Leutnant Guntram Hämmerle,
Sohn des Betriebsführers, im Kaukasus
Irgendwo, 9. September 1942.
Liebe Mutter !
Nun komme ich endlich wieder zum Schreiben, ic war einige Tage weg.
Habe mit drei Rameraden in einer tägigen Tour den Elbrus (5630 m) bestie-
gen. Es war das schönste Erlebnis, das ic bis jetzt hatte. Ein Bildberichter, der
oben Aufnahmen machen sollte, war bei uns, so konnte ic wunderbare Bilder
machen. Wir stiegen zuerst bis zum Elbrushaus (4200 m) und blieben dort einen
Tag, um uns an die dünne Cuft zu gewöhnen. Von dieser Hütte hat man einen
Blick auf den Zentralkaukasus, der einfach einzigartig ist, ic habe noch nie der-
artig gewaltige Felsmassen gesehen. Am dritten Tag dann stiegen wir auf den
Gipfel. Es war natürlich ein wilder Schlauch, aber wir waren alle begeistert
von dieser wilden Schönheit. Oben hatten wir einen Schneesturm zu bekämpfen,
der seinesgleichen suchte. Ein Begleiter sagte zu mir, er habe bei seinen vielen
Schweizertouren nie etwas Derartiges erlebt. Den letzten Gipfelanstieg haben wir
nur mehr Schritt für Schritt gemacht, etwa acht Schritt gestiegen, dann wieder kurz
gerastet, und so weiter. Aber wir haben es geschafft und es war pfundig. Schicke
die Filme und einen Tannzapfen, den ich in 2500 m gefunden habe. Vater soll
versuchen, daraus eine Elbrustanne zu züchten. Romme heute sehr wahrscheinlich
an einen anderen Abschnitt, von dort dann wieder mehr. Sonst geht es mir fabelhaft,
alles in bester Ordnung. Grüße mit alle Bekannten.
Euc allen recht herzliche Grüße
Euer Guntram
Arbeitskamerad
Ob. Gefr. Oskar Lang.
Seine Parole ist:
„Immer vorwärts!"
Soldat Hans Diem mit seinem Pferde „Jockl"
im hohen Morden
Arbeitskamerad Adolf Mayer sendet uns folgendes Gedicht:
Das Blümlein am Polarkreis
Kein düftereicher Blütesegen
Erfüllt in Lappland die Natur.
An den stein gen, sumpf’gen Wegen
Selten steht ein Blümlein nur.
Rosen, Nelken, Tulpen, Flieder,
Anemon’ und Rosmarin
Sahen wir schon lang nicht wieder.
Da sie nur in Deutschland blüh’n.
Nur eine hat uns nicht vergessen.
Blüht mitternachts im Sonnenschein.
Im Biwak und auf staubgen Straßen
Besangen wir dies Blümelein.
Wir denken dann an zarte Hände,
An Heimat wohl, an Urlaub gar.
Wir hoffen auf ein siegreich’ Ende:
Blühe, kleine Erika!
Einer spielt die Mundharmonika
Durch den Bunker zieht
eine kleine Weise . ..
Klingt das Heimweh leise
nach in einem Lied.
Von Uffz. Franz Xaver Hellnsteiner
Haucht den Atem einer
seiner Seele ein.
Singt und jubelt reiner,
will nur Tönen sein.
Ferne wird uns nah:
Glück aus stillsten Stunden
hat zu uns gefunden - - -
Einer spielt die Mundharmonika. 75