            
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