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Full text: Weiler. Die Geschichte der Gemeinde Weiler im Vorarlberger Vorderland

gehörten zum Haus und damit zum Wohn­ 
bereich einer Siedlung. Sie waren rechtlich aus­ 
genommen vom landwirtschaftlichen Bereich 
der Ackerfluren, der Wiesen sowie der Weide- 
und Waldflächen. Für sie mussten keine beson­ 
deren Abgaben entrichtet werden, da mit dem 
Hofstattzins auch der Gartenzins abgegolten 
war. 
Als Hans Sturn von Weiler 1588 von den 
Johannitern zu Feldkirch ein Kapital von 130 
Pfund Pfennig aufnahm, verpfändete er dafür 
sein „aigen Haus und Hoffstatt, Stadel, Bom und 
Krauthgarthen alles in ainem Einfang beieinan­ 
der zu Weiler gelegen“.’ Martin Lins und seine 
Frau Agatha Cathanin stellten 1644 als Pfand für 
fünfzig Gulden ihr „aigen Haus und Hoff, 
Stallungen, Krauth- und Baumgarten sambt drey 
pfundtlohn Reben alles in einem Infange auf 
Sura gelegen“.10 1681 sicherte Hanns Ludescher 
und seine Frau Maria Lampartin einen Kredit 
über hundert Gulden mit einem Pfundlohn 
Reben „und darbei ain Hampflandt zu Weyler 
im Bichel gelegen“." Baum- oder Krautgarten 
sowie Hanfländer wurden entsprechend dem 
Gartenrecht als Eigengüter genützt. Sie dienten 
oft als Sicherstellung von Krediten, was ihren 
Wert unterstreicht. 
Der Ackerbau geriet nach dem Dreißigjährigen 
Krieg in ein Krise.12 Kriegsnöte und Pestzeiten 
hatten die Bevölkerung reduziert. Die Gras- 
und Viehwirtschaft benötigte weniger Arbeits­ 
kräfte als der Ackerbau oder der Weinbau, was 
zum Rückgang dieser arbeitsintensiven Wirt­ 
schaftsbereiche beitrug. Die Preise für Getreide 
verfielen. Der früher auch in höher gelegenen 
Gebieten betriebene Ackerbau wich der alp­ 
wirtschaftlichen Nutzung. Die auf den Alpen in 
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf­ 
kommende Fettsennerei ermöglichte zudem 
mehr Verdienst. Schließlich erwuchs der Getrei­ 
dewirtschaft durch neue Anbaufrüchte starke 
Konkurrenz. 
Im Vorderland kam in der zweiten Hälfte des 
I/.Jahrhunderts der Mais (Türkenkorn) auf. Die 
Hauptursache für die Durchsetzung dieser 
agrargeschichtlich wichtigen Neuerung dürfte 
die Hungerperiode zwischen 1688 und 1/00 
gewesen sein.13 Bereits in den achtziger Jahren 
des l/. Jahrhunderts kam es in Hohenems zu 
einem Prozess, nachdem sechzehn Kolben aus 
einem Türkenacker gestohlen worden waren.14 
Über die Verbreitung in der südlich von Weiler 
gelegenen Region gibt die Rankweiler Chronik 
aus dem 18. Jahrhundert Auskunft. Sie datiert 
die Einführung des Türkens noch früher: „16/0 
ist das Türkenkorn durch die Zimmerleute zu 
uns gebracht worden, aber erst im Jahre 1/12 
hat man angefangen, ganze Äcker damit 
anzupflanzen.“15 Der Türken war ein wesentli­ 
cher Faktor, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts 
zur Auflassung des gemeinsamen Feldbetriebes 
führte. 
Aufhebung der gemeinsamen Feldweide 
Der Rückgang des Ackerbaus verschlechterte 
die Nahrungssituation der Bevölkerung. Die 
beständige Unterversorgung, der viele durch 
Auswanderung . entgingen, steigerte sich zu 
einer lang andauernden Hungerperiode zu Ende 
des ausgehenden I/.Jahrhunderts. Die Gemein­ 
devorstehung begann genauer auf die Boden­ 
nutzung zu achten. Immer öfter zogen die 164
	        
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