accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Die Entstehung von Franz Michael Felders Roman "Reich und arm". Ein "Erwartungshorizont

- 318 -

Berichte über gegenwärtige kriegerische Ereignisse, die

FMF mit dem höchsten Interesse verfolgte, widersprachen

zwar dem "ethischen Prinzip" der Familienzeitschriften,

förderten jedoch den Absatz enorm. Über 1866 erschien in

der „Gartenlaube" eine Beitragsserie „Bilder und Szenen

aus dem Feld- und Lagerleben". Solche Berichterstattung

rechtfertigte man mit der Pflicht des Publizisten, "Bande

280a Bei
zwischen Heimat und Kriegsschauplatz zu knüpfen

der Darstellung legte man das Gewicht nicht auf "durch den

Draht längst bekannte Neuigkeiten", auch nicht auf politische

 oder strategische ad-hoc-Analysen, sondern auf eine

durch "gute Auswahl" und "künstlerische Ausstattung" veredelte
 „Geschichtsschreibung für die Zeit nach dem Kriege“e

Das Kriegsgeschehen wurde also historisiert, ästhetisiert,

282
romantisiert. 1871 sollte es glorifiziert werden. In

zahlreichen deutschen Familienzeitschriften derselbe Anblick

 gemütlicher Bestialität wie in Gustav Freytags Kriegs¬283


schilderungen in den "Grenzboten" 1864, 1866 und 1871.

FMFs eigene Darstellungen über Zeitereignisse greifen

zwar häufig auf historische Sachverhalte - etwa auf die

frühe Besiedelung des Landes und idealisierend auf die

Wälderrepublik - zurück, durch die ständige Hervorhebung

der sozialen Frage kommt es jedoch nicht zu der in den

Familienzeitschriften üblichen realitätsentrückten Verge

genwärtigung. Deren Perspektive hatte grundsätzlich auch

Hildebrand bei der ersten schriftlichen Kontaktnahme mit

FMF eingenommen: „Ihr ganzes Ländchen ist für uns deutsche

Altertumsfreunde eine Fundgrube besserer Erkenntnis unserer
Vorzeit

I...1"284Dies bedeutete unmittelbar die Gefahr

einer nationalistisch-historischen Vereinnahmung FMFs. Sie

sollte dem sich anschließenden Briefwechsel die hauptsächliche

 Spannung geben, da FMF sich seinerseits zunehmend

darum bemühte, Hildebrand von der Notwendigkeit eines ganz

unmittelbaren sozialen Engagements im Sinne Lassalles zu

überzeugen. In KM, der diese Gefahr durchschaute, fand er

- 318 -

Beric t ü nwärtige kriegerische Ereignisse, die
F F mit dem höchsten Interesse verfolgte, rsprachen
zw m "ethischen Prinzip" der Familienzeitschriften,
förderten .jedoch de rm. ber 1866 erschien in
der "Garte " itr sserie "Bilder und Sze
au de el - d agerleben". Solche Beric~terstat ung
rechtfertigte ma   de P li iste , "Ba e

•   • t d K • h 1 t   „ f 11280 B •
zwisc eima n riegs c aup a z   up en . ei
der Darste lung legte man das Ge t "d  
Dr län st beka i eiten", uch nicht f -
tische oder strategische ad-hoc- en, ern auf eine
dur "gute A ahl" und "künstlerische sstattung" ­
edelte "Geschichtsschreibung für die Zeit nach dem

Kriege11281

.
D s riegsgescheh n wurde also historisiert, ästhetisiert,
\ ro i rt. 871 sollte es glorifiziert

erden2

. I
zahlreichen deuts itsc rift derselbe A ­
blick gemütli tialität wie in Gustav Freyt ri ­
schilderungen in den "Grenzboten" 1864, 1866 und 18

28

F Fs eigene Darstellungen über Zeitereignisse greifen
zw fig f i t ri e verhalte - etwa auf die
frü Be i l ng es andes und idealisierend auf die

republik - z r , dur die ständige Hervor ng
der sozialen Frage ko mt es jedoch nicht zu der in n
Fa i li hen r li ergegen
 ng. eren Perspektive hatte grundsätzlich auch
Hilde ersten schriftlichen Kontakt e mit
F F eingenom en: "Ihr ganzes Ländchen ist für uns deutsche
Altertu e grube bes erer Erken tnis unserer
Vorzeit [. ..

]11284.

Dies bedeutete unmittel die Ge r
einer nationalistisc -historischen Vereinnahmun F Fs. Sie
sollte dem sich anschließenden Brief i haupts ­
liche Spannu ge , da F F sich s its zuneh end
dar ühte, Hildebrand von der Notwendigkeit eines ganz
unmittel sozialen Enga ents im Sin e Las alles u
über . I K , der iese efahr durchschaute, fand er
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.