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Full text : Die Entstehung von Franz Michael Felders Roman "Reich und arm". Ein "Erwartungshorizont

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rende" Grund-Lebensrichtung des Menschen. - Das Engel-Motiv

hielt sich zu FMFs Zeit noch im praktischen religiösen

Brauchtum: „Wenn ein sogenannter 'Engel' [ein unschuldiges

Kind gleich nach der Taufel stirbt, so hat an ihm hauptsächlich

 der Götte [Patel einen Fürsprecher im Himmel, der

Götte muß oder sollte daher demjenigen, der ihm den Tod

eines solchen Kindes meldet, das sogenannte Möttibrot geben
t...)"4Der Tod eines Kleinkindes wurde also als freudiges

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Ereignis interpretiert - bei der hohen Kindersterblichkeit

eine begreifliche Reaktion, die sich auch in zahlreichen, teils

gedankenlos gebrauchten Redewendungen äußerte: „Sie hat einen

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Engel geboren", "Paß auf, daß Du keinen Engel abgibst" usw.

Der Eingang von FMFS Autobiographie lehnt sich in Motivik

und Diktion bis zur syntaktischen Identität an jenen von

Goethes "Dichtung und Wahrheit" an, von dem FMF wie zahlreiche

Autobiographen seiner Zeit auch den Titel übernommen hat. Neben

 den genauen Angaben der Daten findet sich in beiden Texten

 eine Anspielung auf die Konstellation der Gestirne und

damit verbunden auf den Umstand, daß beide Autoren bei der

Geburt für nicht lebensfähig gehalten wurden. Während nun

Goethe diesen Sachverhalt ironisch den Gestirnen und tatsächlich

 einer Ungeschicklichkeit der Hebamme zuschreibt,

deren Folge eine Verbesserung der Hebammen-Ausbildung sein

sollte, greift FMF an dieser Stelle ausführlich auf die geschilderte

 Engel-Metaphorik zurück, stellt damit sein Leben

von Anfang an, wenn auch über humorvolle Distanz, unter den

Jenseits-Aspekt.

Solche Grunderfahrungen verbanden sich zu FMFs Zeit mit

Bildungsvorstellungen, in denen eine "fortschrittliche" Entfaltung

 des Individuums in einer pluralistischen Gesellschaft

nicht gerade erstrangig gesehen wurden. Die Erwachsenen hielten

 die Schule zumeist für eine Einrichtung, um künftige Arbeitskräfte

 zu disziplinieren. „Wer den armen Geschöpfen die

größte Furcht vor dem Lehrer einzujagen vermag, glaubt diesem

 am besten vorgearbeitet zu haben. Lust am Lernen zu wecken,

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hielt sich zu FMF h i praktischen religiösen
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