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Full text : Weiler. Die Geschichte der Gemeinde Weiler im Vorarlberger Vorderland

gründeten im August dieses Jahres für Weiler
und Umgebung einen Verein mit Namen ‘Hektoliterklub’.
 Die Statuten desselben schienen
ganz harmlos zu sein und hatten dem Wortlaut
nach nur die Pflege der Geselligkeit zum Zwecke.
 In Wirklichkeit aber hatte derselbe die Absicht,
 die Jungmannschaft in Weiler für deutschfreisinnige
 Themen zu gewinnen. Los von Rom
und los von Österreich waren die Hauptschlagworte
 des neuen Vereins und nach diesen richtete
 sich auch dessen Tätigkeit, also nicht harmlos,
 sondern sehr gefährlich war diese neue
Gründung für Weiler.“" So beschrieb der konservative
 Johann Vith den Geselligkeitsverein
von 1898, dessen spezieller Zweck es war, „dass
jedes Mitglied bei seiner Hochzeit den andern
einen Hektoliter Bier bezahlt“. Der Verein veranstaltete
 Sonnwendfeiern und Vorträge über
deutsche Geschichte. Die sich an den radikalen
alldeutschen Ideen des Reichsratsabgeordneten
Georg Ritter von Schönerer orientierende Ausrichtung
 des Vereins war der Kirche ein Dorn
im Auge.,,Letzten Sonntag blitzte und donnerte
es gleichzeitig von allen sechs Kanzeln des
Vorderlandes und wahre Wolkenbrüche von
Schimpfworten über den armen Hektoliterclub
prasselten auf die entsetzten Zuhörer nieder, so
dass den meisten der Schrecken heute noch in
den Gliedern liegt: mit einem Schlage sollte der
Verein vernichtet werden. ... Der Pfarrer von
Weiler schob dem Club sogar die Schuld an
dem schwachen Besuche seiner stundenlangen
Predigten zu, wobei er vergaß, dass ein benachbarter
 frommer Wirt unter der Predigt den
Leuten leibliche Erfrischungen verabfolgt, die
denselben, wie es scheint, besser schmecken, als
die Worte von der Kanzel. Auf solche Weise
wird ein Verein bekämpft, der den einzigen

Fehler hat, dass er ohne pfarramtliche
Genehmigung gegründet wurde.“'2 Das geistliche
 Donnerwetter richtete sich vor allem gegen
 den promovierten Philosophen Dr. Albert
Ritter, der nach seinem Studium in Graz nach
Weiler zurückkehrte. Dessen Ansichten und
dessen Weltanschauung passten nicht in das
festgefügte Weltbild des dominierenden kirchlich-konservativen
 Lagers. Die politische Gesinnung
 hatte katholisch zu sein. Die Zeitungslektüre
 war Indikator der politischen Einstellung
und wurde zu politischen Agitationen verwendet.
 „Nummer 140 des ‘Vorarlberger Volksblattes’
 brachte ein Verzeichnis jener Ortschaften

Ludwig Ritter 241
            
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