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Full text: Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

den engen staatlichen Fesseln des alten Österreich 
einen ungeahnten Aufschwung des wirtschaftlichen 
Lebens und so stand auch das Raufhaus Herzmansky 
unter der neuen Führung bald wieder an erster Stelle 
im Tertilhandel Wiens. 
Mit Ausbruch des dem Grosdeutschen Reiche 
von feinem ewigen Feind, der jüdischen Weltplutokratie, 
aufgezwungenen Krieges, schien zunächst die weitere 
Entwicklung des Hauses gehemmt, aber die kurze 
Zeit feit dem Anschlusse hatte nicht nur genügt, den 
früheren Rundenkreis zurückzugewinnen, sondern er 
konnte sogar beträchtlich vergrößert werben, fo daß 
bie anfänglich befürchteten Rückschläge nicht eintraten. 
Leider erlitt das Haus Herzmansky gleich zu 
Kriegsbeginn einen schweren Verlust burch ben Helden- 
tob seines ersten Betriebsführers Baron Gustav 
Wagner-Wehrborn, bem es nicht vergönnt war ben 
weiteren Aufstieg dieses Unternehmens, um beffen 
Zustandekommen er sich besonders verdient gemacht 
hatte, mitzuerleben. Sein Nachfolger als Betriebsführer 
ift Herr Dipl. Kfm. Hermann Rhomberg unb in ber 
Geschäftsführung vertritt jetzt Herr Arthur Hämmerle 
unfere Firma. Außerdem sind ftänbig in ber Leitung 
in Wien bie Herren Dipl. Rfm. Alfred Hämmerle 
unb Oskar Rhomberg als Prokuristen tätig. 
©ie Firma Heizmansky wirb als reines Spezial- 
kaufhaus für Tertilwaren geführt unb hat folgende 
Haupt-Abteilungen: 
Weisz- unb Leinenwaren, Bett- unb Tischwäsche, 
Taschentücher, 
Baumwollwaren unb Futterstoffe, 
Schafwollstoffe unb Herrenstoffe, 
Seibe unb Samte, Spitzen, Handarbeiten, Rurzw. 
Vorhang- unb Dekorationsstofse, Teppiche, 
Säuglings- unb Rinderartikel, 
Damen- unb Herrenkonfektion, 
Damen- unb Herrenwäsche, 
Trikotagen, Pullover, Handschuhe, Strümpfe, 
Schirme unb Damenhüte. 
Es versteht sich von selbst, daß nicht nur bie 
Weißzwaren unb buntgewebten Artikel unferer Firma, 
fowie bie Baumwoll,- Zellwoll- unb Kunstseiden- 
bruckwaren ber Firma Franz 17. Rhomberg zum 
Berkaufe kommen, fonbern auch bie Erzeugnisse aller 
anberen bedeutenden Fabriken, wobei immer ein 
Augenmerk barauf gelegt wirb, besonders bie Pro- 
bukte ber Vorarlberger Textilindustrie ber Wiener 
Räuferschaft zugänglich zu machen. Während ber 
letzten Wiener Frühjahrsmesse fand bei Herzmansky 
eine fehr schön ausgestattete Ausstellung von Vorarl- 
berger Stickereien unb Spitzen ftatt, bie sich eines fehr 
regen Besuches erfreute unb in ber „Stadt ber ode" 
bei Presse unb Publikum allgemeinen Beifall fanb. 
Als selbständige Firmen sind bem Hause Herz- 
mansky bie „OSTEG", Ostmärkische Tertil-Grosz- 
handelsgesellschaft, m. b. 4. unb bie „WIWEG", 
Wiener Wäschegesellschaft m. b. h. angegliedert. 
©er Gefolgschaftsstand betrug am 15. Mai 1938 
589 unb hat fich bis zum 1. Mai 1940 auf 606 
Mitglieder erhöht, außerdem sind derzeit 187 Ge- 
folgschaftsmitglieder zum Wehrdienst eingrückt, bzw. 
dienstverpflichtet unb als Rote Kreuzschwestern tätig, 
©er Gefolgschaftsstand ber „WIWEG", bie erft im 
Jahre 1940 Herzmansky angegliedert wurbe, umfaßt 
derzeit 288 Mitglieder. 
©ie Durchführung des sozialen Rufbauprogram- 
mes hat durch ben Krieg, wie dies leiber auch bei 
unferen hiesigen Betrieben ber Fall ift, eine Berjö= 
gerung erfahren, doch ift bei Herzmansky bereits ein 
Kindergarten, in bem bie Rinder ber im Betrieb 
tätigen Mütter burch eine Pflegerin betreut werben, 
errichtet, was in ber Großstadt von viel größerer 
Bebeutung ift als auf bem Lande. Ferner wurbe bie 
Gefolgschaftshilfe, bie ber Unterstützungskasse unserer 
Firma entspricht, ausgebaut. Als Betriebszeitung 
erscheinen bie „A. H.- Nachrichten", bie auch eine 
ständige Verbindung mit ben im Felde stehender 
Kameraden herstellen. 3m April dieses Jahres konnte 
eine vorbildlich eingerichtete Betriebsküche eröffnet 
werben unb im anschließenden, fehr schön auS- 
geftatteten Gefolgschaftsraum kann bas Mittagessen 
eingenommen werben. Hier finben auch bie Ramerad- 
schaftsabende ftatt, bei benen, wie bei uns, bie 
verschiedenen Sport-, Sing- unb Tanzgruppen ihre 
Borführungen zeigen. Anläßlich des Besuches ber 
Wiener Herzmansky-Abordnung in ©ornbirn brachte 
bie junge Tanzgruppe auch bei uns zwei Vortrags, 
nummern unb burch einen Stimmungsfänger würben 
uns einige Wiener-Lieder vermittelt. ©er große Beifall 
bewies, daß bie Vorführungen auch hier fehr gut 
gefallen haben unb bie Wiener nahmen ihrerseits von 
den Leistungen unferer Gefolgschaft wertvolle Ante- 
gungen für ben weiteren Ausbau ber Betriebsgemein- 
schaft nach Hause mit. 
©ie Firma Herzmansky nimmt am Leistungs- 
kampf ber Betriebe teil unb besteht größte Ausficht, 
daß fie in biefem Jahre das Gaudiplom für hervor- 
ragenbe Leistungen erringen wirb, das bisher kein 
Wiener Textilbetrieb erhalten hat. Es kann aber heute 
schon gefagt werben, daß fich das Haus Herzmansky 
würbig an bie Seite feiner Stammfirmen J. Bl. häm- 
merle unb Franz Bt. Rhomberg stellen barf, bie beibe 
das Gaudiplom feit bem Jahre 1939, in welchem 
biefe Auszeichnung zum erstenmal in ber Ostmark 
verliehen wurbe, besitzen. 77
	        
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