Der Werkluftschuty im Kriege.
Schon im Jahre 1938 wurde in unseren Fabriken der
Werkluftschub aufgestellt und zahlreiche Gefolgschafts-Mitglieder
haben seither in diesem Gemeinschaftswerk in uneigennütsiger
Weise mitgewirkt.
Seither haben die Kriegsaufgaben dem Werkluftschuts
viele neue Aufgaben gestellt und es gilt, immer mit der
Entwicklung der Kriegswaffen auch den Werkluftschuts im
Einklang zu halten. Die Aufgaben des Werkluftschutses sind
wohl dieselben geblieben, nämlich unsere Arbeitsstätten
gegen die Einwirkungen feindlicher Terrorangriffe zu schüfen
und die Gefolgschaft vor Schaden zu bewahren. Der Umfang
solcher Schäden und die Arten ihrer Bekämpfung haben
dementsprechend aber zugenommen.
Zunächst einmal wird die Gefolgschaft bei herannahender
Luftgefahr durch die Sirenen gewarnt. Schon der Alarm
hat Abstufungen erfahren. Wir kennen die öffentliche Luftwarnung,
genannt O. L. W. Sie wird beim Einflug vereinzelter
Störflugzeuge gegeben. Bei O. L. W. wird daher weiter gearbeitet.
Es ist dies das dreimalige Sirenenzeichen, während
bei Alarm (d. i. der mehr als dreimal auf- und abschwingende
Heulton) die Arbeit eingestellt wird und die Gefolgschaft die
Luftschubräume aufsucht.
Nicht mehr statthaft ist bei Alarm das Verlassen des
Fabriksgeländes oder der Aufenthalt im Freien, mit Ausnahme
der Brandwachen, Melder u. dergl., welche dorthin
befohlen werden.
Jedes Gefolgschaftsmitglied muß wissen, wohin es bei
Alarm gehört, wo der Schubraum ist oder die Sammelstelle;
(letztere gilt für die Angehörigen des Werkluftschubes). - Für
den ruhigen Zu- und Abgang bei Alarm oder Entwarnung
sorgt der Saalmeister oder Abteilungsleiter. Man beachte
deren Weisungen, man lese auch die Hinweisschilder.
Während des Alarmes liegt alle ßefehlsgewalt beim
Werkluftschubleiter und seinem Stellvertreter. Ebenso auch
alle Verantwortung. Seinen Anordnungen ist daher Folge
zu leisten. Wünschenswert ist es, den Kreis der Mitarbeiter im
Werkluftschub möglichst zu erweitern. Der Werkluftschub umfaßt
den Brandschuts, die Sanität, die Gasspürer und Entgifter,
die Beobachter und Melder u. s. f. Wer im Werkluftschub
tätig ist, kann nicht gleichzeitig auch wo anders eingesebt
werden oder ein anderes Amt führen; er muß dem
Werkluftschut voll und ganz angehören. Daß Gefolgschaftsmitglieder
abseits stehen, den Werkluftschub gering schaben,
kommt wohl heute nicht mehr in Frage. Wir müssen damit
rechnen, daß die Aufgaben des W. L. S. in nächster Zeit noch
größere und höhere werden.
Als einfadies Beispiel der Entwicklung sei erwähnt, daß
man heute bereits gegen den gefährlichen Phosphor ein
Gegengift gefunden hat, im Kupfersulfat, sowohl als Löschmittel
als auch zur Entgiftung und als Heilmittel (Münchener
Medizin. Wochenschrift), so wie seinerzeit im Natriumbicarbonat
zur Neutralisierung der Giftgaseinwirkung. Die
Eindämmung von Bränden, das Bergen der Verlebten, erste
Hilfeleistung und andere Feindeinwirkungen unschädlich zu
machen, das alles lernen wir im Werkluftschub. Alle Gefolgschaftsmi
glieder sind verpflichtet, auf Verlangen Werk-Luftschubdienst
zu tun. Gefolgschaftsmitglieder, welche noch nicht
anderweitig erfaßt sind, von der Feuerwehr usw., melden
sich daher unverzüglich zur Mitarbeit im Werkluftschut.
Sp.
Wir und die Ostarbeiterinnen.
Seit der Ankunft der ersten Ostarbeiterinnen in un--serem
Betrieb sind nun 11/2 Jahre vergangen. Diese Ostarbeiterinnen
hatten inzwischen genau so gut Gelegenheit,
uns kennenzulernen, wie wir sie. Wir müssen uns darüber
klar sein, daß wir es hier mit primitiven Menschen aus dem
Osten zu tun haben.
Ein großer Teil unserer Gefolgschaft verstand es denn
auch von selbst, daß es unsererseits für diese Menschen
nur eine Behandlung geben kann und zwar: streng, aber
gerecht. Es ist aber nicht angebracht, schließlich in jeder
Ostarbeiterin einen bolschewistischen Agenten zu sehen.
Andererseits gibt es aber wieder deutsche Menschen, in
denen das anfänglich armselige Äußere dieser Menschen
aus dem Osten ein tiefes Mitleidsgefühl hervorgebracht hat.
Sie möchten daher die Ostarbeiterinnen ganz besonders in
ihre Obhut nehmen, ja vor lauter Gefühlsduselei diesen
Lebensmittel und sonstiges, das sie sich von ihrem eigenen
Munde absparen, zustecken. Dies ist vollkommen falsch.
Die Lagerführung hat bisher mehr, als gefordert wurde,
getan, um unseren Ostarbeiterinnen den Aufenthalt erträglich
zu gestalten. Ein Blick in unser, sowie in verschiedene
andere Ostarbeiterlager bestätigt uns dies immer wieder.
Es kann daher angenommen werden, daß diese Leute uns
von einer grundanständigen und gerechten Seite kennengelernt
haben.
Es steht aber ein für allemal fest, daß eine allzu nachsichtige
Behandlung zur Frechheit, Aufsässigkeit und Arbeitsunlust
führt, weil die Ostarbeiterinnen in Nachsicht nicht
zuletzt Schwäche zu erkennen glauben. Auf alle Fälle ist das
erste Gebot im Umgang mit Ostarbeiterinnen: Abstand
wahren! Gefühlsduselei und Neugierde sind häufige Ursachen
einer unrichtigen Einstellung ihnen gegenüber.
Selbstverständlich ist auch stets in Betracht zu ziehen,
daß Vertrauensseligkeit fehl am Orte ist; es muß immer bedacht
werden, daß Arbeiter und Arbeiterinnen, die aus
Feindesland stammen, vom feindlichen Nachrichtendienst,
wie genug Beispiele zeigen, oft als Agenten für Spionage
und Sabotage eingesetzt sind.
Noch eines soll eindringlich jedem Deutschen, der mit
Leuten aus dem Osten in Berührung kommt, gesagt werden:
Wir müssen uns ein für allemal darüber im klaren sein, daß
der Mensch aus dem Osten ein ganz anderes seelisches
Erleben als wir hat. Die Erbmasse, die wir von unseren
Ahnen erhalten haben, formt nun einmal einen anderen
Menschen, formt in erster Linie die seelische Ausgeglichenheit
gegenüber der tausendfach beobachteten Unausgeglichenheit
und Sprunghaftigkeit des Menschen aus dem Osten.
Lassen wir die bei uns beschäftigten Ostarbeiterinnen an
unserem Siege mitarbeiten. Was sie dazu benötigen, wollen
wir ihnen geben, aber in einer Haltung, die ihnen Achtung
vor uns selbst und unserer Leistung abringt.
Der Betriebsobmann.
Obermeister Eduard Kreil.
Unser langjähriger Obermeister des Webereibetriebes
Eulental, Herr Eduard Kreil, ist mit 31. Dezember 1943 in
den Ruhestand getreten. Ein arbeitsreiches Leben liegt hinter
ihm, das, nachdem es sich zum größten Teil in unserem Betriebe
abwickelte, verdient, an dieser Stelle in seinem Ablauf
festgehalten zu werden.
Herr Kreil, der am 16. Oktober 1877 geboren ist, besuchte
die Volks- und Fortbildungsschule und trat erstmalig
im November 1891 in unsere Firma ein, in der er bis 1905
in den verschiedenen Vorbereitungs- und Veredlungsabteilungen
tätig war und dadurch Gelegenheit hatte, sich eine
reiche, praktische Erfahrung anzueignen. Ende November 1905
kam Herr Kreil in unser Geschäft nach Wien als Warenkontrollor
in die Rohwarenabteilung. Seinen Wiener Aufenthalt
nützte Herr Kreil dazu aus, seine praktisch erworbenen
Kenntnisse auf dem Gebiet der Textilindustrie durch
eine theoretische Schulung auf der Textilschule Wien zu
festigen. Schon damals zeigte er seine besondere Vorliebe
für die Jaquardweberei, in der er später ein wahrer Meister
wurde. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, die von Herrn
Kreil während seiner Studienzeit in Wien ausgearbeiteten
Entwürfe für die Jaquardweberei zu sehen, erkennt darin
seine Begabung und vor allen Dingen auch seine Liebe und
Freude, die er dem künstlerischen Beruf entgegenbrachte.
In den Jahren 1908 bis 1910 war Herr Kreil in verschiedenen
Textilunternehmen in Plauen, Glauchau und Duisburg
tätig und hat damit Gelegenheit gehabt, Arbeitsweisen
und Gebräuche auch in fremden Textilbetrieben
kennen zu lernen. Seit dem Jahre 1910 ist Herr Kreil mit
der Unterbrechung als Soldat des lebten Weltkrieges in
unserem Unternehmen als Obermeister im Betrieb Eulental
tätig.In diesen Jahren seiner aktiven Tätigkeit an leitender
Stelle im Betrieb Eulental hatte Herr Kreil reichlich Gelegenheit,
sein umfassendes Wissen, das er sich in den vorausgegangenen
Jahren erworben hat, in den Dienst des Betriebes
zu stellen. Unermüdlich und mit einer vorbildlichen 4