unseres Landes, in welchen das Sudelblatt,
‘Scherer’ genannt, gehalten und gelesen wird. Es
waren deren 10 und unter diesen leider auch
Weiler genannt, doch zur Ehre der Gemeinde
sei hier berichtet, dass genanntes Blatt, so viel
ich erfahren konnte, nur in einem Exemplar und
zwar bei dem neuen Religionsstifter Ritter auf
Riedles Gefilden zu finden ist. - Als Gegenstück
zu obigem sei konstatiert, dass in Weiler gegenwärtig
I 2 Volksblätter (davon 6 Tagesausgaben),
65 Landboten, I Reichspost, 17 Treue Kameraden,
5 Warnsdorfer Hausblätter und noch
viele andere katholische Blätter gehalten und
gelesen werden.“13
In diesem politisch aufgeheizten Klima hatte es
eine Opposition schwer. Da der Hektoliterklub
dennoch Anhänger fand, wurde im Juli 1899 ein
Gegenklub mit Namen „Eintracht“ gegründet.
,,Der Zweck des Vereines ist Belehrung und
Unterhaltung im christlichen und patriotischen
Geiste, Förderung der allgemeinen Bildung,
Weckung und Bethätigung des Gemeinsinnes
und Pflege der Geselligkeit.“ Besonders unterstrichen
wurde der Charakter einer Gegengründung
durch folgende statuarische Bestimmung
über die Mittel zur Erreichung des
Vereinszwecks:,,Zur besonderen Betätigung des
Gemeinsinnes sollen die ledigen Vereinsmitglieder
jedes heiratende Mitglied zur Hochzeit in
die Kirche und wieder zurück nach Hause
begleiten.“ Gründungsmitglieder waren Pfarrer
Engelbert Moosbrugger, Gemeinderatsmitglied
Johann Vith, Franz Josef Morscher, Ludwig
Ludescher, Josef Anton Nägele und Gemeindevorsteher
Johann Georg Seyfried,14 also die
politisch bestimmenden Kräfte in Weiler.
Der Opposition blieb ein Erfolg versagt. Bei den
Gemeindewahlen von 1900 „wurde die Partei
Dr. Ritters neuerlich geschlagen“.15 Der Hektoliterklub
löste sich im März 1902 auf, ohne dass
eine entsprechende Versammlung der Mitglieder
stattgefunden hätte.16 Die Möglichkeit, eine
Opposition auf vereinsmäßiger und breiterer
Basis zu bilden, war nun nicht mehr gegeben.
Die Gemeindewahlen 1909 verliefen entsprechend
den dominierenden Mehrheitsverhältnissen:
„Einparteiensystem wurde nur aus Weiler
eines gemeldet; dort wurden sämtliche Kandidaten
vom christlich-sozialen Wahlkomitee vorgeschlagen.
Gegenpartei organisierte sich keine.“17
Albert Ritter
Albert Ritter und sein Zwillingsbruder Ludwig
wurden am 29. Jänner 1872 als Söhne Georg
Ritters und der Josefa Morscher geboren. Albert
studierte am Gymnasium in Feldkirch. Die
„Feldkircher Lehrjahre“ prägten seine spätere
politische Haltung. Ritter wurde Mitglied der
deutsch-freiheitlichen Studentenverbindung namens
„Nibelungia“. Er engagierte sich bereits
1888, indem er einen Nachruf auf den verstorbenen
deutschen Kaiser Wilhelm I. hielt. Das
Nahverhältnis zu Deutschland vertiefte er in
seiner Studienzeit. Er belegte an der Universität
Graz die Fächer Germanistik und Geschichte.
An seinem Studienort wurde er zum Gründungsmitglied
des „Corps Vandalia“, einer
deutsch-national gesinnten Studentenverbindung.
Sein politisches Denken war der auf Schönerer
zurückgehenden Idee des Alldeutschtums
verpflichtet, dessen radikaler Verfechter er zeitlebens
blieb. In Graz lernte er seine spätere
Frau, Laura Kirchmayer, kennen. Er heiratete die 242