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Full text: Vorarlberger Mieter-Zeitung. Organ des Landesverbandes der Mieterschutzvereine von Vorarlberg

Vorarlberger 
mlieter -Zeitung 
Organ des Landesverbandes der Illieterschjutzvercine von Dorarlberg. 
Bezusprets: Für Mitglieder unentgeltlich. Für Nichtmitglieder halbjährig 1 Schilling 20 Groschen, ganzjährig 2 Schilling. 
Ankündigungen nach festen Gebühren. 
Erscheint vorläufig leben Monat 
Eigentümer, Herausgeber unb Verleger: Landesverband ber Mieterschutzvereine von Vorarlberg. 
Verantwortlicher Schriftleiter: 3. Ruepp in Bludenz. 
alle Zuschriften find zu richten: An ben Landesverband ber Mieterschutzvereine von Vorarlberg in Bludenz, Wichnerstrasze 40. 
Druc DOn E. Rusz in Bregenz. 
folge 4 Bludenz, im Oktober 1927. 1. Jahrgang. 
Zur Beachtung an unsere Einzel- 
abonnenten! 
Dieser Nummer liegt ein Erlagschein ber Spar- 
unb Darlehenskasse in Bludenz, bei welcher wir ein 
Konto haben, bei unb ersuchen wir bie Einzelabonnenten 
(Nichtmitglieder unseres Verbandes) mittels desselben 
ben Bezugspreis einzahlen zu wollen. 
Wer als Verbandsmitglied ben kostenlosen Bezug 
wünscht, beachte ben „Aufruf" auf ber letzten Seite bes 
Blattes. 
Wer ben Weiterbezug ber „Vorarlberger Mieter- 
Zeitung" nicht mehr wünscht, ober nicht Verbandsmit- 
glieb werben will, wird ersucht, bas Vlatt rückzusenden, 
andernfalls angenommen wirb, dasz ber Zahlungspflicht 
nachgekommen wirb. — 
Wer als Mitglied beitreten ober bleiben will, 
braucht auf bem Erlagscheine nur bas Wort „Mitglieds- 
beitrag" anzuführen. — Die Abrechnung mit bem Orts- 
verein erfolgt bann durch ben Verbanb. 
* * ♦ 
Die Mitglieder werben aufmerffam gemacht, dasz 
bie Mitglieder bes Landesverbandes ber Mieterschutz- 
vereine von Vorarlberg bei ber Vorarlberger Landes- 
feuerversicherungsanstalt Prämiennachlasz genieszen. 
Der Herausgeber. 
Betrachtungen über einen kommenden 
Mietengeset- Entwurf. 
(Von Dr. 1.) 
Wie Bundeskanzler Dr.Seipel angekündigt hat,beabsich- 
tigt bie Regierung in nächster Zeit die Einbringung bes 
Entwurfes eines,,mobernen" Mietengesetzes.Von bem 
Entwurfes ift bisher nichts kund geworben, vielmehr 
herrscht barüber noch ein mysteriöses Dunkel, fei es, dasz 
es bei beffen Schöpfern selbst noch dunkelt, fei es, das 
man sich von der seinerzeitigen lleberraschung besondere 
Wirkung verspricht. Man kann also nur ahnen ober 
vermuten, was uns ba etwa geboten werben dürfte. Im 
Wesentlichen werben wohl bie Vorschläge wiederkehren, 
die schon in ben wiederholt aufgetauchten unb wieder 
Zurückgenommenen ober mit mehr ober weniger Sang 
unb Klang begrabenen Entwürfen enthalten waren. 
Es wirb sich daher insbesondere um eine Aenderung der 
geltenden Bestimmungen über bie Kündigung 
unb über die Mietzinsbildung handeln. 
Was bie erfteren betrifft, fo erscheint eine etwaige 
i Lockerung ber Kündigungsbeschränkun- 
gen zu Gunsten ber Vermieter — durch Vermehrung 
|ber Kündigungsgründe ober Erleichterung ber Kündi- 
: gung wegen Eigenbedarfes u. dgl. — für bie Mieter voll- 
|ständig unannehmbar. Denn gerade in dieser Hinsicht 
! wäre es am leichtesten, durch behnbarere Bestimmungen 
|bie Lage ber Mieter zu verschlechtern unb unsicherer zu 
; gestalten, ba schon heute auf alle mögliche Weise ver- 
|jucht wirb, Mieter aus bem Grunde eines angeblichen 
j Eigenbedarfes ober anberen, oft künstlich konstruierten 
Gründen obdachlos zu machen. 
Auf bem Gebiete ber Mietpreisbilbung 
wirb vermutlich nac dem Beispiel ber früheren Entwürfe 
die stufenweise Festsetzung bes zwei bis brei bis vier ober 
5000fachen Friedenszinses in bestimmten Fristen vor- 
geschlagen werben, in ber Erwartung, dasz bie Zustim- 
mung ber Mieter hiezu um fo leichter zu gewinnen fein 
werbe, als schon heute faft überall ein viel höherer als 
der gesetzliche Mietzins gezahlt werbe. Trotz ber an- 
scheinenden Harmlosigkeit eines solchen Vorschlages barf 
beffen Gefährlichkeit nicht unterschätzt werben. Abge- 
sehen davon, daßz wohl kaum gleichzeitig ben Mietern 
bie Mittel für bie Bezahlung ber ftufenweife nach unb 
nach erhöhten Mietzinse werben beigestellt ober garan- 
tiert werben, wirb es ben Mietern, nachdem einmal in 
bie Hauptmauern unb Schanzen der Verteidigung 
Bresche geschossen ift, sehr schwer ober gar unmöglich 
fein, gegen bie unausbleiblichen Bestrebungen auf stets 
weitere Erhöhungen mit Erfolg Widerstand zu leisten 
unb bie baldige vollständige Niederlage ber Mieter ge- 
wisz sein. Für bie Kategorie ber Arbeiter, Festangestell- 
ten, Pensionisten unb Kleinrentner wäre ein solcher Ver- 
lauf ber Sache katastrophal unb umso weniger erträg- 
lieh, als biefe fortschreitenden Erhöhungen zwangs- 
läufig bie Steigerung aller — heute schon teilweife 
weit übervalorisierten — Preise zur Folge haben wür- 
ben, ba doch ber Gewerbs- unb Geschäftsmann bie ihm 
aufgelasteten höheren Mietzinse durch Preiserhöhungen 
einbringen müszte. Den lauten Klagen ber Hausbesitzer 
kann nicht oft genug entgegengehalten werben, dasz 'bie 
Sparer unb Kleinrentner nicht nur ihre Zinsen, fonbern 
auch ihr Kapital verloren haben, während bie Haus- 
besitzer wenigstens ihren Vermögensbesitz erhalten 
haben unb infolge ber Instandhaltungspflicht ber Mie- 
ter meistens sogar in ber Lage sind, ihren Besitz auf 
Kosten ber Mieter zu verbessern unb wertvoller zu 
machen, wofür als einBeispiel nur bie Herstellung 
ber Hausanschlüsse ber neuen Wasser- 
leitung in Dornbirn erwähnt werben mag,
	        
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