Einschlagen. Die Mehrheit der Neuerer war in
Röthis (50 zu 16) und in Klaus (68 zu I) zu finden.
In Sulz (18 zu 28), Muntlix (5 zu 6) und in
Weiler (17 zu 19) wünschte die Mehrheit die
Beibehaltung des alten Flursystems.21 In wirtschaftlicher
Hinsicht bedeutete dieser Wahlausgang
einen Sieg für den Ackerbau und für das
„türkische Korn“. In politischer Hinsicht erlitt
die Instanz der Achtzehner einen tiefen, entscheidenden
Machtverlust. Ihre Verfügung über
das Feldsystem war gänzlich in Frage gestellt,
was schließlich 1750 zur Auflösung des Rats der
Achtzehn beitrug.
Weshalb hielten sich in Weiler bei den zwei
Abstimmungen Gegner und Befürworter nahezu
die Waage? Der Grund dürfte in der ungleichen
Kräfteverteilung innerhalb der Großgemeinde
zu suchen sein. Weiler hatte vier Mitglieder
im Gremium der Achtzehner. Die Mehrheit
aber stellte Sulz. Weiler lag damit an der
Machtperipherie. Viele Einwohner von Weiler
waren an den Entscheidungsprozessen der
Großgemeinde nicht beteiligt. Eine eindeutige
und mehrheitliche Interessenslage konnte sich
innerhalb dieser Machtkonstellation nur schwer
ausbilden. Das ausgewogene Abstimmungsergebnis
zeigte deshalb eine starke Polarisierung
innerhalb der Gemeinde.
Der Streit um das gemeinsame Feldsystem
endete erst mit dem Urteil des Vogteiamtes
vom 10. September 1728. Felder und alte Säwiesen
sollten jederzeit „eingethon sein und
bleiben“.“ Befürworter wie Gegner der neuen
Flurverfassung verzichteten auf weitere
Revisionen.
Der Rückgang des Weizenanbaus und die
Verbreitung der Kartoffel
Eine Übersicht über die Abgaben eines Lehenhofes
in Weiler, des sogenannten Sturnen
Lehenhofs, zeigt, dass Ende des 18. Jahrhunderts
der Anteil des Weizens gegenüber dem Maioder
Rauchkorn, einem Gersten-Hafergemisch,
zurückgegangen war. Die Herrschaft Neuburg
hatte von diesem Hof 32 Viertel Mai- oder
Rauchkorn und vier Viertel Weizen zu beziehen
- also achtmal mehr Rauchkorn als Weizen.
Weiters zinsten die Lehensnehmer vier Hühner
und einen Hahn sowie 60 Eier.23
1769 bezog das Kloster Valduna aus Weiler,
Röthis und Sulz zwölf Viertel Rauchkorn, „weilen
sie in selbigen dörfflin keinen weizen anbauen“.24
Neben dem Rückgang des Weizenanbaus und
der Zunahme des Maisanbaus ergab sich im 18.
Jahrhundert eine weitere wichtige Neuerung:
der Anbau der Kartoffel. Wandernde Handwerksburschen
dürften sie in der ersten Hälfte
des 18. Jahrhunderts nach Vorarlberg eingeführt
haben. Die Rankweiler Chronik notiert dazu:
„Unngefahr Anno Domini 1725 haben die
Maurer aus dem Ölsäß[Elsass] den Tinthelkornsammen,
auch Grundtbieren oder Erdapfelsammen
in dass Landt gebracht.“25 1769 waren sie
bereits im ganzen Land zu finden. Die Erdäpfel
verbreiterten die Nahrungsbasis und machten
von der schwankenden Getreideversorgung
etwas unabhängiger. Unter den Brachfrüchten
erwies sich die Kartoffel als die einzige nützliche
Nahrungsfrucht. Die Missernte von 1771/72
beschleunigte die Ausbreitung der Kartoffel als 166