Dornrlberger
mlieter -Zeitung
Organ des Landesverbandes der mlieterschutzvereine von Dorarlberg.
Bezugspreis: Für Mitglieder unentgeltlich. Für Nichtmitglieder halbjährig 1 Schilling 20 Groschen, ganzjährig 2 Schilling.
Ankündigungen nac festen Gebühren.
Erscheint vorläufig jeden Monat. — Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landesverband der Mieterschutzvereine von Vorarlberg.
— Verantwortlicher Schriftleiter: J. Ruepp in Bludenz. — Alle Zuschriften sind zu richten: An den Landesverband der Mieterschutzvereine
von Vorarlberg in Bludenz, Wichnergasse 40. — Druc von 6. Rusz in Bregenz.
folge 12. Bludenz im Dezember 1929. 3. Jahrgang.
Zur Beachtung!
Die Mitglieder unseres Landesverbandes genieszen
bei der Vorarlberger Landesfeuerversicherungsanstalt
Prämiennachlasz.
Drei Jahre
Alle guten Dinge sind drei!
Mit dieser Folge beenbet bie Vorarlberger Mieterzeitung
ihren britten Jahrgang, hat also die ersten
drei guten Singe hinter sich, wenn auch weniger für
bie V. M. 3. und bie Zeitungsmacher selbst, so vielmehr
für bie Leser unb Mitglieder des Landesverbandes ber
Mieterschutzvereine von Vorarlberg unb ber Mieter in
Vorarlberg überhaupt unb auch ber ganzen Bevölkerung
im allgemeinen. In ber heutigen Zeit, in ber
alles nur nach bem klingenden ober Prozentgewinne
jebe Tätigkeit unb alle Mitmenschen beurteilt, ober jebe
Organisation nur nach bem zu gewinnenden Sekretärpoften,
natürlich möglichst gut bezahlten, betrachtet, ift
es schwer, Leute zu finden, welche ihre Arbeitskraft in
uneigennütziger Weise unb in kameradschaftlicher Hilfeleistung
zur Verfügung stellen. Es iff fieber „ein gutes
Ding", wenn bie V. M. 3. ihr Erscheinen unb ihre gebrachten
Aufsätze unb Mitteilungen solchen Leuten verbauten
kann, welche nicht nur unentgeltlich, fonbern
sogar mit Aufopferung von Zeit unb (Selb unb Verdienstentgang
für bie Zeitung unb zum Nutzen ber
Mieter arbeiteten.
Ein anderes gutes Sing ist es, baft trotz ber verschiedenen
Segenarbeiten so viele Mieter, bie Wichtigkeit
bes Landesverbandes erkennend, sich nicht abwenbig
machen lieszen unb beim Verbande aushielten, obwohl
es ihnen an „bösen Beispielen" unb Versuchungen
unb Verlockungen usw. nicht gefehlt hat. Es ift dies
ein erfreulicher Sant für biejenigen, welche sich eben
uneigennützig in ben Sienft ber Mieter stellten, für bie
Mitarbeiter.
Ein drittes „gutes Sing" ift aber noch, dasz durch
bie V. M. 3. viele Mieter, unb auch sicher viele Hausbesitzer,
Aufflärung über verschiedene Angelegenheiten
unb Gesetzesauslegungen erhielten unb sich fo vor unnützen
unb aussichtslosen kostspieligen Prozessen bewahren
tonnten, sowie auch Taten unb Unterlaffungen
vermeiden lernten, welche ihnen nachteilige Folgen zugezogen
hätten, was sicher zum gegenseitigen Frieden
unb verständnisvollen Nebeneinanderleben mehr beigetragen
hat, als einseitige gesetzwidrige Abmachungen.
Doch wollen wir nicht verhehlen, dasz auch Schattenfeiten
vorhanden sind. Unb eine ber meistempfundenen
unb bemängelten ift bas verhältnismäszig unregelmäszige
Erscheinen ber V. M. 3. Nun, ein Schelm ift,
ber mehr gibt, als er hat. Sie V. M. 3. kann nur von
ben Einahmen leben, b. h. nur fo viel bringen unb fo
ioft erscheinen, als bie vorhandenen Mittel reichen.
Sie Notwendigkeit ber V. M. 3. für bie Mieter ift
|immer anerkannt worben, ebenso auch deren Wichtig-|feit.
Ja vielleicht würbe bie Mieterzeitung von ben
Hausbesitzern mehr beachtet als von ben Mietern, benn
'wir glauben, das mehr als ein Hausbesitzer gesagt hat:
|„Wenn bie verdrehte Mieterzeitung unb ber Mieter-|schutzverband
nicht wäre, fo wäre bas Mietengeset
'schon längst abgebaut!" unb gemeint hat er bamit:
|„Sann fönnte ich eben für meine Wohnung verlangen
unb mit ben Mietern machen, was ich will!" Nun,
nicht jeber Tadel ift ein Tadel! Unb einen solchen Tabei
befrachten wir als eine äuszerst „lobende Anerkennung"
unserer Tätigkeit. Er beweist erstens, dasz die
V. W. 3. unb ber Landesverband immer auf bem Bo-|ben
ber Gesetze stand, was ja auch für bie Hausbesitzer,
|als angebliche Bürger unb staatserhaltende Partei,
|„Pflicht" wäre unb ift, unb zweitens, daß bie Vorarl-|berger
Mieterzeitung unentwegt für bie Interessen ber
: Mieter eingetreten ift, wenn fie auch von gewissen Leuiten
angefeindet wurde unb vielleicht einzelne Mitarbei-|ter
fogar persönlichen Schaden erleiden muszten.
Wo findet man heute noch ähnliches? Ist ljier
■nicht Dank Schuldigkeit?
Das Leben ift ein Kampf. In ber heutigen Geld-|wucherzeit
haben gerabe bie Mieter einen ' schweren
|Kampf um ihre menschenwürdige Lebensmöglichkeit zu
! führen. Zur Erreichung bes Sieges ift es aber not-|wendig,
daß Führung unb Mannschaft einig finb unb
|sich gegenseitig vertrauend unterstützen. Eine vermag
|nichts ohne bie anbere unb wird allein zum Gespötte
|ber Feinde. Unb von diesen finb als Sturmgruppen
die zinsgeizigen, wucherischen unb mieterneidigen
|Hausbesitzer unb ihre verführten Nachläufer, bie fich
|nicht nur schadenfroh laut brüften, mit Hilfe bes
„Krone ift Krone" —Gesetzes ben Mietern ihre Erspar-|nisse
gestohlen zu haben, fonbern ganz frech noch ver-|langen,
bas auf diese Weise „erworbene Gut" zu Wucherzinsen
verzinst zu erhalten.
Aber fein Mieter kann allein auf eigene Faust
Krieg führen unb noch viel weniger einen „Friedensschlusz"
für fich selbst allein abschlieszen. Wenn auch gerade
in unferem Ländle einzeln erhöhte Mietzinse bes