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„Vorarlberger Nieterzeifung".
stimmungen des Mietengesetzes, trotzdem von Seite der
Mieterorganisationen in eindringlicher Weise vom Abschlusz
freier Vereinbarungen gewarnt wird. In Vorarl-|
berg bestehen zwei Mieterorganisationen, ihre Veran-‘
staltungen weisen trotz eifriger Propaganda stets einen
schwachen Besuch auf."
Dornbirn. (Der „Sagenbunbund da & Mie-i
tengesetz.) Bekannt ist, dasz der erste Vorsitzende des|
Handels- und Gewerbedundes, Herr Niederer, bei der|
Tagung des Handels- und Gewerbebunides den Pertreter|
der Mieter heuer nicht zu Worte kommen ließ. Die Anwesenheit
des Handelsminister Jakoncig in Dornbirn benützte
nun dieser Herr, um eine Revision des Mietengesetze
für die Handels- und Gewerbetreibenden zu dem
Ziele zu verlangen, die Zinserhöhungen zum Zwecke der
Arbeitsbeschaffung durch Hausreparaturen, usw. zu benützen.
— So wurde es veröffentlicht. —Nun, wenn Sh.
Niederer verlangt, daß der vielfach „freiwillig höher" gezahlte
Mietzins zur Reparatur und Hauserhaltung verwendet
werden soll, fo können wir diesem nur zustim-|
men. Wenn er aber meinte, dasz eine weitere
Mietzinserhöhung Platz greifen soll, damit man
Hausreparaturen und mithin Arbeitsbeschaffung machen
könne, müssen wir hm schon sagen, das er das Mietengesetz
vorerst ordentlich lesen soll. Denn dort wäre eigentlich
der ganze Hauptmietzins nur für die Hauserhaltung
bestimmt. Und wenn die Herren Handels- und Gewerbetreibenden,
welche ja selbst vielfach Hausbesitzer sind, diesen
zur Reparatur und Arbeitsbeschaffung bestimmten
gesetzlichen und übergesetlich eingehobenen Hauszins zur
Vergröszerung des „Viertelenabsatzes" verwenden, fo
möchte er nur selbst auf feine Hagebundsmitglieder einwirken,
dasz fie sich durch die gesetzliche Verwendung des
erhöhten Mietzinses Arbeitsmöglichkeit verschaffen, ohne
den Handelsminister hiezu zu belästigen. Dann sorgt er
für Arbeit, Hauserhaltung und für — die Mieter!
Bludenz, Anläszlich der bevorstehenden Landtagswählen
hielten die beiden Mieterschutzvereine eine allgemeine
Mieterversammlung ab. Bei dieser wurde die
Vertretung der Mieterinteressen bei der Landtagswahl
und im Landtage besprochen. Es wurde erkannt, dasz
eigentlich gar feine politische Partei eine ausgesprochene
Mietervertretung sei, und dasz die Mieter nur eine Figur
in den Schachzügen der Parteien darstellen, was sowohl
in den Ausführungen des Herrn Ruepp als auch des
Herrn Amann enthalten war. Der infolgedessen von
Versammlungsteilnehmern gestellte Antrag, für die Landtagswahl
eine eigene Mieterpartei aufzustellen, wurde jedoch
schlieszlich abgelehnt, weil die Mieter noch immer sich
von ihren politischen Parteien und deren Schlagwörtern
nicht befreien können. Es wurde daher beschlossen, dasz
die Mieter in ihren politischen Parteien sich für die Vertretung
der Mieterinteressen fümmern sollten.
(Anm. der Sch. L. (Mit welchem Erfolge(!) dies geschehen
ift, zeigen die Wahlwerberlisten!)
Bludenz. Tapferkeit ift ein Zier, doch.... Die in
Bludenz gefaszte Entschlieszung der allgemeinen Mieterversammlung
hat nicht nur die Hausbesitzer in Verwirrung
gebracht und Angst und Schrecken versetzt, sondern
auc einen „tapferen Untermieter" in Bewegung gesetzt.
Er hat uns auc sogar „Privatbriefe" eingebracht.
Also zuerst hat der „S. N.", — siehe Folge 6—8' der
„P. M. 3." — sich über feine beleidigenden Ausdrücke
entschuldigt und hat uns in süszen Worten väterliche Belehrungen
erteilt und sogar Lobenshymnen angestimmt.
Hat uns „grosze Freude bereitet", wenn mir auch nicht
feines Staubens sind, d. h. feine Ansichten glauben, und
auch feinen Namen noch immer nicht kennen. Uns geht
es um die Sache, nicht um den Namen.
Mehr Heiterkeit als Betrübnis hat uns aber eine
Zuschrift eines „Untermieters" bereitet, der sich nicht nur
ohne Namensunterschrift, sondern auc in recht verstellter
Schrift von feinen Schmerzen zu befreien suchte, indem er
schrieb:
Innsbruck, am 11. 8. 32. An den Mieterschutzverein
Bludenz. Man kennt euch Bolschewiken!!! Waschechte
russische Kanaillen!!! Eigentumsräuber !!! Das ift freilic)
schön, mit fremdem Eigentum groß zu tun. ------------Heuchler!!!
Ausgesuchte Platten!!! Räuber!! Ein Untermieter.
— Wir bürgerlichen Mieter wollen uns mit
solchen Bolschewiken nicht vergleichen!!! Eigentumsräuber.
Man kennt euch Eigentumsräuber. Ausbeuter her
Untermieter.
Und noch einen zweiten Brief leistete sich derselbe auf
den zweiten Aufsatz „Stimme aus Kleinmieterkreisen", den
ein K. W. zeichnete und der die Innsbrucker Verhältnisse
der Untermieter auch berührt, indem er uns den Artikel
zusan’die und dazu bemerkte: „Da haben wir’s ja!!! Bürgerliche
Mieter wollen sich diese Bolschewiken nennen?!!
Dem Hausherrn sprechen fie alle Rechte ab, diese Lumpen,
und wollen sich bürgerlich christliche Mieter nennen —
Pfui!!! Bolschewiken in jeder Hinsicht. Pfui!!! — Ein
Untermieter." -----Nun,
tonnte man da nicht fingen: „Ast das nicht
hübsch ist bas nicht schön? Haben Sie jowas je gesehn?"
Kräftiger hätte es sicher auch kein Hausbesitzer von Bludenz
ausdrücken können! Aber es ift immer für uns „ehrenwert
und erhebend", wenn sich fogar „ein Untermieter" in
Innsbruck fo sehr über die Entschliepungen der Mieter in
Bludenz annimmt.
Bludenz. (Neuartige Mietverträge.) Daß
die Hausbesitzer in ihrer „christlicher Nächstenliebe" alles
versuchen, das Mietengesetz zu umgehen und die Mieter zu
bemogeln, ist eine bekannte Tatsache. Den Pogel dürfte
aber doch ein Bludenzer Hausbesitzer abgeschossen haben.
Der bat, wie in der Mieterversammlung erzählt wurde,
folgenden „ehrlichen Metvertrag" geschlossen: — Vermietet
wird Küche, Keller und Dachboden um monatlich 45 S.
Dazu leiht dann der Hausbesitzer noch zwei Zimmer
gratis gegen jederzeitigen Widerruf! — Und warum so?
— Damit der Mieter sic nicht auf die Mieterschutzwohnung
berufen fann!
Briefkasten
Blude nz. Es ist richtig, das bei der grosdeutschen
Wählerversammlung der Vorsitzende H. Müller dem Obmann
unseres Vereines das Wort nicht erteilte, mit der
Begründung, „das ift nur eine Mieterangelegenheit."
Die Einführung der zwangsweisen städtischen
Mullabfuhr wurde durch die letzte Stadtvertretungssitzung
auf einen wirtschaftlich günstigeren Zeitpunkt verschoben.
— Also bleibt dies weiter freiwillig.
Hausbesitzerplakate. Wir haben noch fein solches gelesen.
Dasz vor dem Kriege die Heranziehung des Hausbesitze
als Darlehensgrundlage einen Leihzinsfusz von
4*4—5 Prozent ermöglichte, und dasz jetzt durch die Zer-Störung
des Hypothekarkredites (gemeint ift durch das
Mietengesetz) bis zu 15 Prozent gezahlt werden1 müsse ift
genau so unwahr, als wenn der Hausbesitzer behauptete,
daß er „in Swigteitamen" ein heiteres und zufriedenes
Gesicht und vor Ihnen immer Buckerl mache, wenn Sie
ihm für die Wohnung monatlich 50 Schilling anstatt 25
Schilling bezahlen. Der richtige Zinsfuß wäre derjenige,
unfere Bauern oder Hausbesitzer, besonders feit dem
der dem Erträgnis der Landwirtschaft entspricht. Aber
wer von den Bankgewaltigen und Börsenjodlern frägt
Kriege, bevor der Zinsfuß festgesetzt wird?
Wohnbauförderung.
Ganz richtig. Ueber die Fortsetzung der Wohnbauförderung
beschlieszt eine Versammlung von Geldinstituten.
Panten, und verkündet, daß keine Selber mehr verfügbar
feien, d. h. auf gut deutsch: Wir geben nichts mehr
her, weil uns sonst im Versteigerungswege die Häuser zu
teuer kommen und wir noch größere Gewinne erzielen
möchten. Anderseits verlangt die Baumeistergesellschaft
eine Wohnbaufortsetzung! warum? Nun, damit fie „ein
Geschäft" machen können.