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„Vorarlberger Nieterzeitung".
Laut Satzungen sind beide unpolitisch, tatsächlich
arbeitet jedoch der erste, d. i. der „Verband der Sparer
und Kleinrentner" nur mit der sozialdemo-
kratischen Partei und für die sozial-
de motratische Partei und für die sozialdemo-
kratische Zeitung „Die Welt am Morgen". Diese Ar-
beit ging besonders bei den letzten Nationalratswahlen
soweit, dasz die Mitglieder des „Verbandes der Sparer
und Kleinrentner" geradezu verpflichtet und moralisch
gezwungen werden sollten, die sozialdemokratische Liste
zu wählen, so dasz in unserem Lande sogar vernünf-
lige Sozialdemokraten gegen die Weitergabe dieser
Zwangsbedingungen waren, und daher folgerichtig
eine Spaltung der Kleinrentnerschaft sic vollzog, genau
so, wie seinerzeit die sozialdemokratische Partei unseren
einheitlichen unpolitischen Landesverband der Mieter-
schutzvereine von Vorarlberg sprengten, als sic der-
selbe nicht auf die sozialdemokratische Partei ein-
schwören und sic deren Diktat und Alleinschutz unter-
werfen wollte.
Und von diesem Standpunkte müssen wir aucnac
unseren Erfahrungen das Verhältnis der Sozialdemo-
traten zu den Sparern und Kleinrentnern betrachten,
denn derzeit ist die Walze „Kleinrentner"
aufgelegt und wird im ganzen Bundesgebiet
in sogenannten „Massenversammlungen" abgerollt,
mit der Hauptmelodie: „Proteststurm gegen das Hhofer’
sche Schandgesetz".
Diese Musik verspricht auc Gehör zu finden, denn
sicher sind besonders alle diejenigen, welche durch den
Hofer’schen Gesetzentwurf von der Auswertung ausge-
schlossen sind, und das sind besonders alle „kleinen
Sparer", gegen diesen Entwurf. Illso bleibt nur
mehr übrig, den Massen vorzureden, dasz hier nur die
Sozialdemokraten helfen und helfen können, und damit
Stimmen für die nächsten Wahlen zu sammeln und zu
erobern. Also bereits Wahlreden, oder Waffenübung,
ob neben und mit dem „Mieterschutz" das schwere Ge-
schütz „Kleinrentnerschutz", das gerade in Vorarlberg
bei den letzten Wahlen etwas versagt hat, nun durch-
schlagenden Erfolg und Sieg verspricht. Dieses ist für
jeden Unvoreingenommenen sonnenklar, durch den
einzigen Satz: „Der Verband der Sparer und Klein-
rentner ist unpolitisch, aber wählen müszt ihr selbstver-
ständlic sozialdemokratisch". Punktum. Was aber in
den Versammlungen nicht gesagt wird von den sozial-
demokratischen Referenten ist dieses: Dasz die Ursache
unserer Geldentwertung das Verlieren des Krieges ist,
und dasz gerade die Sozialdemokraten am meisten dafür
eintraten, dasz unsere Fahnen nicht siegreich rückkehren
sollten. Weiters, dasz die weitere Ursache des Raubes
unserer „kleinen Ersparnisse" das famose Gesetz „Krone
ist Krone" ist, welches aber ebenfalls unter „gütiger
und hauptsächlicher Mitwirkung" der Sozialdemokraten
geschaffen wurde. Drittens, dasz gerade die Sozialdemo-
kraten immer gegen das „arbeitslose Renteneinkom-
men" waren und sind, und durch diesen Hieb gerade
den „Kleinen" den Todesstoß versetzten, während die
„Groszen" erst recht auflebten.
Das jetzige Verhalten der sozialdemokratischen Red-
ner in den Kleinrentnerversammlungen ist wohl am
besten durch folgendes Gleichnis gezeichnet: Es war
ein Mann, der schlug einem andern Hände und Füsze ab.
Als dieser nun als elender Krüppel hilflos dalag und
sehnsüchtig auf die ihm von einem anderen versproche-
nen Verbände und Prothesen wartete, kam er neuer-
dings zu ihm und sprach: „Ich habe gehört, dasz dir
Prothesen versprochen wurden. Diese darfst du unter
keinen Ulmständen annehmen. Aber wenn du mic liebst,
wenn du vergiszt, dasz ic dir Arme und Beine abge-
schlagen habe, so werde ic dafür eintreten, vielleicht
sogar den anderen zwingen, dasz er dir vernickelte Pro-
thesen gibt, oder mindestens lackierte, oder wenigstens
aus Hartholz, aber ganz sicher einen anderen Fetzen als
Verband. Ulnd wenn du mic nicht liebst, so werde ich
alles daran setzen, dasz du überhaupt keine Prothesen
erhältst. Denn du bist in meiner Macht und das Werk-
zeug und Diener zu meiner Macht!" Und der Mann
glaubte den Versprechungen, liebte seinen Beschädiger
und —starb ohne Verband und Prothesen.
Die Sozialdemokraten erweisen ebenfalls den
! Kleinrentnern und Sparern keine Wohltate n,
wenn sie sic jetzt angeblich nur allein für dieselben ein-
setzen, sondern erfüllen nur eine „Wiedergutmachungs-
pflicht!" Und wer ihnen glaubt, sehe zu, daß es ihm
nicht ergeht, wie dem Manne im Gleichnisse.
Dornbirn. (Das Mietengesetz verfas-
sungs wid r/i g.) Der Landesverband unserer Haus-
beisitzer hat bei der Vorarlberger Landesregierung
einen Erfolg errungen, lleber seine Eingabe und Be-
treibung hat unsere Landesregierung den Beschlus ge-
faszt, „dem Verfassungsgerichtshof den Antrag auf
Ueberprüfung der Verfassungsmäszigkeit des Mieten-
gesetzes zu unterbreiten".
Die Hausbesitzerzeitung würdigt diesen sicher be-
achtenswerten Erfolg unserer Hausbesitzenvereinigung
in den höchsten Tönen und unter der lleberschrist:
„Die Festung Mietengeset wird sturmreif!"
Wir können die „umfangreiche und geradezu er-
drückende" Beweisführung, wie sie der Landesregie-
rung vorgelegt wurde, nicht bringen. Aber anführen
wollen wir, dasz sie — angeblich — nur bis zum Jahre
1773 auf die österreichische Komplikationskommission
und 1789 auf die fr a nzösisce Erklärung der Men-
schen- und Bürgerrechte zurückgreift. Auf Aussprüche
des Abraham, Noe und Adam wurde anscheinend „vor-
läufig" verzichtet!
Wir glauben jedoch, dasz die Hausbesitzerzeitung
etwas zu früh „Viktoria" und „Hurra" ruft. Einerseits
glauben wir, dasz unsere Landesregierung den Haus-
besitzern mit ihrem Beschlusse nac langem Drängen
einen kleinen Gefallen tun wollte unter dem bekann-
ten Medikamentenspruche: „Nützt’s nichts, so schadet’s
nichts!; aber gfreut hat’s ihn doch!" Anderseits müssen
wir es als sehr traurig betrachten, wenn unsere ge-
wählten Gesetzmacher vor Beschlusz eines Gesetzes sic
nicht über die „Verfassungsmäszigkeit" desselben klar
wären, und wenn man für Erlangung dieser Kenntnis
das Gesetz Fechs Fahre in Wirksamkeit lassen müszte,
und wenn schlieszlich alle seither auf Grund dieses
„verfassungswidrig erklärten" Gesetzes erflossenen Ur-
teile wieder aufgehoben werden sollten.
Auszerdem wissen aber unsere Mietermitglieder,
welche im Schützengraben — auc zum Schutze von
Haus und Heimat — gelegen sind, das lang nicht alle
„sturmreif beschossenen" Stellungen aucerstürmt wur-
den, wenn sic die Verteidiger nicht vorzeitig feige oder
„befehlsmäszig" daraus zurückgezogen hatten oder
überliefen. Also wird auc „der Wall Mieterschutz"
noc nicht überrumpelt und erobert werden,
wen n die Mieterdenselbenern stlich ver-
teidigen! Rückzugsbefehle geben wir nicht! Im
Gegenteil!
Lustenau, (Wohnbauförderung.) Wäh-
rend in anderen Orten bereits verschiedentlich für
Häuserbauten gesorgt wird, ist man bei uns schon bis
zum Gemeindebeschlusse, eine — Baracke zu erstellen,
gekommen. Zweli kleinere und eine gröszere Wohnung
soll diese enthalten und auszerdem Ziemli ch massip
gebaut werden, damit wahrscheinlich auc noc un-
Jere Enkel augenfällig feststellen können, welche Vor-
sorge unsere Gemeindevertetung zur Hebung der
Wohnungsnot nac zehnjährigem Studium anno tobak
getroffen hat.