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Full text: Geschichte des Geschlechts Furtenbach

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" erachtete es auch nicht als meine Profession discipuli zu halten," — 
Selbstbiographie Bd. II. S. 160. So wurden mit Joseph II. zusanmen 
von einem tüchtigen Hauslehrer unterrichtet, seine zwei Vettern, Gabriel 
I.(1640-1716) und Johann Baptista (1636-1671). In Pyrotechnik und 
Büchsenmeisterei, lehrte Joseph I. sie selbst, wie in mathematischen 
Fächern und der Astronomie. Unter den Jünglingen war ein gesunder Wett­ 
eifer. Schmerzlich war es für Joseph II., als seine kräftigen Vettern 
ins volle Leben hinauszogen. 
Der Verkrümmte jedoch spannte seine geringen Kräfte auf's äusserste an: 
Geist und Seele waren klar und aufrecht, demnach hatte er sich vorwärts 
zu strecken. Was niemand ihm zutraute, erreichte er: er wurde Kupfer­ 
stecher und Mathematiker, schrieb Schriften über Architektur und malte 
Porträts. Im Ulmer Stadtmuseum hängt das Bildnis des geliebten und 
hochverehrten Vaters. Kein hoher Kunstwert vielleicht, aber voller Lie­ 
be und Ausgeglichenheit. Immer enger schlossen Vater und Sohn sich an­ 
einander: der Jüngere des Aelteren Helfer am Reisstisch. Joseph II. 
hat des Vaters Pläne und Risse in Kupfer gestochen, seine lehrhaften 
Schriften druckfertig gemacht. War eine Schrift vergriffen, wie "vom 
Grottenwerk" oder "Von Sonnenuhren",so schrieb der Sohn sie reinlich 
ab, und der Vater konnte sie dem Gast verehren, der sie zu haben ge­ 
wünscht. Zum "Hospitalgebäw" hat Joseph II. Wort und Stiche vollen­ 
det während seiner letzten Krankheitszeit. 
Siebzehn Monate war der junge Mensch ans Bett gebunden. Seine letzte 
Freude war eine Seidenraupenzucht, eine leichte stille Beschäftigung, 
wobei seine Mutter ihm half. Bei Tag und bei Nacht wich die Mutter 
kaum vom Schmerzenslager ihres Sohnes. In ihrer frommen Art pflegte 
und tröstete sie ihn. Manche Stunde des Tages und der Nacht verbrach­ 
te auch der vielbeschäftigte Vater bei dem kranken Sohn. Der mit vie­ 
len Geistesgaben ausgerüstete Jüngling pflegte noch lange seine Interes­ 
sen an Fragen der Technik und Architektur. Das Beste schenkte der be­ 
kümmerte Vater seinem der Auflösung sich nähernden Sohn, indem er ihm 
vorlas aus der Bibel und Erbauungsbüchern. Musste er abwesend sein vom 
Krankenzimmer, so schrieb er einen Kernspruch aus der Bibel auf, es sol­ 
len 200 gewesen sein, womit er die kämpfende Seele stärkte.- Am 8.3.1655 
wurde der tapfere Dulder von seinen Leiden erlöst. Pfarrer Honold hielt 
ihm die Leichenrede, die gedruckt wurde. Freunde, Gönner und hohe Per­ 
sönlichkeiten bezeugten den achtbaren und betrübten Eltern ihre Anteil­ 
nahme, auch liessen sehen, wie beliebt der junge Mensch gewesen ist.
	        
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