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„Vorarlberger Rieterzeitung"
vollständige Unterwerfung und Linterjochung der
Bieter.
Pistor hat in Bregenz bei der Hausbesitzerversammlung
den Vergleich gebracht: Im Kriege waren die
Mannschaften im Schützengraben und die Generäle hinten
in Deckung, während bei der Hausbesitzerorganisation
im Kampfe gegen die Mieter dieses gerade umgekehrt
sei. Da sselbe können wir „leider" mit
vielem Rechte auch von den Mietern behaupten.
Auch diese sitzen ruhig und untätig in
ihren anscheinend rußigen und ungefährdeten
Löchern, d. h. Wohnungen, belachen, bespötteln und
verurteilen sogar
den Kampf, den die anderen führen
und erst wenn auch sie selbst Treffer erhalten, wenn der
Hausbesitzer gegen fie mit
Zinssteigerung, Kündigung und Grobheit
vorgeht, ‘fangen sie an zu schreien: bann sollen
ihnen die andern,
der mieterschuhverein zu Hilfe kommen.
Der soll sie vom Feinde, dem fie durch Verschiedenes den
Einbruch erleichterten und ermöglicht haben, wieber befreien!
Ist dieses Kameradschaft? Verdienen diese
Hilfe, Rettung? Oder Malschinenfeuer von hinten?
Wenn also die Mieter ihre Stellung halten wollen,
wenn sie den Sieg erringen wollen,
fo müssen aIIe gemeiniam1ämpfen.
Sie dürfen die Front nicht verlassen, nicht die Waffen
von sich werfen und die Arme hoch heben, nicht ihre
vornstehenden Kameraden und Führer im Stiche lassen.
Dann wirb auch die Leitung nicht gezwungen werden
können einen ungünstigen Waffenstillstand abzuschlieszen
ober die vollständige Unterwerfung und llebergäbe
zu unterzeichnen, wenn die Hausbesitzer
überhaupt dann noch eine solche zulasse
n.Noch ift die Zeit der Wahl zwischen beiden! Aber
nicht mehr lange, und wer nicht hören will, musz und
wirb es fühlen. Aber dann ist’s zu spät!
Mit der nächsten Folge der Zeitung beginnt ein
neues Jahr mit neuer Vereinstätigkeit. Entweder
opfern die Mieter für ihre Kampforganisation, schlieszen
sich im
unpolitischen Landesverbände der Mieterschutzvereine
Vorarlbergs
zusammen, oder verlassen denselben.
Die Folgen fallen auf sie und ihre Kinder!
Die Verbandsleitung und Vereinsleitungen haben
das ihrige getan und werden es auch weiter tun. Aber
— weder Napoleon noch Hindenburg und Konrad
tonnten mit fliehenden unb überlaufenden Truppen den
Sieg erringen unb den Zusammenbruch aufhalten.
Berichte aus Vorarlberg
Bludenz, 26. Nov. (Wer sind die Mieterfreunde?)
. Bei der abgehaltenen Stadtvertretungssitzung
hat es sich einmal so wieder recht gezeigt, was
man von dem Schlagworte ber politischen Parteien für
ben „Mieterschutz" zu halten hat. Auf ber Tagesordnung
standen die Anträge bes Verwaltungsrates bes städtischen
Elektrizitätswerkes auf Festsetzung bes Verkaufs-Preises
für Zähler, bes Stromtarifes für Bügeleisen
unb bes Zeitpunktes ber Strompreisberechnung nach
Zähler. Zu diesem Punkte brachte die Mieterpartei folgende
Anträge ein: 1) Vor Regelung ber Verkaufspreise
für Zähler usw. ift die Frage der Zählereinbaukostenbestreitung
zu erledigen. Die Beschlüsse bes Elektrizitätsausschusses
in dieser Hinsicht sind von dem Gemeinderate
noch nicht behandelt und gutgeheiszen worben.
Die Mieterpartei erkennt besonders ben Beschluß
ber 33. Sitzung, Punkt 5, ber da lautet: „Die Kosten ber
Installationsabänderung haben die Parteien eines
Hauses zu gleichen Teilen längstens in 12 Monatsraten
zu zahlen. Falls die Parteien ihren Verpflichtungen
nicht nachkommen, ift ber Hausbesitzer zur Zahlung verpflichtet,
jedoch hat das Werk ben Hausbesitzer zu unterstützen,
indem dasselbe eventuell nichtzahlenden Parteien
den Strombezug einstellt" — als gesetz- und
rechtswidrig und erscheint überbies ihr dieses als eine
Vergewaltigung ber Mieter. Es wird daher beantragt,
die Stadtvertretungssitzung wolle beschlieszen: „Der
Beschlus bes Elektrizitätsausschusses der 33. Sitzung,
Punkt 5 —wie oben —wird als dem Gesetze widersprechend
ausgehoben unb folgendes zum Beschlusse erhoben.
„Die Kosten bes Zählereinbaues trägt das Elektri-Zitätswerk.
Eine Aufteilung der Kosten für gemeinsam
wirkende ober vom Hausbesitzer ober Partein anläszlic
bes Zählereinbaues gleichzeitig bestellten Neuerstellungen,
Umarbeitungen ober Veränderungen auf bie Mieter,
bezw. eine Einhebung dieser Kosten durch das Glektrizitätowerk
unmittelbar von ben Mietern, hat nicht zu
erfolgen, sondern haftet hiefür ber Hausbesitzer ganz
allein dem Werke gegenüber. Bereits von den Mietern
auf Grund des genannten Ausschuszbeschlusses ober anderer
Verfügungen eingehobenen Beträge aus diesem
Titel sind ben Betreffenden sofort wieder zurückzuersetzen."
— 2. Der Beschlusz bes Elektrizitätsausschusses
in der 30. Sitzung zu Punkt 4, lit. i., — b. i. „Die Berechnung
des Lichtstrompreises nac Zähler soll mit bem
Zeitpunkte beginnen, wo alle Zähler eingebaut sind" —
wirb genehmigt. Im Sinne dieses Beschlusses haben bie
Parteien, bei denen bie Zähler bereits eingebaut finb,
bis zu bem erst noch zu bestimmenden Tage, die Wahl
zwischen ber Strompreiszahlung nach dem Zähler ober
dem bisherigen Pauschaltarife. Die Anrechnung der
Zählermiete beginnt mit ber Zahlung nac dem Zähler."Obwohl
der Vertreter ber Mieterpartei Sh. Ruepp
die Anträge begründete und noch besonders auf bie Benachteiligung
ber Mieter durch bie Anträge bes Ausschusses
hinwies, welche auc im verhältnismäszjig billigen
Kaufpreis ber Zähler, ber nur den Hausbesitzern
zugute 'Iommi, gegenüber bem teuren Mietetarif, den
hauptsächlich die Mieter zu tragen haben, zum Ausdrucke
kommt, fand er sowohl bei ber christlich-sozialen,
grosdeutschen und f 03 ia 1bemo1ra tis ch en Par-,
tei „parteimäszigen" einheitlichen Widerspruch und Ab-:lehmung
der zwei Anträge, während der erste Antrag
aber vom Stadtrate erst noch in Behandlung gezogen
wirb. Unb was ift bie Folge:? Zahlts Krowotten, wollten
sagen Mieter unb glaubt weiter an bie „politische
Vertretung, ober Zer tretung.
Nebenbei sei noch bemerkt, dasz ber zweite Mieter-;vertreter.
Sh. Agent Amann, ber sozialdemokratisch
|eingestellte, bei ber Sitzung trotz Erinnerung nicht anwesend
war.
Lustenau. Nac längerer Pause hielt unser Mieterschutzverein
am 14. November, nachmittags, im Gasthaue
zum „Ochsen" wieder eine Versammlung ab. Obwohl
her Besuch gegenüber ben früheren Versammlungen
ein guter war, hätte er noch besser sein sollen. Es
:liehe dies den Glauben erwecken, dasz bei uns derzeit bie
■Mietensachen ziemlich ruhig finb, und als wären alle
Mieter mit ben Verhältnissen, unter denen fie wohnen,
. zufrieden. Dem ift aber nicht so, was auch die rege Dehatte
nach bem Referat bezeugte. Doch vorerst zum Be-:
richt an sich. Der Obmann Wiederin begrüiszte, —
eröffnend — bie erschienenen Herren unb Damen. Vor
allem galt aber der Grusz Herrn Ob.-Kom.A mann von
■Bludenz, ber immer ein gern gesehener Gast bei uns ift.
:Er erteilte auch gleich Genanntem das Wort zum Refevat.
— Amann behandelte in sehr klaren, leicht verständlichen,
an Hand von praktischen Beispielen darge-