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Full text : Weiler. Die Geschichte der Gemeinde Weiler im Vorarlberger Vorderland

gen der neuen Ernte am angespanntesten war.29
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts und ganz
deutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte
sich eine Nivellierung der saisonalen Geburtenkurve.
 Die Sommermonate April bis September
zogen nun gleich mit den Wintermonaten.
Lagen die Unterschiede zwischen dem geburtsreichsten
 Monat und dem Monat mit der niedrigsten
 Niederkunftsrate bis 1850 bei zehn und
mehr Prozent, so betrug seit der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts der Abstand nur mehr
sechs bzw. acht Prozent. Ein Vergleich der
Halbjahresperiode Oktober bis März mit den
Monaten April bis September macht diese
gleichmäßigere Verteilung der Geburten augenscheinlich.
 Die Abkoppelung von Schwangerschaft
 und Geburt vom bäuerlichen Arbeitszyklus
 zu Beginn des 20. Jahrhunderts weist
deutlich auf eine veränderte Wirtschaftsstruktur
 von Weiler hin.

Sterblichkeit

Die Sterblichkeit verlief langfristig parallel zur
Geburtenkurve. Sie entkoppelte sich von der
Geburtenzahl erst seit dem Beginn des 20.
Jahrhunderts und ging trotz steigender Geburtenrate
 zurück. Eine Ausnahme bildete die Zeit
des Zweiten Weltkrieges, wo die Sterbekurve
wieder die Geburtenanzahl überstieg, wie
schon zur Zeit der französischen Kriege von
1790 bis 1800. Hinter den nüchternen Zahlen
steht die ganze Tragik der Kriege, die in Weiler
viele Opfer forderten. Ebenfalls ein Anstieg der
Sterbekurve ist in den sechziger Jahren des 20.
Jahrhunderts zu verzeichnen. Dieser Umstand
deutet auf die hohe Zahl der Neuansiedelungen
und die damit verbundene Veränderung der

Altersstruktur der Einwohner hin.Von besonderer
 Tragik war die Kindbettsterblichkeit. Im 18.
Jahrhundert starben zehn junge Mütter an der
Infektion der Geburtswege, im 19. Jahrhundert
waren es 19 Frauen, die aufgrund der hygienischen
 Bedingungen bei der Geburt eines Kindes
ihr Leben ließen. Nach 1900 verstarben nur
mehr zwei Frauen im Kindbett.

Kindersterblichkeit

Die Frage, wieviele Kinder im Vergleich zu den
Geburten starben, lässt sich erst ab dem Ende
des 18. Jahrhunderts mit einiger Sicherheit
beantworten. Vorher wurde in den Pfarrmatrikenbüchern
 das Alter nicht oder nur ungenau
vermerkt. Oft notierte man die verstorbenen
Kinder auch gar nicht eigens in den Sterbematriken,
 sondern versah ihre Namen im
Geburtsbuch nur mit einem Kreuz. Die Zahlen
seit 1781 belegen mit 40 Prozent und im letzten
Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts sogar mit 50
Prozent eine immens hohe Kindersterblichkeit.
Nur jedes zweite Kind erlebte das fünfte
Lebensjahr. Die zu dieser Zeit einsetzende heimindustrielle
 Tätigkeit forderte einen hohen
Tribut. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
betrug die Sterblichkeitsrate der Kinder immer
noch mehr als ein Drittel der Geburten. Erst
seit 1861 verringerte sich die Kindersterblichkeit
 in Weiler und sank erstmals unter die 30-Prozent-Marke.
 Nun wurde die verbesserte
medizinische Versorgung wirksam. Deutlich
erhöhten sich die Überlebenschancen der
Kinder zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.
Pro hundert Geburten starben weniger als
zwanzig Prozent. 1980 lag die Kindersterblichkeit
 nur mehr bei 2,3 Prozent. Bezieht man die 73
            
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