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Full text : Dreihammer. Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft F. M. Hämmerle

mitten im Herzen Europas, die das Volk nicht zur
Ruhe kommen ließ, und sie lagen ebensosehr im
Charakter des deutschen Menschen selbst. Arbeitsamkeif,
 Streben, Ausdauer, Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusztsein,
 Pünktlichkeit, Treue und ähnliches
mehr sind die Eigenschaften des Deutschen, mögen
sie auch noch so hohe Anforderungen an ihn stellen.
Mur eines ließ der Deutsche immer wieder vermissen,
und das war das Gefühl für die innere Verbundenheit
 im Volke.

Der Nationalsozialismus hatte von Anfang an
diesen Mangel erkannt und daher die Pflege bet
Volksgemeinschaft als den wichtigsten Punkt in fein
Programm aufgenommen. Aber man war sich auch
von vornherein klar, daß ein solcher Fehler nicht
von heute auf morgen ausgemerzt werden kann,
sondern daß es hierzu einer langen Erziehungsarbeit
bedacf. Und diese Erziehungsarbeit konnte nicht bet
Schule allein überlassen und auf bie Heranwachsende
Jugend beschränkt bleiben, sondern mußte unverzüglich
 das gefamte Volk erfassen, weil es nicht zweckmäßig
 erschien, auf den Erfolg fo lange zu marten,
bis bie nächsten Generationen das Leben ber Nation
ausfüllten.

Zu biefem Zweck warben von ber Reichsregierung
 auch alle jene laznahmen eingeleitet, bie
sic heute in Deutschland in Gestalt ber Sammlungen
aller Volksschichten für das Winterhilfswerk, in ber
Volkswohlfahrt, in den großen Massenversammlungen,
in ber Volkstumsarbeit unb in bet Feierabendgestaltung,
 in gemeinsamen Urlaubsfahrten unb
Sportveranstaltungen, in ber Erfassung bet Jugend,
in ber Weckung des Familiensinnes, in bet Verschönerung
 des Arbeitsplatzes, im Dienst in ben
Formationen ber Partei auswirken. In allen diesen
Fällen ist das Ziel bie Zusammenschweißzung bet
einzelnen Volksglieder zu einem geschlossenen Ganzen.
Denn nur in einem solchen Zustand vermag sic ein

Volk auf bie Dauer zu behaupten unb glücklich zu
fühlen, weil es bann bie Werke feinet großen Geister
unb bie Taten feiner Ahnen im Herzen trägt als
Idole zur seelischen Aufrichtung unb geistigen Stärkung.

Diesem groen Gedanken würbe non bet Regierung
 auch bie Arbeitsstätte des Volkes, bet
wirtschaftliche Betrieb, bie Fabrik, das Büro dienstbar
gemacht. Hier verbringt ber moderne Mensch ein
Drittel seines Lebens im täglichen Schaffen; hier
steht et in engster Verbindung mit bem Nebenmanschen,
 unb hier schafft er an Werken, bie bem
Gesamtwohl zugute kommen. In dieser äußeren
Gemeinschaft liegt eine innere Schicksalsperbundenheit,
denn das Wohlergehen des einzelnen ist abhängig
von bem des Arbeitskameraden, unb bie gleiche
Wechselwirkung besteht zwischen bet Gesamtheit ber
Werksangehörigen unb bem Betriebe. Zwar wirkten
sich hier schon immer Leistungsfähigkeit unb Zuver-Lässigkeit
 des deutschen Menschen aus, bie ihn für
verantwortungsvolle Aufgaben hervorragend befähigen;
 nur an ber inneren (Einigkeit mangelte es als
Folge eines stolzen Selbstbewusstseins, allein Manns
genug zur Bewältigung aud) der schwersten Rufgaben
 zu fein.

Wie aber sollte man biefe Einigkeit bort verwirklichen,
 wo bis Anfang 1933 nur Zwietracht
unb Klassenkampf geherrscht hatten? Illit guten
Worten unb vielem Zureden konnte es allein nicht
getan fein, beim schon früher wat genügend gerebet
unb geschrieben worben von Männern, bie unbeeinflußzt
 von einet klassenkämpferischen Haltung bie
Uneinigkeit leidenschaftlich bekämpften.

Jetzt aber, nach der Machtübernahme, hatten
bie Verhältnisse ein ganz anderes Gesicht bekommen.
Jetzt war eine Staatsgewalt vorhanden, bie ben
Willen zur Erziehung des Volkes besaß unb durch
ihre Unabhängigkeit imstande war, biefem Willen

keine Protektion, aber Gluth

Einer alten Weberfamilie entstammend, trat ich
am 17. Juli 1883 vierzehn Tage vor Vollendung
beS 14. Lebensjahres bei Webermeister Roßbach in
Asch als Weblehrling ein unb zwar auf bie Dauer
von einem Jahr. Als Lehrgeld mußte bem Meister
50 Gulden bezahlt werben. Bei zweijähriger Lehrzeit
 ermäßigte fich baS Lehrgeld auf 20 Gulden; bei
dreijähriger Lehrzeit mußte keines bezahlt werben.

Meister unb Meisterin besorgten am Spulrab
für mich unb weitete brei Lehrbuben baS Schußspulen.
 Bei bet großen Vielfältigkeit ber Ascher
Textilindustrie hatte ich Gelegenheit, alle erdenklichen
Gewebe zu erzeugen. Bei ben Webmeistern konnte
allerdings nur bie Handweberei in Betracht kommen,
doch wußte ein gelernter Weber beim Übertritt zur
mechanischen Weberei eher Bscheid als ein ungelerntet.
 Außer bem Weben selbst erlernten wir auch
baS Aufbäumen, Einziehen, Anbrehen, Anschnüren bet
Schäfte und baS Vorrichten von Jacquard-Harnischen.

Die fertige Ware mußte jeder Lehrling selbst
zum Fabrikanten bringen, um zu hören, was ber
Warenübernehmer dazu fagt. Sch mußte am Anfang
ziemlich lang einen scheinbar gut bezahlten Lodenersatz-Trtikel
 weben unb ba bie Zeit von einem
Jahr sehr kurz ist, sagte ich dem Meister, er möge
mir einmal anbere Ware zum Weben verschaffen.
Er fagte barauf: „Wärst halt ein Zuckerbäcker geworben,
 bann könnteft bu jeden Tag waS anbereS
machen." Trotz biefer wenig freundlichen Antwort
bekam ich aber doch Abwechslung in Hülle unb Fülle.

Bei einiger Einarbeitung verdiente ein Lehrling
bem Meister in ber Woche sechs Gulden unb bet
Lehrling bekam bafür ein Trinkgelb, baS fich von
zwanzig Kreuzern bis zu einem Gulden steigerte.
Die Arbeitszeit betrug im Tag zwölf Stunben unb
zwar von 6—12 unb von 1—2 Uhr mit je einet
Viertelstunde Pause zum Raffeetrinken. Ich war mit
meinen vierzehn Jahren ein kleiner, schwacher Kerl 2
            
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