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Erfahrene Schnapsbrenner brachten aus Wildkirschen, Holunder, Vo-
gelbeeren, Kriacha und Beeren schon vor Jahrhunderten ungewohnte
Köstlichkeiten zustande. Das Vertrautwerden mit solchen Destillaten
macht mitunter schon mehr als früher auf solche „Medizin für Genießer“
neugierig. Heute ist aber auch schon jede Hausfrau imstande, in gutem
Obstbranntwein ausgesuchte Wildbeeren und Kräuter anzusetzen und
danach mit einem ungewohnt aromatischen Likör zu überraschen.
Biotope mit vielfältiger Lebewelt
In gemischt strukturierten Gebüschsäumen lassen sich nicht selten
die artenreichsten natürlichen Lebensräume entdecken. Je mehr hier
heimische Pflanzen – im Übergang zur Wiesenflora Gräser, Kräuter
und Hochstauden inbegriffen – zu gedeihen vermögen, desto eher darf
zugleich eine reichhaltige Fauna erwartet werden. Zusammenhängend
können solche Saumbiotope geradezu als Lebensadern vernetzend
wirken.
Durch das Nebeneinander von früh- und spätblühenden Stauden
und Sträuchern werden Monate hindurch Bienen, Hummeln, Fliegen,
Schmetterlinge und verschiedenste andere Insekten angezogen. Dabei
lässt sich leicht übersehen, wie viele kaum bekannte Raupen- und
Käferarten alle in schon im vielfältigen Blattwerk Nahrung finden. Man
schätzt, dass auf einen Wildstrauch im Durchschnitt mindestens zehn
Insektenarten
entfallen.3
Auch wenn es nur halb so viele wären, lässt
sich erahnen, wie vielfältig so ein Kleinlebensraum unauffällig bevölkert
ist. Nicht zu vergessen Feldhasen, Igel, Mäuse und andere Kleinsäuger,
die Nahrung und schützenden Unterschlupf suchen.
Wo die für nutzlos gehaltenen Wildsträucher beseitigt werden, ver-
schwinden auch so manche Vogelarten, die sich hier am liebsten auf-
gehalten haben. Wenn man bedenkt, dass sich mehr als ein Drittel der
heimischen Brutvogelarten vorwiegend von Insekten ernährt, wissen
wir um einen der Gründe, wenn ihr Gesang verstummt ist. Doch auch
die Vegetarier unter ihnen müssen nach den von ihnen geschätzten
Früchten und Sämereien anderswo Ausschau halten.
Man sollt e es nicht für mögli ch halten, wie bestimmte Tierarten auf ganz
bestimmte Heckenpflanzen angewiesen sind. Wo beispielsweise gut ge-
meint die Große Brennnessel beseitigt wird, beseitigt man zugleich die
Lebensgrundlage von Admiralfalter, Kleinem Fuchs und T agpfauenauge,
deren Raupen sich von dieser ernähren. Von Faulbaumblättern nähren
sich die Raupen von mehr als zwei Dutzend Schmetterlingsarten. Nach
dem Winterende sind früh blühende Heckengehölze wie der Schlehdorn
die erste Nektarnahrung für überwinternde Schmetterlinge und andere
Insektenarten.
Damit sich Heckenpflanzungen zu artenreichen Biotopen entwickeln
können, muss für ihre Pflanzen- und Tierwelt sehr vieles zusammen-
passen. Anscheinend ist wenig bekannt, was mit Gebüsch bewachsene
Wegränder für die heimischen Singvögel bedeuten. Ähnlich wie
abwechslungsreich strukturierte Waldränder werden Hecken mit Wild-
sträuchern und anderen natürlichen Flurgehölzen als Rückzugsbereiche
mit oft geradezu idealen Nistmöglichkeiten aufgesucht. Gleichzeitig
dienen sie verschiedensten Tierarten des offenen Kulturlandes als
Flucht-, Schlaf- und Überwinterungsmöglichkeiten.
Würden Brombeeren nicht als schmackhafte Früchte geliebt, würde
deren dorniges Gestrüpp zweifellos noch radikaler beseitigt, als es
Manche Perlmutterfalter lassen sich im Sommer von blütenreichen Hecken
anlocken. Um heimisch zu werden, sind ihre Raupen im Frühjahr aber auf die
Blätter von Veilchen angewiesen. angewiesen.