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Full text : Die Entstehung von Franz Michael Felders Roman "Reich und arm". Ein "Erwartungshorizont

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"Sie muß, beigutt! doch auch etwas nutz gewesen sein,

sonst hätte sie dieses große Glück nie verdient. Aber

dir gefallt's halt nicht, daß sie einen Reichen genommen

hat.

"Wohl freilich, das ist schon recht.

"Oder hätt' sie ihn nicht nehmen sollen?

„Allerdings, aber du verstehst mich gar nicht recht!

"Wohl, ich versteh' dich schon. Du wähnst halt, die

rechten Leut' seien alle einmal Bettler gewesen, oder he?-"Na,

 ich meine bloß, daß man noch auf mehrere Arten, als

bloß durch Heiraten mit reichen Isidoren, glücklich werden

könne - durch Fleiß, Häuslichkeit, oder so und so.

"Beigutt - hätt' ich bald g'sagt - so ein armer Teufel

muß noch froh sein, wenn ihn ein Reicher oder eine Reiche

mag!

"Ja, aber der Reiche muß, wenn er die Arme gern hätte,

doch auch froh sein,wen sie ihn nimmt!

Aber da trüge einer oder einem das Eigenköpfig und

Stolzsein nicht viel ein. Wenn freilich so eins lieber

Knecht und Magd, als reicher Herr oder reiches Weib sein

sollte, so könnte ihm das niemand wehren; aber närrisch

wär's doch, und dann zudem müßte so eins auch als Knecht

oder Magd noch froh ab dem Reichen sein, der ihm ja Kost

und Lohn gibt..."

„Aber nicht froher als die Reichen ab dem, der ihnen die

Arbeit tut!

So - du närrisches Kaspale, wähnst du, die Reichen seien

ab deinem Vater, dem Schwarzhannes Ider Bettler gewesen war,

Anm.d.Verf.Y so froh gewesen, als er ab ihnen, wenn sie

ihm etwas geschenkt haben?

Man sah es dem erschrockenen Mikle an, daß es fühlte,

wie ungeschickt diese Rede sei und wie weh sie dem Kaspale

tun müsse, und den Sennen schaute es an, als ob er auch ihm

auf den Schuh gestanden sei. Das Kaspale aber stand auf,

legte die Hand aufs Herz und tat, als ob es geschwind etwas

sagen wollte; dann kam ihm aber noch früh genug in den Sinn,

es sei dem Sennen fünf Gulden und vierundzwanzig Kreuzer

schuldig. Es setzte sich daher wieder ordentlich nieder und

war mäuslestill.

In seinem Vorwort zu Hubers „Isidor"-Roman gibt Johann

Michael Sailer einige Gesichtspunkte für dessen Lektüre zu

bedenken: Das Buch enthalte „nützliche Wahrheiten" für die

Erlernung der Haus- und Landwirtschaft, für eine christliche

 Kindererziehung usw. "Das nützlichste" sei die Lehre vom

Glauben an die Vorsehung. Die Geschichte sei zeit- und wirklichkeitsnahe,

 und "ein rechtes Noth- und Hülfsbuch". - Es

kommen "erzgute und erzböse Menschen" darin vor. Sailer gibt

sogar zu, daß "einige Personen gar zu gut und edel wären".

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