Angelika Kauffmann wurde am 30. Oktober 1741 in Chur geboren und starb
am 5. November 1807 in Rom. Sie war die Tochter und Schülerin des Malers
Johann Joseph Kauffmann von Schwarzenberg im Bregenzerwald. Schon
früh bekundete sie ihr malerisches Talent, weshalb sie ihr Vater zur weite
ren Ausbildung mit nach Como und dann nach Mailand nahm, wo sie unter
anderen den Herzog von Modena und dessen Gemahlin malte. In Schwar
zenberg schmückte sie im Alter von erst 16 Jahren die dortige Kirche mit
Apostelbildern und auch das Schloß des Grafen von Montfort in Langen
argen am Bodensee mit Gemälden. In Florenz, wohin sie sich dann wandte,
faßte sie eine leidenschaftliche Zuneigung zu Musik und Gesang, doch kehrte
sie 1763 wieder zur Malerei zurück. Noch im gleichen Jahr ging sie nach
Rom, wo sie bei Winckelmann Unterricht genoß. 1765 reiste sie nach London.
Dort malte sie eine Anzahl bedeutungsvoller Bilder. Am Hofe in Gunst ste
hend, zum Mitglied der königlichen Akademie ernannt und von der Aristo
kratie mit Geld und Ehren überschüttet, stand sie auf dem Gipfel ihres
Ruhmes, von dem sie in Leid absteigen mußte, als sie einen Betrüger, der sich
unter dem Namen eines schwedischen Grafen Horn in London aufhielt,
ehelichte. Die Ehe wurde zwar wieder gelöst, hatte aber ihr Leben verbittert.
Später heiratete sie den Maler Antonio Zucchi, einen Künstler von geringem
Verdienst, aber von achtenswertem Charakter und kehrte 1781 nach Italien
zurück. Später begab sie sich nach Neapel und dann nach Rom. Dort malte
sie auch einige Bilder für Kaiser Joseph II. In Rom lernte sie Goethe kennen.
1807 starb die große Künstlerin in Rom kinderlos und verwitwet.
Ihre Büste wurde im Pantheon in Rom ausgestellt. Das Altarbild in der Kirche
in Schwarzenberg wurde gleichfalls von ihr gemalt. Das Landesmuseum in
Bregenz beherbergt mehrere Bilder der Künstlerin. In der Kirche und im
Heimatmuseum in Schwarzenberg befinden sich Büsten der großen Malerin.
Ihre Werke stellen uns inhaltlich vor keine Rätsel; ihr warmes, harmonisch
wirkendes Kolorit und ihre übersichtliche Komposition entbehren nicht des
ästhetischen Reizes. Ein starkes poetisches Empfinden drückt sich in ihren
porträtähnlichen weiblichen Darstellungen aus. Eduard Engels schließt sein
Werk über Angelika Kauffmann mit den Worten: „Angelica ist eine lichte
Erscheinung im Abendrot einer dem Untergang verfallenen Zeit. Wie ein
bleicher, goldener Abendstern steht sie am Himmel der Kunst, und solange
es Leute gibt, die nach dem wirklichen Abendstern gerührten Herzens auf
blicken, solange wird Angelica im Andenken der Menschen nicht vergessen
werden." 21