Juden, Vermögensrechtliche Vorschriften (Fortsetzung)
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discher Wohnsitze beim Finanzamt des vorwiegenden Aufenthaltes. Strafe: Gefängnis, in
besonders schweren Fällen vorsätzlicher Zuwiderhandlung Zuchthaus, eventuell auch Ein-
ziehung des betreffenden Vermögens.
— - - Besteuerung. — (J. 27. 2. 1939 RGBL. I 3. 297 (Einkommensteuergesetz), öGBI.
Nr. 1446/1939, § 32 Abs. 6; D8. 17. 3. 1939 RGBL I 3. 503, öGBL. Nr. 1446/1939, § 21 26s. 3. -
gig. V b 6, S. 15. - ES. (3. Erbschaftsteuergesetz) 8. 12. 1940 RGBl. I S. 1604, § 4. — Slg. V b 29. —
C. d. REinMin. und RInnMin. 27. 3. 1941 REtBL S. 257 (Grundsteuer), Abschn. I 3. 5. — DV. (3.
Vermögensteuergesetz) 2. 2. 1935 RGBL. I S. 100, S. d. V. 22. 11. 1939 RGBL I O. 2271, § 12 Abs. 1,
I Nr. 3. — Slg. Vb 20, S. 45.
Nac den Vorschriften über die Einkommensteuer (f. d.) gilt für Juden
grundsätzlich die höchste Steuergruppe, nämlich die Steuergruppe I. Nur dann, wenn sie
eheliche Abkömmlinge ober Stiefkinder haben, bie feine Juden sind und bie fonftigen
Voraussetzungen für eine Kinderermäszigung erfüllen, fallen sie in bie Steuergruppe IV
unb, wenn biefe Voraussetzungen nachträglich weggefallen sind (3. 8. durch Tod des
Abkömmlings ober Stiefkindes), in bie Steuergruppe III. Wegen auszergewöhnlicher Be-
lastungen durch Kinder ober sonstige Angehörige (§ 10 Steueranpassungsgesetz), bie
Juden sind, wird eine Steuerermäszigung nicht gewährt.
Bei ber Erbschaftsteuer (f. d.) stehen den Juden bestimmte sonst vorge-
sehene Vergünstigungen nicht zu unb tritt für fie an Stelle ber sonst festgesetzten Frei-
betröge unb Besteuerungsgrenzen eine allgemeine Besteuerungsgrenze von 500 K.Al. (
Bei ber Grundsteuer (f. b.) gibt es für Grundbesitz, ber noc Juden gehört,
feinen Erlasz aus Billigkeitsgründen.
Zur Vermögensteuer (s. b.) haben unbeschränkt steuerpflichtige Juden unb
mit Jüdinnen Verheiratete eine Vermögenserklärung über ihr Gesamtvermögen abzu-
geben, wobei das Vermögen derjenigen Personen mit zu berücksichtigen ist, mit benen
ber Steuerpflichtige zusammen zu veranlagen ist, b. f. bie nicht dauernd von ihm ge-
trennt lebende Ehefrau ünb bie zu feinem Haushalt gehörenden minderjährigen Kinder
unb anbern minderjährigen Angehörigen (§ 10 3. 3 bis 6 Steueranpassungsgesetz). Die
fonft vorgesehenen Freibeträge sind auszer Betracht zu taffen.
S. ferner noch unten „Sozialausgleichsabgabe" und „Vermögens-
abgäbe (Sühneleistung)".
---- Edelmetallgegenstände, Edelsteine, Serien. — V. 3. 12. 1938 RGBl. 1 3. 1709 (Einsatz
des jüdischen Vermögens), öGBl. Nr. 633/1938, Art. IV: 1. DU. 16. 1 1939 RGBL. I 3. 37, öGBl.
Nr. 96/1939, Art. II; 4. DU. 27. 12. 1940 RGBL 1941 I S. 2; 3. 91. (j. V. über bie Anmeldung des Ver-
mögend ber Juden) 21. 2. 1939 RGBL I S. 282, öGBL. Nr. 254/1939, unb V. 3. 3. 1939 RGBL. I 3. 387,
öGBl. Nr. 316/1939. 08. 5. 3. A. 23. 12. 1940 RGBl. 1941 IO. 2. — Slg. III f 3, S. 17, 29, 30 a (18), 31.
Juden, bie deutscher Staatsangehörigkeit ober staatenlos sind, ift es verboten. Gegen-
stände aus Gold, Platin ober Silber sowie Edelsteine unb Perlen zu erwerben, zu ver-
pfänden ober freihändig zu veräuszern.
Die im Eigentum solcher Juden befindlichen derlei Gegenstände waren, abgesehen
von ben in ber A. 1. 3. 1939 RAnz. Nr. 58 zugelassenen allgemeinen Ausnahmen, bis
31. 3. 1939 gegen Entschädigung an öffentliche, von Gemeinden betriebene Pfandleih-
anstalten abzuliefern (in Wien: Dorotheum; gegenwärtig kommt als Ablieferungsstelle
nur mehr bie Städtische Pfandleihanstalt, Zentralstelle, in Berlin NO 55, Danziger
Strasze 64, in Betracht).
Das Verbot unb bie Ablieferungspflicht wurden nachträglich auch auf Juden mit
früherer tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit, bie das Heimatrecht in einer Gemeinde
von Böhmen ober Mähren besitzen ober besessen haben, eS fei benn, daß fie vor bem
2. 1. 1941 eine anbere Staatsangehörigkeit erworben haben, ausgedehnt; für fie lief bie
Ablieferungspflicht bis 16. 1. 1941.
----- Erbrecht, Pflichtteil. — es. 31. 12. 1939 RGBL 1940 1 g. 35, öGBL. Nr. 11/1940, § 1:
G. 5. 11. 1937 RGBL. I 3. 1161 (Erbrechtliche Beschränkungen wegen gemeinschaftswidrigen Verhaltens),
öGBl. Nr. 11/1940, § 2 Nr. I. — Slg. II b 13, 6. 29.
Erblasser deutscher Staatsangehörigfeit unb deutschen ober artverwandten Blutes
fönuen einem Abkömmling, ber als Staatsangehöriger deutschen ober artverwandten
Blutes entgegen bem gesetzlichen Verbot mit einem Juden bie Ehe eingegangen ift, ben
Pflichtteil entstehen; bieS gilt jedoch nur, wenn bie Ehe eingegangen wurde von einem
Staatsangehörigen aus dem Altreich nach dem 16. 9. 1935, bon einem Staatsangehörigen