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Full text : Vorarlberger Mieter-Zeitung. Organ des Landesverbandes der Mieterschutzvereine von Vorarlberg

Vorarlberger

mlieter -Zeitung

Organ des Landesverbandes der mlieterschjutzvereine von Vorarlberg.

Bezugspreis: für Mitglieder unentgeltlich. Für Nichtmitglieder halbjährig 1 Schilling 20 Groschen, ganzjährig 2 Schilling.

Ankündigungen nac festen Gebühren.

Erscheint vorläufig jeden Monat. — Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landesverband der Mieterschutzvereine von Vorarlberg.
— Verantwortlicher Schriftleiter: 3. Ruepp in Bludenz. — Alle Zuschriften sind zu richten: An den Landesverband der Mieterschutzvereine

 von Vorarlberg in Bludenz, Wichnergasse 40. — Druc von E. Ruz in Bregenz.

Folge 3/4/5. Bludenz, im llärz / Illai 1929. 3. Jahrgang.

Zur Beachtung!

Die Mitglieder unseres Landesverbandes genieszen
bei der Vorarlberger Landesfeuenversicherungsanstalt
Prämiennachlasz.

Gerecht — Berechtigt

Man hört so oft das Schlagwort „Gerecht" und
„Berechtigt", dasz essic lohnt, darüber nachzudenken,
umsomehr, als auc wir eine gerechte Behandlung des
Mietenproblemes verlangen und die berechtigten forcerungen

 der Hausbesitzer anerkennen.

Also zuerst Gerecht".

Ohne uns weiter über die verschiedenen vorkommenden
 Begriffe: über „gerecht" von der Bibel bis Zum
Gesetybuche und von Gott bis zum Wurme auszuhalten, . ._
möchten wir unseren Standpunkt nur dahin festlegen: Kniegsgewinnern! Strafe den Voltsaussaugern! Ge-Gerecht
 sein heiszt: „Was Du nicht willst, das man Dir genhillfe für Hilfeleistung!" Es ist gerecht, zu sagen:
tue, das füge auckeinem anderen zu". ! Du hast mit mir mein Saus beschützt, ziehe mit mir in

Dieser Spruch verlangt vor allem, dasz man sicin . meine Wohnung.

Nicht nur durch die Cinsekung von Lelib und Leben
während des Krieges hat der Mieter das Haus und Das
:Kapital des Hausbesitzers belschützt, sondern auc durch
|Hingabe seiner Ersparnisse, mittelbar und unmittelbar.

die Lage Des „anderen", des Gegners, versetzen soll. In
unserem Falle wollen wir uns daher in die Lage des
Hausbesitzers denken, müssen aber aucgerechter Weise
de langen, das die Hausbesitzer sic auc in die Mieter-Tage
 denken sollen.

Zu unterscheiden, bezyw. weiter auszuführen wären
nun die verschiedenen Lagen im menschlichen Leben,
bezw. zwischen Mieter und Hausbesitzer. Darunter
wieder besonders die dermaligen nichtgewollten besonderen
 Verhältnisse, in denen sic die Hausbesitzer und
Mieter befinden, verursacht und henvorgerusen durch
den Krieg und dessen Folgen, wie allgemeiner Verarmung,
 Demoralisierung, Zinswucher, Geldmangel,

Uns alle aus dieser mittelbaren und unmittelbaren
Felindesknechtschaft zu befreien, ist wohl unser aller gerechtes
 Ziel. Wenn aber hiezu da nun manchem dieses,
dem anderen jenes besser paszt, so handelt es sic dabei
weniger um das Ziel selbst, als vielmehr um den Weg,
der Zu diesem gerechten Ziele führt. Nur so kann es
kommen, dasz die Begriffe auc bei allfallhsigem „guten
Willen" etwas verschoben werden oder gar durch die
Wörtchen „hätte" und „wenn" verkehrt werden, wie
man 6- B. auc in unserem Ländchen den Mietern und
Rentnern — groß und klein! — vorwirft: „Hätte er
Franken gekauft, Häuser erworben usw., anstatt Staatspapiere,
 Kriegsanleihen, Sparkassenbücher oder Supotheken!"


Ja, „hätte" und „wenn" sind zwei Wörtchen; aber
leider gibt weder der Jud noc der Finanzmann, welche

|heutzutage die erste Rolle spielen, etwas Dafür. Sie derdienen
 aber trotzdem einen kleinen Seitenblick, warum
das „hätte" und „wenn" bei jo vielen nicht in „Haben"
verwandelt worden ist, und DOT wem. Da geigt es sich,
das gerade diejenigen, welche sic für ihre Brüder, Näch-:sten,
 kurz dem Vaterlande mit Gesundheit, Gut und
Blut opferten, heute das „Sätte" und „Wenn" vorge-:worfen
 erhalten, während die Drückeberger, Hamster,
Konjunkturausnützer usw. als Hyänen des Schlachtfel-|des
 heute sic mit dem „Haben" brüsten.
, Wohin gehöven vielfach die Mieter, und wohin nicht
|wenige Hausbesitzer?

Jst das gerecht?
Ist es ungerecht,wenn wir verlangen,dasz der durc
1 den Umsturz ganz unterdrückte Natursatz „Lohn für Arbeit
 und Opfer" wieder zur Geltung fommt? Ist es
ungerecht, wenn wir verlangen,: „Keinen Schutzden
r a einner De f i Se-Zur

 Erstellung des Saulses. Ist es gerecht, wenn man
nun dem einen, der selin Kapital gerettet hat, noc die
: Zinsen aufwertet, während dem anderen seine ganzen
|Ersparnisse genommen wurden? Ist es nicht vielmehr
|gerecht, wenn der eine von seinem geretteten Kapital mit
|dem ganz Armen teilt, zumindestens auf die Zinsen ver-|zichtet,

 bis der andere wieder zu seinem Kapital gelangt
: ist? Cs list gerecht, (zu sagen: Du hast mir das Haus geibaut;
 bleibe in deinem Eigentum.

Es ist gerecht, jedem Menschen eine menschenwür-Idige
 Wohnung Zuzubilligen, aber ungerecht, wenn einer
|eine Luxuswohnung verlangt oder leer stehen läszt, wäh-|rend
 der andere wohnungslos oder obdachlos ist.
i . Es ist gerecht, für die Wohnung einen Teil seines
Einkommens zu verwenden, aber ungerecht, das
gesamte Einkommen für die Wohnung
allelin zu verlangen..

Es ist gerecht, am Ufer stehend, sic auf den Damm

helfen zu lassen, aber ungerecht wird es, wenn dafür
der im Wasser Liegende zum Ertrinken fommt

Cs ist gerecht, fortwährend von „Volks"wirtschaft
zu reden, aber ungerecht, dabei nur immer den eigenen
Geldsac zu meinen.

So könnte noch manches „Gerechte" und „Ungerechte
 angeführt werden. Doc) nun zum Zeiten Teile:
Was ist „berechtigt"? Was sind „berechtigte For- derungen?"
            
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