Das Verspinnen der Baumwolle zu Garn in
Heimarbeit fand durch die in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts im Rheintal und Walgau
aufkommenden mechanischen Spinnereien und
Webereien ihr Ende. Die Heimarbeit verlegte
sich zunehmend auf das Besticken der Stoffe.
Die Stickerei
1856 suchte Josef Meier um die Bewilligung zur
Ausübung der Stickstückferggerei in den Ge
meinden Götzis, Koblach, Mäder, Altach, Klaus,
Weiler, Viktorsberg, Fraxern, Röthis, Sulz,
Zwischenwasser und Laterns an." Die Hand
stickerei wurde im ganzen Vorarlberger Vorder
land betrieben.
Die Mechanisierung der Stickerei in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnete neue, ein
träglichere Erwerbsmöglichkeiten. 1865 wurde
die erste Kettenstichmaschine in Vorarlberg auf
gestellt, und zwar in Lustenau. Weiler profitier
te ebenfalls vom technischen Fortschritt. 1882
erhielt der Weilerer Landwirt Franz Josef Mar
tin von der Firma Wiesendanger & Cie, mecha
nische Werkstätte in Bruggen bei St. Gallen, eine
Benachrichtigung, dass eine Stickmaschine noch
im Sommer geliefert würde.12 Die Lohnstickerei
im Auftrag Schweizer Unternehmer also war
damit bereits in vollem Gang. Drei Jahre später
bildete eine erste längere Stickereikrise den An
lass zur Gründung des Verbandes der Sticker in
der Schweiz und in Vorarlberg. 1891 hatte der
Verband 65 Mitglieder aus Weiler, die zusammen
über 76 Maschinen verfügten.13 Die Nachbarge
meinden Fraxern, Klaus und Röthis waren im
Mitgliederverzeichnis nicht vertreten. Das an
Einwohnern um vieles größere Sulz stellte nur
79 Mitglieder, Koblach kam auf 78, ganz Vorarl
berg wies 2421 Mitglieder auf. Nach dieser Zu
sammenstellung hatte sich Weiler zum Indust
riedorf entwickelt, das stärker als andere von
der Stickerei dominiert wurde. Die Zuwan
derung während dieser Zeit, die viele Fädlerin
nen und Stickereiarbeiter nach Weiler brachte,
sowie die Erweiterung des Heiratskreises auf
Schweizer Ortschaften sind Ausdruck dieser
starken Industrialisierung des Ortes. Weiler
wurde zum Standort wichtiger Ämter und
Institutionen für das Vorderland. Das Arzthaus
für den Sanitätssprengel Vorderland wurde hier
errichtet. Die Post für Klaus und Weiler siedel
te man im Ort an. Baumaßnahmen wie Pfarr
hofbau, Ratzregulierung und Bau der Hoch
druckleitung konnten in der Hochblüte der
Stickereiindustrie durchgeführt werden.
Die vollständige Ausrichtung auf diesen einen
Industriezweig brachte auch Nachteile. Die
Krisenjahre 1891 und 1892 trafen die Sticker
schwer. In der Weilerer Pfarrchronik hieß es
dazu: ,,Die Stickerei mit den großen Maschinen
ging sehr schlecht; oft gab es keine Arbeit, je
denfalls sehr geringen Lohn; daher bedeutsame
Not unter den Stickern!“14 Die Vorarlberger
Sticker traten aus dem gemeinsamen Stickerei
verband mit der Schweiz aus und gründeten
einen eigenen Verein.15 1892 erholte sich die
Branche nur langsam: ,,Mit der Stickerei ging es
allmählich wieder besser.“
Um die Jahrhundertwende dominierte die
Stickerei das wirtschaftliche Leben in Weiler. In
29 Häusern waren Stickmaschinen unterge
bracht.Von den 142 hauptberuflich Tätigen wa
ren 95 in der Stickerei beschäftigt! Daneben 226