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Hand jedes Arbeiters nach seinem Schiller, seinem Lessing
greifen" sollte, einen "Wendepunkt in der Entwicklung des
Jahrhunderts". Analog zu dem von der preußischen Unternehmerschaft
geförderten Selbsthilfe-Genossenschaftsgedanken
Schulze-Delitzschs, der die materiellen Ansprüche der Arbeiterschaft
neutralisieren sollte, sollte die Klassikerlektüre
in breitesten Schichten unter dem Aspekt der ideellen
Einigung der Nation die Emanzipationsvorstellungen der
Arbeiter zum Schwinden bringen. Daß der lesende Teil der
Arbeiterschaft dem Klassiker-Enthusiasmus zugänglich war,
dem hatte Lassalle mit seinem Einsatz für eine würdige Beschäftigung
mit Schiller und mit Lessing vorgearbeitet.
Schillers Person und Werk gaben den Anlaß für die abschlie¬Bende
Polemik gegen Julian Schmidt ; Lessing war in seiner
Deutung „der siegreiche Revolutionär im Reiche des Geistes,
der Rächer und Wiederhersteller der untergegangenen Präsenz
des lebendigen Selbstbewußtseins in Literatur, Kunst, Religion,
Ethik, Geschichte", somit der Garant dafür, daß eine
Revolution nicht nur in der äußerlichen Wirklichkeit verlaufe,
sondern als Anstrengung, um „mit der historisch überlieferten
Welt des geistigen Innern fertig zu werden I...l"
FMF, den man geradezu als Musterbeispiel des Arbeiters ansehen
kann, dessen Hand nach den Klassikern griff, ist die
im Grunde zwiespältige Motivation für seine Klassikerverehrung,
auf welche er selbst gerne hinwies, und die in der
Rezeption seit jeher zu den Topoi gehört hat, mit denen man
die Legende vom Goethe lesenden Hirtenknaben ausschmückt,
höchstens ahnungsweise bewußt geworden. Die Bezeichnung
klassisch" dürfte für ihn zu den höchsten ästhetischen
Wertungskriterien gehört haben. Nach Natters Erinnerung
war eine hauptsächliche Wirkung seiner gemeinsamen Lektüre
mit FMF die Fähigkeit zu erkennen, „was als gut, klassisch
galt, was nicht"
Die leitbildhafte Bedeutung und Wirkung
der Klassiker in FMFs Streben, sich zusammen mit seiner
Frau und einem stets sich erweiternden Kreis von Gleichge¬-
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