accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Weiler. Die Geschichte der Gemeinde Weiler im Vorarlberger Vorderland

bis 1945 stagnierte die Geburtenzahl. In den
Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde sie sogar
von der Sterbeziffer übertroffen. Der Anstieg
der Geburten in den fünfziger Jahren lag noch
auf dem Niveau der Periode von 1891 bis 1900.
Die wesentlich geringere Sterblichkeit aber trug
zu einer massiven Bevölkerungszunahme bei.
Die Entwicklung der sechziger Jahre war zu
einem Gutteil mitbewirkt durch die große Zahl
der Zuwanderer, die im heiratsfähigen Alter in
Weiler heimisch wurden. Dagegen wurde der
Bevölkerungszuwachs in Weiler zwischen 1971
und 1980 ausschließlich von der Geburtenbilanz
getragen. Die Wanderungsbilanz war in diesem
Zeitraum sogar negativ, während in der Nachbargemeinde
 Röthis die Bevölkerungszunahme
in dieser Periode zu 56 Prozent der Zuwanderung
 gutzuschreiben war.27 In den achtziger
Jahren schließlich trugen die Geburten zu achtzig
 Prozent zur Zunahme der Wohnbevölkerung
 bei. Die restlichen zwanzig Prozent waren
auf wieder einsetzenden Wanderungsgewinn
zurückzuführen.

Die Geburtenzahlen verdeutlichen das Bevölkerungswachstum
 der Gemeinde. Ihr Schwankungsverlauf
 lässt sich als Reaktion auf wirtschaftliche
 Entwicklungstendenzen wie Krisenzeiten
 oder Konjunkturen verstehen. Die jahreszeitliche
 Verteilung der Geburten dagegen
lässt Aussagen über die Wirtschaftsform der
dörflichen Gesellschaft zu. Ein Vergleich der
Geburtsmonate anhand des Taufbuches Weiler
zeigt zwischen 1650 und 1850, also über einen
Zeitraum von zweihundert Jahren hinweg, viele
Geburten im Winter, weniger Geburten im
Sommer. Die Spitzen lagen zunächst in den
Monaten Februar und März, dann im November

Verteilung der Geburten auf Winter- und
Sommermonate in Prozent

Jahr Okt.-März April-Sept.
1651-1660 53,8 46,2
1701-1710 60,0 40,0
1751-1760

64,9 35,1
1801-1810 61,4 38,6
1851-1860 56,6 43,4
1901-1910 50,3 49,7

und im Dezember, wobei sich ab der Mitte des
18. Jahrhunderts die Geburtenspitze um zwei
Monate verschob, vom Februar in den Dezember.
 Diese Verlagerung war vermutlich eine
Folge der zunehmenden saisonalen Auswanderung,
 welche die Männer bereits im Frühjahr
außer Landes führte. Die niedrigsten Geburtenraten
 fielen in die Monate Mai, August und
September. Eine solche saisonale Verteilung ist
typisch für Agrargesellschaften. Je nach Jahreszeit
 gab es im bäuerlichen Haushalt mehr oder
weniger Arbeit, bei welcher der Frau eine
wesentliche Rolle zukam. Also trachtete man,
das Stadium der Hochschwangerschaft und die
Geburt in die weniger arbeitsintensive Winterszeit
 zu verlegen.28 Schließt man vom Zeitpunkt
der Geburt auf den Zeitpunkt der Empfängnis,
so zeigt sich, dass in den Monaten Juli bis
Oktober die wenigsten Konzeptionen zu verzeichnen
 sind. Es waren dies die arbeitsintensivsten
 Monate der bäuerlichen Gesellschaft.
Manche jüngere Mitglieder des Dorfes befanden
sich zudem auf Wanderschaft in auswärtigen
Gegenden. Schließlich spielte wohl auch die
Ernährungslage eine Rolle, die vor dem Einbrin­ 72
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.