über Schmach- und Scheltworte führte und
damit als Ehrverletzung geahndet wurde, ist
vielleicht in der sozialen Stellung der begüterten
Beschuldigten begründet. Aber auch der
ursprünglich angeklagte Fidel Speckhle war wie
sein klagender Kontrahent, Jakob Jenny, Müller
in Weiler und zählte damit zu den vermögenderen
Personen in der Gemeinde. So ist die
Ehrenbeleidigungsklage wohl auch Ausdruck
wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rivalität
zwischen den beiden Müllern der Ortschaft. Die
Abwicklung des Verfahrens als Injurienklage und
nicht als Hexenprozess zeigt darüber hinaus
auch eine aufgeklärtere Form der Rechtssprechung
in den habsburgischen Ländern gegenüber
den reichsfreien Gebieten der Emser. Die
Angeklagten Speckhle und Seebald mussten
eine öffentliche Abbitte leisten. Seebald hatte
einen Tag in der „Gehorsame“, also im Arrest,
zuzubringen und die Gerichtskosten zu übernehmen.
Speckhle hatte drei Gulden Strafe an
das Hubamt abzuführen.
Die Gründung der Pfarrei Weiler
Die Abnabelung von der Mutterpfarre vollzog
sich in kleinen Schritten mit der Errichtung eines
eigenen Friedhofs und mit der Erlaubnis,
Priester zu den Patroziniumstagen selbst einzuladen.
Einen neuen Impuls in den Bestrebungen
der Filialkirche Weiler nach mehr Selbständigkeit
erhielt die Gemeinde im Jahr 1699 durch
die Nachfahren des verstorbenen Landammanns
Kaspar Morscher. Einer seiner Söhne,Johann
Morscher, war selbst Pfarrer in Laterns
und versprach der Gemeinde 200 Gulden,wenn
eine eigene Pfarrei errichtet würde. Andere
Gemeindemitglieder spendeten ebenfalls zwischen
zehn und 50 Gulden. So richtete die Gemeinde
1699 ein Schreiben an den Churer
Bischof mit der Bitte um Stiftung und Erhaltung
eines eigenen Seelsorgers. Die Mutterpfarre sei
„gar zu weit entlegen“ und die Kinder würden
in der „notwendigsten Kinderlehre“ nicht einmal
das ganze Jahr hindurch unterrichtet.24
Gegen die Einrichtung einer eigenen Pfarrei
wandten sich 1699 sowohl die Hofkammer in
Innsbruck25 wie auch die Gemeinden Rankweil
und Sulz,26 weil der Mutterpfarre damit großer
materieller Schaden sowie ein Verlust des Ansehens
entstehen könne. Im Februar 1701
erfuhr Pfarrer Johann Christoph Sudrell aus
Nüziders von den Unabhängigkeitsbestrebungen
der Kirchengemeinde. Sudrell war als Pfarrer
in Loosdorf bei Melk in Niederösterreich
tätig. Dieses Land war durch den Dreißigjährigen
Krieg stark entvölkert worden. Manche
Pfarrer aus Vorarlberg fanden dort ein großes
und zum Teil einträgliches Arbeitsfeld mit umfangreichen
Pfründen. Begütert kehrte Sudrell
nach Nüziders zurück, „einzig und allein, um
meine Verfügungen bezüglich des Einlaufs des
inzwischen zu erwartenden Geldes zu treffen“,
wie er 1701 schrieb.27 Vermutlich durch Pfarrer
Morscher, der im Februar 1699 auf die Pfarre
Satteins vorgeschlagen wurde und dort am 12.
März 1699 sein Amt antrat,28 auf die Absichten
der Weilerer aufmerksam gemacht, änderte
Sudrell seine Absicht, wieder nach Niederösterreich
zurückzukehren. Er stiftete der Kirche
in Weiler „alles, was ich empfangen habe,
zur Förderung des Gottesdienstes und des
Seelenheils - und dies ist mein einziges Ziel -
damit sie aus Eigenem einen Seelsorger ernähren
könne“.29 Die Stiftung belief sich auf
4000 Gulden. Trotz Widerstands der Mutter- 124