den Augen der Behörden politisch unzuverlässigen
Arbeiter war der Aufenthalt in der Schweiz
überhaupt verboten.” Erst seit der Mitte der
sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts begann
sich das Verhältnis etwas zu lockern. Nun wanderten
der 31jährige Franz Josef Zimmermann
und der 24jährige Johann Morscher zu Zimmermannsarbeiten
in die Schweiz aus.35 Für die
Maurer Gebhard, Johann und Michael Längle
sowie für Thomas Spalt blieb weiterhin Frankreich
das Auswanderungsziel. Letzterer heiratete
1874 dort eine protestantische Schweizerin,
die Kinder wurden jedoch katholisch getauft,
wie im Familienverzeichnis von Weiler ausdrücklich
vermerkt ist.36 Aus dem saisonalen
Auswanderungsziel wurde ein dauernder Aufenthaltsort.
Der Kontakt zur Heimatgemeinde
riss aber nicht ab. Eine Stieftochter von Thomas
arbeitete jedenfalls von Juli 1884 bis November
1885 als Fädlerin bei ihrem Onkel Johann Spalt
in Weiler.”
Seit 1871 findet sich vermehrt St. Gallen als
Aufenthaltsort der außerhalb von Weiler befindlichen
Personen, und erstmals 1879 heißt es
von Josef Alois Peter, dass er sich als Sticker in
der Schweiz aufhalte.38 Von den in diesem Jahr
ausgestellten vier Heimatscheinen bezogen sich
drei auf die Schweiz. Fünf Jahre später waren
von zehn abwesenden Heimatberechtigten
sechs in der Schweiz auf Arbeit - ein eindrücklicher
Beleg für die aufstrebende Stickerei. Für
Ziegeleiarbeiter bot auch Marbach anfangs der
achtziger Jahre lohnenden Verdienst. Die saisonale
Binnenwanderung aus Weiler in die einzelnen
Bezirke Vorarlbergs betraf im 19. Jahrhundert
vor allem Dienstmägde, Dienstknechte und
Häuserinnen. Sie fanden ihre Dienstgeber zumeist
in der nächsten Umgebung, hauptsächlich
im Bezirk Feldkirch. Dornbirn und Lustenau
scheinen als Aufenthaltsorte nur 1861, 1863,
I869,dann 1874 und 1875, 1879, 1881 und 1882
auf, also achtmal innerhalb von fünfundzwanzig
Jahren. In Bludenz war I 876 Theresia Bawart als
Zuckerbäckerin tätig, wohin ihr fünf Jahre später
Othilia und Paulina Bawart folgten.35 Zu Beginn
der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts
war nicht mehr Dienstmagd, sondern Fädlerin
die häufigste Berufsangabe. In Götzis begegnet
uns 1884 als Erste einer langen Reihe von auspendelnden
Fädlerinnen Josefa Schwarz. In dem
Vierteljahrhundert zwischen 1861 bis 1886, vor
dem Durchbruch der Stickerei, waren 139 Personen
bzw. im jährlichen Durchschnitt fünf Personen
saisonal außerhalb ihrer Heimatgemeinde
beschäftigt.
Die dauerhafte Abwanderung
Die zeitliche Auswanderung veränderte die
Bevölkerungsstruktur nicht allzusehr, wohl aber
das Wissen und den Erfahrungsraum des Einzelnen.
Im Hinblick auf die Bevölkerungszahl fiel
die bleibende Absiedlung mehr ins Gewicht. Die
Gemeinde versuchte durch Einzugs- und Abzugsgeld
die Bevölkerungsentwicklung zu steuern.
Erschwerend kam beim Wegzug die Aufgabe
der Heimatberechtigung in Weiler hinzu.
Festgehalten wurden die Ab- und Ansiedlungen
in der Gemeinde im Raitingsbuch, dem Abrechnungs-
und Kassabuch der Gemeinde Weiler,
welches bis 1656 zurückreicht. Der Gemeindekasse
war der Wegfall der Arbeitskraft für Frondienste
sowie die durch den Abzug verursachten
Mindereinnahmen an Steuern und Abgaben
zu ersetzen. Die Höhe des Abzugsgeldes richte 83