Wie stand 05 damals wirklich?
(3um 12. Februar 1934)
Von 4-Obersturmführer Otto Huschka, der damals als Brigadeführer des
Linzer Schutzbundes losschlug und damit das Signal zum Kufstand in ganz Österreich
gab. Inzwischen hat Huschka längst, wie Zehntausende seiner Rameraden, zum National-
Sozialismus gefunden und betreut heute das wichtige Siedlungsreferat in der Landes-
hauptmannschast Oberdonaus.
Das Jahr 1933, welches für Deutschland die
Befreiung aus einer 15 jährigen Schmach, aus Not
und Elend brachte, war für Österreich der Rus-
gangspunkt für fünf Jahre des schwersten Kampfes,
der Beginn von unsagbarem Elend und des heftig-
sten Terrors.
Herr Dollfuß, von feinen Beratern getrieben
und angespornt, suchte nach einem Mittel, die ganze
Macht an sich zu reißen, um in Form einet Diktatur
feinen lang gehegten Wunsch, die Errichtung eines
christlichen Ständestaates, zu verwirklichen. Den
Anlaß zum Vorstoß in dieser Richtung erhielt er
durch die März-Ereignisse des Jahres 1933 in die
Hände gefpielt.
Die lächerlichen Vorgänge im damaligen Na-
tionalrat, der sowieso nur mehr ein Scheindasein
führte, der Rücktritt des damaligen Präsidenten
dieses Operettenparlaments, dessen Rücktritt auch
die Zurücklegung der nachfolgenden Vorsitzenden
folgte, war für das System Dollfußz — Fey der
Moment, in Aktion zu treten. Herr Dollfuß holte
aus dem Archiv ein kriegswirtschaftliches Ermächti-
gungsgeset hervor und erließ, darauf gestützt, die
erste Notverordnung, der in kurzen Abständen weitete
folgten, und baute auf diesen vollkommen ungeseß-
lichen Unterlagen, die einen glatten Verfassungsbruch
darstellten, feine Diktatur auf.
Zwei Gruppen waren es, die durch diese Vor-
gänge in eine verschärfte Kampfstellung zur Re-
gierung gebracht würben. Ruf ber einen Seite bie
nationalsozialistische Bewegung, bie immer mehr unb
mehr um sich griff unb für ben christlichsozialen
Heimwehrstaat eine ganz beträchtliche Gefahr dar-
stellte, unb auf bet anderen Seite bie zahlenmäßig
nicht unbeträchtliche sozialdemokratische Partei, bie
noch dazu bei jeder Gelegenheit mit Generalstreik und
mit ihrer Wehrorganisation, bem Schutzbund, drohte.
Die Regierung verfügte bie Kuflösung des
Schutzbundes unb trat bamit bie Machtprobe an.
Was sich innerhalb ber eigenen Reihen ber sozial-
demokratischen Partei unb des Schutzbundes darauf
hin abspielte, läßt sich in kurzen Wörter kaum
schildern, dies muß man miterlebt haben. Es trat
eine immer stärker werdende Spaltung innerhalb
dieser Organisationen ein, bie letzten Endes auch ber
Schlüssel zum Zusammenbruch waren. Es bildeten
sich zwei Lager. Ruf ber einen Seite ber jüdisch
versippte Parteivorstand, dem infolge feiner Zusam-
mensetzung jebe Tatkraft unb Entschlußfähigkeit
fehlte, mit feinen treuen, aber überalterten Anhängern,
unb auf ber anberen Seite ein aktivistischerer Teil
ber Arbeiterschaft, ber bereit wat, über Befehl ben
letzten Einsatz zu wagen, trotzdem sich ber ideelle
Zusammenhang mit bem Parteivorstand schon feit
längerem immer mehr gelockert hatte. Es muß
anerkannt werben, baß das, was jeber dieser
Männer in ber Wehrorganisation des Republikani-
schen Schutzbundes, legal und feit 1933 illegal, an
Dienst unb Opfer brachte, beifter Kampfgeist unb
auch letzte Einsatzbereitschaft war. Es waren aber
zwecklose Opfer, benn bie oberfte Führung in Hän-
ben eines ©r. Deutsch wäre nie bereit gewefen,
einen wirklichen Einsatz gegen das System für das
Volk zu wagen.
©ie sozialdemokratische Partei würbe damals
oor allem von zwei prominenten Juden verkörpert,
bie neben sich keine Teinung bulbeten unb trotz
dauernder Versicherung des äuszersten „demokrati-
schen" Prinzipes eine Monopolstellung hatten, Herr
©r. ©anneberg und ©r. Bauer, zwei ber
gefährlichsten Arbeiterverräter, bie in ben Massen-
versammlungen nicht genug aufputschen konnten unb
bet Regierung gegenüber immer verhandlungs- unb
koalitionslüstern waren.
Von ber offiziellen Auflösung des Schutzbundes
bis zum Ende des Jahres 1933 bestand bie Haupt-
aufgabe des Parteivorstandes barin, beschwichtigend
auf bie Massen einzuwirken unb immer neue unb
„letzte" Parolen zum Losschlagen zu schmieden; es
zeigte sich in allen kritischen Momenten ber Ver-
boten, Waffensuchen, Verhaftungen usw. immer
klarer bie Hohlheit unb Unfähigkeit ber
Führung unb jedes Fehlen von Kampfgeist,
bie zum Teil auf Feigheit vor bem letzter. Einsatz,
nicht zuletzt aber auf bie innerhalb her Arbeiterschaft
mehr unb mehr um sich greifende antisemitische
Einstellung derselben zurückzuführen war. ©ie
Herren ber Führung fürchteten, daß für den Fall
einer ernstlichen Kuseinandersetzung bie losgelassene
Gewalt fiel) mit bet Beseitigung ber Regierung nicht
begnügen könnte, fie fürchteten mit Recht, daß
gleicherzeit bie Stunbe ber Abrechnung mit ben
Betrügern ber eigenen Reihen vollzogen werben
könnte. Dies waren Hauptgründe, warum bie letzte
Entscheidung immer wieder hinausgeschoben würbe.
Inzwischen war bie Stimmung bis zu Ende
des Jahres 1933 innerhalb ber Arbeiterschaft auf
Siedehitze gestiegen. Nur ber sogenannte Weihnachts-
friebe, von ber Regierung proklamiert, hat ganz
kurz nochmals eine Beruhigung hergestellt. Um fo
kräftiger warben bie Gegensätze sogleich zu Beginn
des Wahres 1934.
©ie Spitzel aus Regierungskreisen brachten
Nachrichten von großen Plänen der Herren ©ollfuß, 32