1771. Seine Witwe verehelichte sich daraufhin
mit Johann Baptist Greißing aus Wasserburg, das
damals wie Vorarlberg zu Vorderösterreich zähl
te und wohin über den Weilerer Pfarrer Mor
scher Verbindungen bestanden. Anna Maria
Greißing verunglückte 1778 in der Mühle. Ihr
Mann zog nach ihrem Tod aus Weiler fort, und
die Tobelmühle kam in andere Hände.
Josef Anton Nachbaur aus Fraxern übernahm
den Betrieb durch Einheirat in die Jenny-Familie.
Er ehelichte 1784 Ursula Bachmann von Weiler,
deren Mutter eine geborene Jenny war. Im sel
ben Jahr wurde er als Müller Mitglied der Rank
weiler Zunft. Ein Jahr später starb die junge
Müllerin, und Nachbaur verheiratete sich 1786
mit Katharina Koch aus Klaus. Nach seinem Tod
1797 führte seine Frau die Mühle weiter. Sie
blieb nicht lange alleinstehend. Noch im selben
Jahr ehelichte sie den Müller Jacob Brüggeler
aus Altach.
Ihr Sohn aus erster Ehe, Johann Michael Nach
baur, trat beruflich in die Fußstapfen seines
Vaters und wurde 1816 Nachfolger Brüggelers.
Er betrieb neben der Mühle auch eine Schrei
nerei sowie eine Landwirtschaft.
1866 übernahm Johann Venust Bawart den
Nachbaur-Besitz, der aus Mühle, Säge und
Gerstenstampf bestand. Als „Sägemüller“ führ
te er den Betrieb fort. Die Sägerei und Schrei
nerei standen bei ihm im Vordergrund. 1904 ver
kaufte er das Wohnhaus mit Mühle und Säge
werk und zwei neuen Hobelmaschinen sowie
den dazugehörigen freistehenden Stall und Sta
del um 17.500 Kronen an seinen Sohn Johann
Christof Bawart. Die Tobelmühle war - so wie
alle anderen Mühlen und Sägen in Weiler - eine
,,Donnerwettersäge“, die je nach den Wetter
verhältnissen lief. Jeder Besitzer hatte mit dem
unterschiedlichen Wasserstand des Ratzbaches
zu kämpfen. 1846 musste nach einer Über
schwemmung die Wasserzuleitung zur Mühle
und zur benachbarten Gerstenstampf neu ge
baut werden. Bei anhaltender Trockenheit konn
te die Säge ,,wegen Kraftmangel“ für längere
Zeit nur eingeschränkt betrieben werden. 1912
beabsichtigte Johann Christof Bawart deshalb,
eine sichere Wasserkraft zu gewinnen und für
den Sägewerksbetrieb eine Turbine einzubauen.
Dafür hätte er bei der Malonsbachquelle einen
Stauweiher errichten müssen.5 Zum geplanten
Ausbau kam es jedoch nicht. Bawart zog nach
Sulz, wo er die Säge übernahm, von welcher
seine Frau stammte. Die Maschinen und Anlagen
wurden nach Sulz verlegt. Übrig blieben das
Wohnhaus samt Stall und Stadel, welches Ba
wart im Jahr 1931 an Johann Rauch aus Dünser-
berg verkaufte.
Die Mühle in der Herrengasse (Herrengasse I I)
Neben der Tobelmühle begegnet uns seit dem
17. Jahrhundert die Mühle in der Herrengasse.
Diese befand sich bis 1715 in den Händen der
Familie Speckhle. Dann wurde sie nahezu bis
zum Ausgang des 18. Jahrhunderts von der
Familie Kekhisa (bzw. Keckeis) geführt. 1764
war Franz Xaver Kekhisa (1722-1799) Zunft
meister der Müllerzunft in Rankweil, was seine
Stellung unterstreicht. Bereits zu seinen Leb
zeiten arbeitete sein Schwiegersohn Johann
Ludescher (1753-1808), der letzte Landammann
des Landgerichts Rankweil-Sulz, mit ihm. Die
Kinder Ludeschers und seiner Frau Elisabeth
Keckeis wurden Ende der achtziger Jahre in der 206